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Alice Weidel kann „Correctiv“ dankbar sein

Mit seiner handwerklich schlechten Berichterstattung machte das Recherchenetzwerk den Begriff „Remigration“ erst populär. Davon profitiert jetzt die AfD.
16. Bundesparteitag der Alternative für Deutschland
Foto: IMAGO/Revierfoto (www.imago-images.de) | Ein Küsschen in Richtung "Correctiv"? Alice Weidel und die AfD haben von der handwerklich misslungenen Arbeit des Recherche-Kollektivs eindeutig profitiert.

Eigentlich müsste in diesen Tagen bei dem sogenannten Recherchenetzwerk „Correctiv“ eine Dankeskarte eintreffen, Absender: Alice Weidel. Die AfD-Kanzlerkandidatin hat nun „Remigration“ zu einem zentralen Begriff ihrer Wahlkampagne gemacht – ohne allerdings genau zu benennen, wer denn eigentlich „rückgeführt“ werden soll, vor allem unter welchen rechtlichen Bedingungen.

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Die unfreiwillige Vorarbeit hat aber „Correctiv“ mit seiner handwerklich schlechten Berichterstattung über das sogenannte „Geheimtreffen“ im Potsdamer Landhaus Adlon vor einem Jahr geleistet. Damals wurde eine inhaltliche Verbindung zur Wannsee-Konferenz der Nazis hergestellt, einfach nur, weil dieses historische Ereignis in der Nähe des heutigen Landhauses stattgefunden hatte. Das, was allerdings tatsächlich über das eigentliche Treffen berichtet werden konnte, war eher dürftig. Diese Kritik wurde erst jetzt wieder von der „Zeit“ zusammengefasst. Sie ist also mittlerweile längst in den Redaktionen angekommen, die die Teilnehmer des Potsdamer Treffens vermutlich mit dem Etikett „Mainstreampresse“ versehen würden.

Das eigentlich Skandalöse des Treffens ist untergegangen

Es ist gut, dass diese Aufarbeitung geleistet wird. Gleichwohl – und auch das muss sich „Correctiv“ auf die Fahnen schreiben lassen – ist dank dieser fehlerhaften Berichterstattung das eigentlich Skandalöse des Potsdamer Treffens untergegangen: Dort wurde zwar nicht im Stile der „Wannsee-Konferenz“ über vermeintliche „Endlösungen“ debattiert, aber was ja unzweifelhaft ist: Vertreter, die sich zumindest damals noch einem eher bürgerlichen Konservatismus verbunden gefühlt haben, sind mit Vertretern der AfD zusammengetroffen, um einem ausgewiesenen Rechtsextremisten wie Martin Sellner, dem Kopf der „Identitären Bewegung“ in Österreich, bei einem Referat zu lauschen.

Dies ist gewiss nicht verboten, aber wer so einem Mann eine Bühne bereitet, zumal noch im Kontext einer Veranstaltung, bei der über zukünftige PR-Kampagnen beraten wird, zeigt deutlich, wessen Geistes Kind er ist. 

„Correctiv“ hätte, anstatt auf die Moraltaste zu drücken, kühl und sachlich diese Vernetzungsstrategien beschreiben müssen. Darin hätte die eigentliche Erkenntnis gelegen. So hat das Recherchenetzwerk zwar den Startschuss zu den landesweiten Anti-Rechts-Demos gegeben. Aber damit wurde der AfD nur weiterer Stoff für ihre Kampagnen geliefert. „Remigration“ wurde so zur attraktiven Trigger-Vokabel, mit der die Partei ihr Klientel mobilisieren kann. Die wiederum sagt nun; Danke, „Correctiv“.

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