Ukraine-Russland-Konflikt

Der Bundeskanzler bleibt blass

Olaf Scholz reist nach Kiew und Moskau. Neben der Diplomatie ist jetzt auch eine klare Kommunikation nach innen gefordert. Das Volk will in der Krise wissen, woran es mit seinem Kanzler ist.
Bundeskanzler Scholz reist nach Kiew
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Angesichts einer Kriegsgefahr verlangt das Volk nach klaren Worten von Bundeskanzler Olaf Scholz.

„Scholz packt das an.“ – mit diesem Slogan ist der jetzige Bundeskanzler in den Wahlkampf gezogen. Ein Großteil der Bevölkerung – das zeigen seine schlechten Umfragewerte der letzten Tage – hat ganz offensichtlich Zweifel, ob Olaf Scholz dieser Handlungsmaxime wirklich noch folgt. Und das in einer Situation, in der es um Krieg oder Frieden geht.

Das Volk verlangt nach klaren Worten

Natürlich hat jeder Bundeskanzler sein ganz eigenes Führungscharisma. Olaf Scholz ist eben Olaf Scholz und nicht einer seiner Vorgänger. Und der Bundeskanzler selbst scheint offenbar davon überzeugt, dass er in der für ihn typischen Zurückhaltung – möglichst wenig Worte machen, klare Positionierungen vermeiden – genau jene Führungsstärke zeigt, die ihn bisher in seinem politischen Leben immer weiter gebracht hat.

Lesen Sie auch:

Die aktuelle Krisensituation zwischen Russland und der Ukraine ist aber kein Bundestagswahlkampf bei dem er sich mit einer solchen Taktik zum Sieg durchwursteln kann. Angesichts einer Kriegsgefahr verlangt das Volk nach klaren Worten des Kanzlers. Wer in diesen Tagen mit älteren Menschen spricht, die selbst noch den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, kann erfahren, wie sehr auch in Deutschland die Angst umgeht, dass das, was über Jahrzehnte unmöglich schien, plötzlich Realität werden könnte: ein Krieg in Europa. Ein Kanzler ist eben nicht nur der leitende Angestellte der Deutschland AG, der mehr oder weniger technokratisch effektiv die Geschäfte führt. Ein Kanzler muss auch ein Psychologe sein, der die Ängste in der Bevölkerung erkennt, auf diese Sorgen reagiert und so Vertrauen in seine Politik erzeugt.

Die Menschen wollen wissen, wofür Olaf Scholz steht und nach welchen Maximen er ihr Land führt. Der Bundespräsident ist gestern über seinen Schatten gesprungen und hat klare Worte gefunden. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Olaf Scholz nachzieht oder weiter blass  bleibt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Olaf Scholz will in die ukrainische Hauptstadt reisen. Die Ukraine hofft auf mehr Waffen. Aber will das der Bundeskanzler wirklich?
13.06.2022, 13  Uhr
Sebastian Sasse
Mit seiner psychologischen Kriegsführung ist Putin erfolgreich. Die westliche Einheit schmilzt angesichts der Hoffnung auf Entspannung.
16.02.2022, 19  Uhr
Stephan Baier
Themen & Autoren
Sebastian Sasse Kriegsgefahr Olaf Scholz Völker der Erde

Kirche

Der Kampf der Systeme und ein Etappensieg für den Schutz des ungeborenen Lebens: Chefredakteur Guido Horst stellt im Video einige Themen der neuen Ausgabe der "Tagespost" vor.
29.06.2022, 17 Uhr
In seinem jüngsten Apostolischen Schreiben bekräftigt Franziskus, dass es nur eine Form gibt, den römischen Ritus zu feiern.
29.06.2022, 12 Uhr
Guido Horst
Es sei eine Häresie, dass der Patriarch aus pseudo-religiösen Gründen den brutalen Krieg in der Ukraine legitimiert, sagt Kurienkardinal Kurt Koch im "Tagespost"-Interview.
29.06.2022, 17 Uhr
Stephan Baier
Dass Kyrill aus pseudo-religiösen Gründen den Krieg in der Ukraine legitimiert, sei eine Häresie, sagt Kardinal Kurt Koch im „Tagespost“-Exklusivinterview.
29.06.2022, 08 Uhr
Vorabmeldung
Die Pandemie ist nicht der Grund für den Schwund. Mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit der Neuevangelisierung lassen den Trend ungebremst fortschreiten. 
28.06.2022, 11 Uhr
Peter Winnemöller