Christenverfolgung

Christinnen von Zwangskonversionen und Zwangsehen bedroht

In vielen Staaten ist die Gewalt gegen Frauen durch die Religion motiviert. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „Hört ihre Schreie“ von „Kirche in Not“.
„Hört ihre Schreie“ von „Kirche in Not“
Foto: Jürgen Bätz (dpa) | Symbolbild: Der Report von Kirche in Not bestätigt eine bereits bekannte Tendenz – die weiterhin schrecklich ansteige – der Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen sowie Zwangskonversionen.

Das Portal von International Family News (IFN) fasst auf seiner französischen Webseite die Ergebnisse des vor kurzem erschienenen Berichts des britischen Ablegers des Päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ mit dem Titel „Hört ihre Schreie: Entführung, Zwangskonversion und sexueller Missbrauch“ zusammen. Betroffen seien christliche Frauen und Mädchen.

Der Report bestätige eine bereits bekannte Tendenz – die weiterhin schrecklich ansteige – der Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen sowie Zwangskonversionen. Das Dokument lege Untersuchungen über immer wiederkehrende Fälle dar und stütze sich dabei insbesondere auf Vorfälle in Ägypten, Irak, Syrien, Mozambik, Nigeria und Pakistan.

Angriffe auf religiöse Minderheiten um Verurteilung zu entgehen

Kirche in Not zufolge sind über 70 Prozent der Frauen und Mädchen, die in die Ehe oder zur Konversion gezwungen werden, Christen. Die Täter wüssten, dass die Gefahr, verurteilt zu werden, beträchtlich reduziert seien, wenn sie ihre Angriffe auf religiöse Minderheiten beschränkten.

Lesen Sie auch:

Doch selten gerieten die Fälle von Zwangsverheiratungen und Missbrauch in die Schlagzeilen der Presse, wie das Päpstliche Hilfswerk laut International Family News weiter mitteilt. Wenn sie dennoch öffentlich gemacht werden, dann sei das nur die Spitze des Eisbergs. „Die meisten Opfer neigen aus Angst vor neuen Repressalien dazu, zu schweigen. Für Kirche in Not sind die Fälle von verfolgten Frauen und von Opfern von Erpressung aus religiösen Gründen stets zu niedrig angesetzt worden, hauptsächlich aufgrund von Angst, die Opfer und ihre Familien zu beschämen“, heißt es auf IFN weiter.

Neben der Furcht vor einer sozialen Stigmatisierung gebe es noch einen weiteren Grund für das Schweigen: die Angst vor Vergeltung: „Die Familien der Opfer tendieren dazu, aus Furcht vor neuen Gewaltakten nicht darüber zu sprechen. Besonders in Pakistan, wo die Polizei und das Justizsystem unter einer Decke mit den Gewalttätern stecken“.

Gezwungen, hauptsächlich zum Islam zu konvertieren

An den Orten, wo Christen in der Minderheit seien, werden „zahlreiche christliche Frauen dazu gezwungen zu konvertieren – hauptsächlich zum Islam -, damit der Fundamentalismus unter ihren Kindern neue Anhänger findet“. Die Kämpfer des IS beispielsweise „haben bewusst versucht, die Konversionen unter den christlichen Frauen in Syrien zu maximieren, um sich eine neue Generation von Dschihadisten zu sichern. Und in Nigeria wendet Boko Haram in Bezug auf Frauen Gewalt an, um eine massive Abwanderung der Christen im Norden des Landes zu provozieren“.

Unter den berichteten Fällen im Report von Kirche in Not tauche der von Farah Shaheen auf. Die junge Christin aus Pakistan sei im Alter von zwölf Jahren entführt, zwangsverheiratet und anschließend wie eine Sklavin angekettet worden. Als ihr Vater den Vorfall gemeldet habe, „hat die Polizei es abgelehnt, ihn anzuhören und Meldung zu erstatten. Die medizinischen Experten der Justiz haben erklärt, dass das junge Mädchen alt genug sei, um legal verheiratet zu sein; daher wiesen sie die Geburtsurkunde ab, die bestätigte, dass sie im Augenblick der Entführung 12 Jahre alt war“.

Justiz bei Christen voreingenommen

Die politischen und juristischen Institutionen reflektierten die kulturellen und religiösen Normen der Mehrheit, heißt es auf der IGN-Webseite weiter. Sogar in den Ländern, in denen die Scharia nicht öffentlich in Kraft ist, „gibt es Verhaltenskodizes, die sich gegenüber dem Zivilrecht eher durchsetzen“. Vor allem, wenn es um Christen geht, seien Gerichte und das gesamte Justizsystem daher voreingenommen. „Es ist sehr schwer, ein junges christliches Mädchen in unserem Land zu sein“, erklärte ein anonymes Opfer, das von Kirche in Not befragt wurde. „Daher werden unsere Mädchen oft entführt, und die Übergriffe, die sie erleiden müssen, sind zu grauenhaft, um sie sich vorzustellen. Das ist wirklich furchtbar. Wer ist bereit, uns zu helfen?“  DT/ks

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Christenverfolgung in Nigeria: Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 18. Juli letzten Jahres wurden im Schnitt täglich 17 Christen im Land von dschihadistischen Islamisten getötet.
20.02.2022, 11  Uhr
Franklyne Emmanuel Ogbunwezeh
Christen, die nach dem Krieg in Syrien geblieben sind, müssen sich nun mit dem Assad-Regime arrangieren
06.03.2022, 09  Uhr
Otmar Oehring
Das sogenannte schwache Geschlecht hat ein wirkungsvolles Herrschaftsinstrumentarium entwickelt, über das unsere Gesellschaft am liebsten schweigt: die toxische Weiblichkeit.
19.05.2022, 13  Uhr
Holger Fuß
Themen & Autoren
Meldung Boko Haram Dschihadisten Kirche in Not Zwangsehen

Kirche

Das Apostolische Schreiben „Desiderio desideravi“ greift den alten Konflikt um Liturgiereform und Kirchenverständnis wieder auf.
07.07.2022, 09 Uhr
Sven Leo Conrad FSSP
Diakonat der Frau: Maria 1.0 fordert den Kardinal auf, die Ergebnisse der vatikanischen Untersuchungskommission abzuwarten.
07.07.2022, 08 Uhr
Meldung
In der Ukraine spielt die Zeit für Putin. Europa und der Weltfriede sind in höchster Gefahr. Um die Katastrophe abzuwenden, plant Franziskus, den Frieden noch zu retten. Ein Kommentar.
07.07.2022, 13 Uhr
Guido Horst
Auch für die Ukraine kann man das Undenkbare denken. Die Liturgie und der Papst, der Umbau der Gesellschaft und eine Philosophie des Weines finden sich in der neuen Ausgabe der Tagespost.
06.07.2022, 17 Uhr
Redaktion
Eine Franziskanerinnenkongregation aus Kamerun ist bereit, ins Berliner Kloster St. Gabriel einzuziehen. Dadurch würde die Umwidmung der Anlage für säkulare Zwecke verhindert.
06.07.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung