Bevor Wolfram Weimer als Staatsminister ins Kanzleramt einzog und seither dort für die Kultur und Medien zuständig ist, war der 61-Jährige einer der Top-Journalisten des Landes. Seine spezielle Eigenschaft: eine bürgerliche Grundhaltung, konservativ der Blick auf die Gesellschaft, ansonsten wirtschaftsliberal. Da so eine Grundierung in der deutschen Medienszene zunehmend exotisch geworden ist, war Weimer in den vergangenen Jahren zum beliebten Talkshow-Gast geworden, um dieses Spektrum zu repräsentieren. Er profitierte von seinem Renommee als Gründer des Magazins „Cicero“ und Chefredakteur von „Welt“ und „Focus“. Und den Journalisten Weimer zeichnete noch ein Talent aus: Er war thesenfreudig.
Entsprechend groß war die Vorfreude, als bekannt wurde, dass der Parteilose auf Einladung seines Freundes Friedrich Merz am Kabinettstisch Platz nehmen wird. Auch dass zeitgleich im linken Spektrum ein großes Geheul aufbrandete, hier werde ein konservativer Dunkelmann berufen, musste Weimer zunächst nicht stören. Viel Feind, viel Ehr – das kannte der Publizist aus seinem Beruf. Nun wurde sein 2018 erschienenes „Konservatives Manifest“ von seinen Kritikern noch einmal einer genauen Lektüre unterzogen, mit dem Ziel, ihm irgendwie eine Tendenz hin zur rechtspopulistischen Grauzone nachweisen zu können. Doch die lupenreine konservativ-liberale Programmschrift war genau das Gegenteil. Hier hatte Weimer, der sich auch immer wieder mit religiösen Fragen auseinandergesetzt hatte (2021: „Sehnsucht nach Gott“), deutlich Grenzen gezogen zwischen einer konservativen Einstellung in seinem Sinne und rechtspopulistischen Tendenzen. Dieser Linie blieb er auch weiter treu.
Freilich mag das dazu beigetragen haben, dass er nun nicht nur von linken Medien, sondern auch von dezidiert rechten kritisch beäugt wurde. Alexander Wallasch, regelmäßiger Autor unter anderem bei „Tichys Einblick“, machte im Oktober letzten Jahres auf eine problematische Veröffentlichungspraxis von „The European“ aufmerksam, einer Online-Publikation, die in der Weimer Media Group erscheint. Dort ist seit Wolfram Weimers Wechsel in die Politik zwar dessen Ehefrau Christiane Goetz-Weimer die alleinige Verlegerin, aber die problematische Praxis war auch schon zuvor Usus. Es geht um Urheberrechte. Es waren die Texte von zahlreichen prominenten Politikern veröffentlicht worden, etwa von AfD-Chefin Alice Weidel oder Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, ohne dass diese vorher nach ihrer Zustimmung gefragt worden waren. Der Vorwurf: Hier sei geistiges Eigentum verletzt worden. Das Gegenargument: Es habe sich lediglich um eine Dokumentation, zum Beispiel von Politikerreden, gehandelt, und die sei immer honorarfrei.
Ein Weggefährte soll es richten
Seither fasste Weimer nicht mehr wirklich Tritt. Auch mit seinem Vorstoß zum Deutschen Buchhandelspreis, als seine Behörde drei linke Läden mit aus ihrer Sicht problematischen Tendenzen ausschließen wollte, konnte er nicht reüssieren. Als er im Interview mit der „Zeit“ von Extremisten sprach, bekam er schließlich eine Unterlassungsklage.
Stellt sich Weimer deswegen nun kommunikativ noch einmal neu auf? Mit dem Journalisten Christian Meier hat Weimer einen neuen Leiter seines Kommunikationstabs berufen. Der bisherige Sprecher Hero Warrings scheide, so hieß es in der Mitteilung, wie zuvor vereinbart nun nach einem Jahr aus, er arbeitet künftig für ThyssenKrupp. Hier hat Weimer die Chance, für die zweite Halbzeit neue Akzente zu setzen. Mit Meier, der unter anderem auch für „Cicero“ und „Welt“ arbeitete, hat er sich jedenfalls einen Weggefährten an die Seite geholt, der gut zu seinem inhaltlichen Profil passt.
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