Jerewan

Armenier sind weiter alarmiert

Trotz Waffenruhe steigen Angst und Nervosität angesichts der Aggression Aserbaidschans. Baku will einen Korridor nach Nachitschewan erzwingen.
Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan
Foto: IMAGO/Alexander Patrin (www.imago-images.de) | Armenischer Soldat im Einsatz: 105 Soldaten und Grenzpolizisten sind nach offiziellen Angaben gefallen, auch Zivilisten starben, Dörfer wurden evakuiert.

Trotz der am Mittwoch in Kraft getretenen Waffenruhe herrschen in Armenien weiter Angst, Verunsicherung und Nervosität. Das bestätigt die österreichische Armenien-Expertin Jasmin Dum-Tragut, die sich aktuell in der armenischen Hauptstadt Jerewan aufhält, im Gespräch mit der „Tagespost“. In der Nacht auf Dienstag hätten die Aserbaidschaner damit begonnen, armenische Stellungen zu bombardieren, „ohne Vorwarnung und völlig unerwartet“. Beschossen wurden zwei Tage lang auch zivile Ziele in Dörfern und Städten, was große Panik ausgelöst habe.

Die Menschen sind verängstigt

105 Soldaten und Grenzpolizisten sind nach offiziellen Angaben gefallen, auch Zivilisten starben, Dörfer wurden evakuiert. „Die Menschen sind verängstigt“, so Dum-Tragut, die noch bis Monatsende im Land bleiben will, wo sie unter anderem im Schutz christlicher Kulturgüter engagiert ist. Anders als im Jahr 2020 gehe es heute nicht um Berg-Karabach: „Die Aserbaidschaner wollen einen Korridor durch armenisches Territorium erzwingen, der ihr Land mit Nachitschewan verbinden soll. Dadurch würden sie sich den Umweg über den Iran sparen, doch zugleich würde der Süden Armeniens vom zentralen Gebiet Armeniens abgeschnitten.“

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Aserbaidschan nutzte die Tatsache aus, dass die internationale Aufmerksamkeit jetzt auf der Ukraine liegt; zudem habe das erdölreiche Land mit einigen europäischen Staaten gute Verträge abgeschlossen. „Es ist auch ein wenig absurd, dass Russland den Frieden im Kaukasus garantieren soll, während es selbst gleichzeitig Krieg in der Ukraine führt“, sagt die Armenologin zur zweifelhaften Rolle Moskaus. Eine Lösung des seit Jahrzehnten schwelenden Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan sei ebenso wenig in Sicht wie eine Lösung zwischen Israel und den Palästinensern: „Ich sehe in dieser Region keine Lösung, sondern nur Konfliktmanagement.“  DT/sba

Lesen Sie einen aktuellen Hintergrundbericht mit aktuellen Stimmen aus der Region in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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