Kommentar um "5 vor 12"

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht

Warum der Matic-Bericht ein Desaster ist, aber kein Grund zur Resignation sein darf.
Annahme des Matic-Berichts
Foto: Eric Lalmand (BELGA) | Wer zu Matic und den beiden gegen seinen Bericht gerichteten Alternativen wie abgestimmt hat, lässt sich auf der Internetseite des Europäischen Parlaments nachlesen.

Es gibt gar nichts zu beschönigen: Der am Donnerstag im Europäischen Parlament verabschiedete „Matic-Bericht“ ist eine Katastrophe und ein Skandal. Jedenfalls für alle, die das „Recht auf Leben“ zu den Menschenrechten zählen und es auch den wehrlosesten und schutzbedürftigsten Menschen – den ungeborenen Kindern – zusprechen. Eine Mehrheit im Parlament der Europäischen Union stimmte einem Text zu, der Abtreibung zum Menschenrecht erklärt und jede gesetzliche Reglementierung der Abtreibung als „Verletzung der Menschenrechte und Form geschlechtsspezifischer Gewalt“ sieht.

Intellektuelle und ideologische Abgründe

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Alle Empörung, Verärgerung und Enttäuschung der Lebensrechtsbewegungen ist angemessen und verständlich. Der verabschiedete Text ist eine Schande für Europa, die ihm in Brüssel vorangegangene Debatte offenbarte intellektuelle und ideologische Abgründe. Argumentationsbefreite Empörungsrhetorik hat auch hier (wie zuletzt bei Kommissionschefin Ursula von der Leyen gegen die ungarische Regierung) jede Form von rationaler Argumentation ersetzt.

Dennoch: Ärger ja, Resignation nein! In den zurückliegenden Tagen ist eine am Lebensrecht der Kinder interessierte Zivilgesellschaft sichtbar und hörbar geworden, die auch sonst eher harmonieorientierte Bischöfe aufgeweckt, die gutvernetzte Abtreibungslobby erschreckt und wenigstens einige Politiker in die Gänge gebracht hat. Zwei große Fraktionen im Europäischen Parlament (die christdemokratische EVP und die konservative ECR samt Fidesz) versuchten, den Matic-Bericht doch noch zu Fall zu bringen. Am Ende stimmten 255 Europaabgeordnete gegen den Matic-Bericht – obwohl sie wissen müssen, dass sie damit auf den Schwarzen Listen eines nicht gerade zimperlichen Netzwerks landen.

Diesen Abgeordneten sollte die Lebensrechtsszene den Rücken stärken, statt sie nun – nach verlorener Schlacht – im Regen stehen zu lassen. Wer zu Matic und den beiden gegen seinen Bericht gerichteten Alternativen wie abgestimmt hat, lässt sich auf der Internetseite des Europäischen Parlaments nachlesen. Die Abtreibungslobby wird das tun und daraus sicher Konsequenzen ziehen – die Lebensschützer sollten das auch. Denn eines ist glasklar: Die Schlacht um den Matic-Bericht ist verloren, aber der Kampf für das Lebensrecht der Kinder muss weitergehen.

Lesen Sie eine ausführliche Analyse zur europäischen Abtreibungsdebatte und ihren Folgen in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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