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Ein Adelssohn wird Eremit

Das reiche italienische Ehepaar Corrado und Eufrosina verarmte von heute auf morgen. Darum wurde Eufroisna Klarissin und Corrado ein Einsiedler, durch den Gott Wunder wirkte.
Der heilige Corrado Confalonieri
Foto: IN | In Sizilien pflegte er Kranke, zuletzt zog er sich in völlige Einsamkeit in eine Grotte zurück, um sich ganz dem Gebet zu widmen.

In dem 2002 in Italien erschienenen Roman „La moglie del santo“ (Die Frau des Heiligen) erzählt der Autor Corrado Occhipinti Confalonieri die Geschichte seines Namensvetters, des heiligen Corrado Confalonieri, und dessen Ehefrau Eufrosina. Die Liebe des Paares, das im Hochmittelalter lebte, nahm infolge eines tragischen Ereignisses mystische Dimensionen an, und beide wandten sich dem religiösen Leben zu: Eufrosina wurde Klarissin und Corrado Einsiedler. Corrado wird seit seinem Tod in der sizilianischen Stadt Noto verehrt. 1515 sprach Papst Leo X. ihn selig. Sein Gedenktag ist der 19. Februar.

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Das Paar stammte aus dem oberitalienischen Piacenza, damals eine bedeutende Stadt und Mitglied des Lombardenbundes, der sich den Stauferkaisern und ihrem Einfluss in Italien entgegenstellte. Hier wurde Corrado Confalonieri um 1290 in einer adligen Familie geboren. Als junger Mann heiratete er Eufrosina und führte mit ihr ein Leben, das von Privilegien und Reichtum geprägt war. Er verbrachte viel Zeit mit der Jagd, wie es in seinem Stand üblich war. Als er etwa 25 Jahre alt war, kam es dabei eines Tages zu einem einschneidenden Ereignis, das sein Leben verändern sollte.
An diesem Tag war Corrado, hoch zu Ross und mit großem Gefolge aus zahlreichen Dienern, Hunden, Frettchen und Falken, auf Kaninchenjagd. Als diese in ihre unterirdischen Bauten flohen, befahl Corrado den Dienern, das umliegende Buschwerk anzuzünden, um die Tiere durch den Rauch ins Freie zu treiben. Durch den Wind griff das Feuer auf die umliegenden Felder über. Corrado kehrte daraufhin mit der Jagdgesellschaft in die Stadt zurück und gab den Dienern die Weisung, niemandem etwas zu erzählen.

Als bekannt wurde, dass die gesamte Ernte zerstört war, sandte der Stadtherr Soldaten aus, um den Schaden anzusehen. Sie nahmen vor Ort einen armen Mann fest, der auf der Suche nach Holz war; dieser wurde wegen Brandstiftung zum Tode verurteilt.

Plötzlich ohne Geld

Als Corrado das erfuhr, regte sich sein Gewissen, und um das Leben des unschuldigen Mannes zu retten, übernahm er Verantwortung für sein Handeln: Er gab zu, das Feuer gelegt zu haben, und erklärte sich bereit, den Schaden zu ersetzen. Fast sein ganzes Vermögen wurde konfisziert; Eufrosina und er blieben von einem Tag auf den anderen verarmt zurück. Dies führte bei den jungen Eheleuten zu einer tiefen Umkehr. Statt in Verzweiflung zu versinken, beschlossen sie, im Geist des heiligen Franz von Assisi „Schwester Armut“ als Gottes Willen für ihr Leben anzunehmen: Eufrosina trat in ein Klarissenkloster ein, während Corrado sich dem Drittorden der Franziskaner anschloss und Richtung Süden auf Wanderschaft ging.

Er besuchte in Rom die Apostelgräber und weitere heilige Stätten, setzte dann nach Malta über und ließ sich schließlich auf dem südöstlichen Zipfel Siziliens bei der Stadt Noto als Eremit nieder. Häufig besuchte er das Hospital der Stadt, um dort die Kranken zu pflegen. In den letzten Lebensjahren zog er sich in völlige Einsamkeit in eine Grotte zurück, um sich ganz dem Gebet zu widmen. Schon zu Lebzeiten wurden ihm zahlreiche Wunder zugeschrieben, und es erschien eine Lebensbeschreibung mit vielen Anekdoten. Vieles darin erinnert an den heiligen Franziskus. So wurde zum Beispiel berichtet, dass Corrado eines Tages nach Syrakus ging, um dort dem Bischof die Beichte abzunehmen, und auf dem Rückweg von zwitschernden Vögeln begleitet wurde.

Corrado Confalonieri starb am 19. Februar 1351, der Überlieferung zufolge kniend im Gebet versunken. Die Grotte vor der Stadt Noto, in der er die letzten Lebensjahre verbrachte, ist bis heute ein Wallfahrtsort. Unzählige Votivgaben an den Wänden bezeugen das Vertrauen in die Fürsprache des heiligen Corrado, der über die Jahrhunderte viele Wunder zugeschrieben wurden. Da er einen Freund von einem Leistenbruch heilte, gilt er insbesondere als Schutzpatron gegen Hernien. Seine Reliquien ruhen heute in einem barocken Silberschrein in der Kathedrale von Noto. Dort und in seiner Heimatstadt Piacenza wird er besonders verehrt; sein Gedenktag wird zum Anlass genommen, um Zeichen der Verbundenheit zwischen den Menschen in Nord- und Süditalien zu setzen.

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