Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Peking

Chinas Christen unter großem Druck

Das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Regime in Peking hat Chinas Katholiken weder Freiheit noch Sicherheit gebracht.
Chinesische Flagge
Foto: Ju Huanzong via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Seit 2018 haben die Behörden den Druck auf nichtregistrierte religiöse Gruppen verstärkt. So wurden etwa kirchliche Amtsträger an unbekannte Orte verschleppt und zwangsgeschult.

Unter Xi Jinping ist China entschlossen, das Machtmonopol der Kommunistischen Partei in allen Teilen des gesellschaftlichen Lebens durchzusetzen – die Religionen eingeschlossen. Früher bestehende Grauzonen religiöser Freiheit sollen ausgemerzt werden, analysiert die Mitarbeiterin des katholischen China-Zentrums in Sankt Augustin und Chefredakteurin der Zeitschrift „China heute“, Katharina Wenzel-Teuber, in der „Tagespost“.

Seit 2018 haben die Behörden den Druck auf nichtregistrierte religiöse Gruppen verstärkt. So wurden kirchliche Amtsträger an unbekannte Orte verschleppt und zwangsgeschult, in anderen Fällen löste die Polizei Gottesdienste auf, konfiszierte religiöses Material und verhängte Geldbußen. Örtliche Behörden verbieten Minderjährigen den Besuch katholischer und protestantischer Gottesdienste und die Teilnahme am kirchlich organisierten Religionsunterricht.

Lesen Sie auch:

Manche fühlen sich von Rom verraten

Am 22. September 2018 unterzeichneten der Heilige Stuhl und die Volksrepublik China ein auf zwei Jahre befristetes „Vorläufiges Abkommen über Bischofsernennungen“. Der Inhalt des Abkommens ist geheim. Es sieht vermutlich vor, dass der Papst von der chinesischen Seite vorgeschlagene Bischofskandidaten prüft und entweder ernennt oder ein begründetes Veto einlegt. Zwei Jahre später hat das Abkommen aus kirchlicher Sicht nur wenige Früchte gezeitigt, die zudem überschattet sind von zunehmender Kontrolle und Unterdrückung der katholischen Gemeinschaften in China.

Obwohl etwa 40 Bischofssitze vakant sind, konnten nur zwei Bischöfe mit Zustimmung des Papstes und der chinesischen Regierung geweiht werden. Von den 30 Bischöfen im Untergrund wurden fünf von den Behörden anerkannt und öffentlich installiert. Unmittelbar nach Abschluss des Abkommens begannen Behörden in einigen Provinzen, Untergrundkleriker unter Druck zu setzen. Sie forderten von ihnen, sich zu registrieren und Erklärungen zu unterschreiben. Dabei sollen Behörden immer wieder argumentiert haben, dass der Papst dem schon zugestimmt habe – eine Behauptung, die sich nicht klar widerlegen ließ, da der Inhalt des Abkommens geheim ist und auch Vatikanvertreter die Ansicht äußerten, dass „der Untergrundstatus verschwinden“ werde. Viele Priester und Gläubige im Untergrund fühlten sich orientierungslos, manche von Rom verraten.  DT/sba

Lesen Sie die faktenreiche und detaillierte Analyse zur Lage der Katholiken in China in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Redaktion Bischof Bischofssitze Katholikinnen und Katholiken Päpste Xi Jinping

Weitere Artikel

Welche Handlungsoptionen haben Papst Leo XIV. und die chinesischen Katholiken für den Glauben? Eine Analyse zur Lage der katholischen Christen in der Volksrepublik China.
17.09.2026, 17 Uhr
Katharina Wenzel-Teuber
Das Museum Cuypershuis in Roermond zu Leben und Schaffen des Kirchenarchitekten Pierre Cuypers führt in die Blütezeit des Katholizismus Ende des 19. Jahrhunderts.
22.02.2026, 09 Uhr
Hartmut Sommer

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Gott will glückliche Menschen, schreibt Erzbischof Georg Gänswein. Gott lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Doch die Gäste haben vermeintlich Wichtigeres vor.
10.10.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein