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Berlin: Konsequenzen nach antisemitischem Mobbing an Schule gefordert

An einer Berliner Grundschule wird ein jüdisches Mädchen aufgrund ihrer Religion von muslimischen Schülern angegriffen. Die Kultusministerkonferenz sowie führende Politiker fordern eine Analyse der Vorfälle und betonen den Wert der Religionsfreiheit.
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Foto: Sophia Kembowski (dpa) | Nachdem eine jüdische Schülerin an einer Berliner Grundschule von muslimischen Mitschülerin bedroht wurde, "weil sie nicht an Allah glaubt", müsse man zeigen, dass es in Deutschland keine Toleranz für Antisemitismus ...

Die antisemitische Äußerungen von muslimischen Schülern an einer Berliner Grundschule haben große Besorgnis ausgelöst. Am Dienstag mehrten sich Aufforderungen nach Konsequenzen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter, drang auf eine Analyse der antisemitischen Vorfälle an deutschen Schulen. „Die Vorfälle sind erschütternd und wir sind alle aufgefordert, uns damit auseinanderzusetzen. Wir müssen schulische und gesellschaftliche Ursachen analysieren“, sagte der Linken-Politiker der „Bild“-Zeitung. Neben dem Wert der Religionsfreiheit müsse immer wieder klar gemacht werden, dass es insbesondere für Antisemitismus in diesem Land null Toleranz gäbe, „keinen Millimeter“.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), forderte die Gesellschaft auf, sich entschieden gegen antisemitische Äußerungen zu stellen. „Dafür müssen alle genau hingucken und hinhören, die Sensibilität jedes einzelnen von uns ist gefordert, um so etwas zu verhindern“, sagte er im „Tagesspiegel“.

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Vorgang an einer Berliner Grundschule, über den die „Berliner Zeitung“ berichtet hatte. Demnach griffen dort muslimische Schüler ein jüdisches Mädchen an, „weil sie nicht an Allah glaubt“. Zuvor habe ein Schüler auf die Angabe des Mädchens, dass sie Jüdin sei, das Wort „Jude“ mehrfach in bedrohlichem Tonfall wiederholt. Das Mädchen sei außerdem sogar schon einmal mit dem Tode bedroht worden.

Lehrerverbandschef Heinz-Peter Meidinger plädierte für eine bessere ethnisch-soziale Mischung der Schülerschaft in sozialen Brennpunkten. Er betonte zudem in der „Passauer Neuen Presse“, dass die Übergriffe nicht nur von muslimischen Schülern ausgingen. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, schlug in der „Welt“ Schulangebote für muslimische Jugendliche vor, „damit sie innerhalb der Schule über ihren Glauben sprechen können und relevante Informationen zu ihrer und anderen Religionen erhalten“.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), erklärte in der "Passauer Neuen Presse": „Es ist nicht zu tolerieren, dass dschihadistische oder gewaltbereite Gruppierungen in der Alltags- und Lebenswelt von Schülern, insbesondere im digitalen Raum, werben.“ Es müsse grundsätzlich verhindert werden, dass es zu einer Zunahme der Identifizierung mit fundamentalen oder gewaltverherrlichenden Überzeugungen komme oder sogar „Jugendsubkulturen“ entstehen würden.

DT/KNA
 

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