Pränatest

Bluttest auf Downsyndrom womöglich erst der Einstieg zu weiteren genetischen Tests

Der Hausarzt und CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Pilsinger spricht im Interview mit Radio Horeb über die Gefahren genetischer Tests.
Down-Syndrom-Bluttest
Foto: Tobias Kleinschmidt (dpa) | Mit dem «Praena-Test» besteht die Gefahr, nur noch "genetisch einwandfreien" Kindern eine Chance auf Geburt und Leben einzuräumen. Der CSU - Abgeordnete warnt vor den Gefahren eines genetischen Screenings.

Eine überparteiliche Arbeitsgruppe zur Pränataldiagnostik warnt davor, dass das vorgeburtliche Screening auf Trisomie zu einer Routineuntersuchung wird. Im Interview mit Radio Horeb äußerte Hausarzt Stephan Pilsinger, CSU-Bundestagsabgeordneter München-West/Mitte, die Sorge, „dass der Bluttest auf Downsyndrom erst der Einstieg zu weiteren genetischen Tests ist“.

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Man könne auch auf andere genetische Dispositionen in dem Bluttest schauen. Er wolle auf jeden Fall vermeiden, „dass wir zu einer Gesellschaft werden, in der Menschen mit Erkrankungen, die später im Leben zutage treten, selektiert werden“. Als Beispiel nannte er die genetische Disposition auf Brustkrebs.

Keine Selektion

Es dürfe nicht sein, dass künftig „nur Menschen mit perfekten genetischen Dispositionen am Ende nicht abgetrieben werden“. Pilsinger appellierte, die Vielfältigkeit der Menschen zu gewährleisten. Es gebe einen ganz klaren Anspruch auf Geburt und Leben auch dann, wenn die genetische Disposition vielleicht nicht so optimal sei.
 
Der Abgeordnete warnte mit Blick auf das vorgeburtliche Trisomie-Screening davor, dieses „mehr oder minder automatisch bei allen Schwangeren“ anzuwenden: Er sehe das als Hausarzt auch aus der Sorge heraus, dass bestimmte Gynäkologen dann sagen „wir nehmen doch ohnehin Blut ab, da machen wir das doch gleich mit“. Es dürfe nicht zur gängigen Praxis werden, ein Screening auf Downsyndrom in der breiten Fläche anzuwenden. „Das wollen wir um jeden Preis verhindern.“

Wertvolles Leben

Pilsinger sagte, er finde es persönlich sehr schwierig, dass man den Bluttest auf Downsyndrom durchführe, ohne vorher ein gescheites Aufklärungsgespräch zu machen: „Ich glaube, es müssen den Frauen auch Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man mit einem behinderten Kind umgehen kann, dass es wertvolles Leben ist.“ Auch müsse deutlich werden, „dass es auch viele falsche positive Tests gibt, also dass im Bluttest ein Downsyndrom angezeigt wird, aber es in Wirklichkeit keines ist“.  Deswegen fordere die Arbeitsgruppe klare Hürden für die Inanspruchnahme dieses Bluttests. DT/Radio Horeb

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