Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung ARC-Konferenz

Bürgerlich-konservativer Weltgipfel ruft zu kulturellem Wandel auf

Die vom kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson initiierte Weltkonferenz der „Alliance for Responsible Citizenship“ ermutigt zum Kulturkampf auf Grundlage des christlichen Menschenbildes.
Jordan Peterson bei ARC-Konferenz
Foto: IMAGO/James Whatling / Parsons Media (www.imago-images.de) | „Erinnern wir uns daran, wer wir sind“, so die eindringliche Botschaft Jordan B. Petersons in seiner Schlussrede zu den 1.500 in Greenwich versammelten Teilnehmern aus aller Welt.

In London ist am Mittwoch die erste weltweite Konferenz der „Alliance for Responsible Citizenship“ (ARC) zu Ende gegangen, die bürgerlich-konservative und liberale Kräfte aus 73 Nationen und fünf Kontinenten versammelt hat. Drei Tage lang referierten und diskutierten internationale Experten, Kulturschaffende und führende Politiker aus aller Welt über verschiedene Aspekte des durch ARC identifizierten kulturellen und zivilisatorischen Niedergangs. Als dessen Ursache machten die Veranstalter unter anderem den Verlust traditioneller Werte der westlichen Zivilisation aus.

Lesen Sie auch:

Bei der Eröffnung der Konferenz hielt Kevin McCarthy seine erste Rede in Übersee seit seinem Rücktritt als Sprecher des US-amerikanischen Repräsentantenhauses. Es gebe „keine Alternative zur westlichen Zivilisation“ und der Westen müsse „dem kommunistischen China, Nordkorea, Russland und der Hamas die Stirn bieten“, um seine Werte zu verteidigen. Auch McCarthys Nachfolger Mike Johnson hielt zur Eröffnung der ARC-Konferenz seine erste öffentliche Rede seit seiner Wahl als Sprecher des Repräsentantenhauses.

„Woker“ Kapitalismus als Gefahr für Wohlstand und Demokratie

Der britische Investor Sir Paul Marshall und der amerikanische Präsidentschaftskandidat Vivek Ramaswamy geißelten einen von ihnen identifizierten „woken“ Kapitalismus als Gefahr für Wohlstand und Demokratie. Der Historiker Niall Ferguson warnte davor, dass die liberalen Demokratien auf der ganzen Welt im Niedergang begriffen seien. In seiner Rede rief er führende Politiker aus dem gesamten politischen Spektrum dazu auf, sich gemeinsam für liberale Demokratien einzusetzen. „Wir müssen uns viel besser organisieren, um die Werte der individuellen Freiheit aufrechtzuerhalten. Die Zivilisation ist eine zu kostbare Errungenschaft, um nur ein konservatives Projekt zu sein.“

Auch die jüdisch-christlichen Wurzeln der westlichen Zivilisation fanden intensive Beachtung. Bischof Robert Barron sprach in Rückgriff auf Thomas von Aquin über den Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung. Die Autorin und Theologin Amy Orr-Ewing sprach über den Wert der Vergebung aus christlichem Verständnis, der Familien, Gesellschaften und Nationen Frieden und Heilung bringen könne: „Das Konzept der christlichen Vergebung wäre ein Geschenk für jede Kultur“, erklärte sie. „Denn es relativiert nicht das Böse, das getan wurde, aber öffnet einen Weg zur Erlösung.“ 

Das britische Parlamentsmitglied Miriam Cates sprach über die Notwendigkeit einer familien- und kinderfreundlichen Politik, die Eltern die Möglichkeit gebe, ihre Kleinkinder selbst zu betreuen. Sie schloss mit der Feststellung, dass „Freiheit, Wohlstand und Glück keine Werte sind. Sie mögen die Früchte einer erfolgreichen Gesellschaft sein, aber sie sind nicht ihre Wurzeln“. Die wahren Wurzeln der westlichen Zivilisation seien „das Streben nach dem Guten, Wahren und Schönen“. Der Autor und Psychologe Jonathan Haidt plädierte für dringende Maßnahmen, um die zunehmenden psychischen Probleme von Kindern infolge der sozialen Medien anzugehen.

Jordan Petersons Botschaft: "Erinnern wir uns daran, wer wir sind"

Statt angesichts der zahlreichen Herausforderungen für Staaten, Gesellschaften und Familien pessimistische Prognosen zu wiederholen, fokussierten sich die Teilnehmer auf Lösungsansätze: Stärkung der Familien zur Wiederherstellung eines tragfähigen sozialen Gefüges, freies Unternehmertum zur Erhöhung des Wohlstandes bei gleichzeitiger Sorge für sozial Schwächere, Stärkung der liberalen Demokratie, grüne und kostengünstige Energiegewinnung für alle Weltregionen. Die Beiträge gipfelten in einem starken Appel zu einem kulturellen Wandel, der den Menschen und seine schöpferische Kraft nicht mehr (nur) als Ursache, sondern als Lösung der gegenwärtigen Krisen sieht. Es sei möglich, einem links-grünen Narrativ der „Permakrise“ eine „better Story“, eine optimistische Vision der Zukunft entgegenzusetzen, die für alle Menschen materiellen Wohlstand und geistige Blüte bereithalte.

„Erinnern wir uns daran, wer wir sind“, so die eindringliche Botschaft Jordan Petersons in seiner Schlussrede zu den 1.500 in Greenwich versammelten Teilnehmern aus aller Welt. „Erinnern wir die Menschen daran, wer sie sind, Männer und Frauen, nach dem Abbild Gottes geschaffene Individuen, die ewig bergauf strampeln, zur strahlenden Stadt auf dem Hügel.“ Aus der Gottesebenbildlichkeit folgt für die Veranstalter nicht nur ein uneingeschränkter Respekt vor dem menschlichen Leben, sondern auch der Ruf und die Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Leben und die eigenen Mitmenschen zu übernehmen. Peterson forderte die Teilnehmer auf, sich zu fragen, was jeder Einzelne in seinem – größeren oder kleineren – Wirkungsfeld geben könne. „Wenn genug von uns das tun, dann gibt es nichts, was wir nicht erreichen können“, so die Überzeugung des kanadischen Intellektuellen.

Die Konferenz sei der Beginn von etwas Neuem gewesen und habe begonnen, praktische Lösungen für Probleme in den Bereichen Energie, Gesellschaft und Governance zu entwickeln, schloss die britische ARC-Mitgründerin Philippa Stroud das dreitägige Treffen. Sie wies auf die Verpflichtung hin, „allen Menschen eine Chance zu geben“, und dass „Innovation und Wohlstand die Schlüssel sind, um Millionen von Menschen aus der Armut zu befreien“. Die überwältigende Botschaft der Konferenz sei die der „Hoffnung“. Im Februar 2025 wird die nächste ARC-Weltkonferenz stattfinden.  DT/fha

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost eine ausführliche Reportage über die erste Weltkonferenz der „Alliance for Responsible Citizenship“.

Themen & Autoren
Meldung Hamas Krisen Niall Ferguson Robert Barron Thomas von Aquin

Weitere Artikel

Die Lernhäuser des Roten Kreuzes ermöglichen Schülern kostenlose Nachhilfe. Hannes Buxbaum und Jacqueline Brödl sprechen über ihre Erfahrungen.
31.07.2023, 15 Uhr
Sebastian Moll

Kirche

Wenn Jesus seine Apostel aussendet, um die Frohe Botschaft zu verkünden, dann gibt er auch die nötigen Mittel dazu.
14.07.2024, 07 Uhr
Manfred Hauke
Im Jahr 2025 jährt sich das Erste Ökumenische Konzil von Nizäa zum 1700. Mal. Ein Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Michael Fiedrowicz über die Streitkultur der frühen Kirche.
13.07.2024, 09 Uhr
Regina Einig
Das Wiener „Institut für Islamisch-Theologische Studien“ wird jetzt ein Teil der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien.
12.07.2024, 07 Uhr
Stephan Baier