Kommentar um "5 vor 12"

Angriff auf die Gewissensfreiheit

Warum der Plan von Bundesfamilienministerin Lisa Paus, die aus Heilern Henker machen will, zum Scheitern verurteilt ist.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus
Foto: Soeren Stache (dpa) | „Die verschiedenen medizinischen Methoden von Schwangerschaftsabbrüchen sollten für Ärztinnen und Ärzte zur Ausbildung gehören", meint Bundesfamilienministerin Lisa Paus.

Geht es nach Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), dann sollen künftige Ärzte demnächst bereits im Studium erlernen, wie man ungeborene Kinder im Mutterleib tötet. „Die verschiedenen medizinischen Methoden von Schwangerschaftsabbrüchen sollten für Ärztinnen und Ärzte zur Ausbildung gehören.“ Darüber sei sie bereits im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), verriet Paus jetzt dem Berliner „Tagesspiegel“.

Welle der Sympathie bleibt aus

Nun das wird, so viel steht fest, nicht reichen. Die Aufnahme vorgeburtlicher Kindstötungen in das Curriculum von Medizinern können Paus und Lauterbach nicht einfach in einem Berliner Hinterzimmer der Macht verabreden. Und dass die Ärzteschaft, die hier mehr als nur ein Wort mitzureden hat, sich davon begeistern ließe, sollte niemand erwarten. Von einer Welle der Sympathie oder gar Stürmen der Begeisterung, die der Bundesfamilienministerin entgegenschlügen, kann zumindest bislang keine Rede sein.

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Überraschen muss das nicht. Denn es gibt sie noch: Ärzte, die sich in der Tradition des griechischen Arztes Hippokrates von Kós (460-370 v. Chr.) stehend wissen. Sie sind nicht laut wie die Abtreibungslobby, aber sie sind viele. Und sie werden weder wort- noch kampflos zusehen, wie ausgerechnet eine Bundesfamilienministerin aus Heilern Henker zu machen sucht.

Am Ende könnten die Gerichte entscheiden

„Nie werde ich jemandem, auch auf Verlangen nicht, ein tödlich wirkendes Gift geben und auch keinen Rat dazu erteilen. Gleicherweise werde ich keiner Frau ein fruchtabtreibendes Mittel geben: Heilig und fromm werde ich mein Leben bewahren und meine Kunst“. Es stimmt schon: Kaum ein Arzt schwört heute noch jenen Eid, den Hippokrates seine Schüler sprechen ließ. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich selbst als bloße Medizintechniker verstünden, die ihr ärztliches Ethos an den Nagel hängten und bedingungslos Kundenwünsche erfüllten, sobald sie den Arztkittel überstreifen.

Nicht ausgeschlossen, dass am Ende die Gerichte bemüht werden müssen. Dass aber Richter die Freiheit des Gewissens aufheben und entscheiden könnten, dass in Zukunft nur noch der Medizin studieren können soll, der sich auch bereitfindet, den Mutterleib in eine Todeszelle zu verwandeln, ist zwar nicht undenkbar, aber kaum zu erwarten.

 

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Stefan Rehder Lebensschutz

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