Budapest

Ungarn sieht sich als christliches Bollwerk

Orbáns Regierung kritisiert den Relativismus im Westen und die Christenverfolgung im Orient.

Orban und die christliche Politik
Will, dass die Ungarn stolz sind auf ihre christliche Geschichte und die christlichen Werte verteidigen: Ungarns Premierminiser Viktor Orban. Foto: Wiktor Dabkowski (ZUMA Wire)

Mit der Idee einer freien Bürgergesellschaft forderte der junge Viktor Orbán die kommunistischen Hardliner Ungarns bereits 1989 heraus. Seit seiner Hinwendung zum Christentum provoziert der heutige Regierungschef auch Politiker und Medien in Westeuropa: Er will, dass die Ungarn stolz sind auf ihre christliche Geschichte und die christlichen Werte verteidigen. Diese Werte seien nicht bloße Vergangenheit, sondern die Zukunft, meinte darum Tamás Menczer, Staatssekretär für Information und Internationale Beziehungen des Außenministeriums, jüngst bei einer internationalen Konferenz für christliche Kommunikatoren in Budapest.

Christlicher Politik über die Landesgrenzen hinaus Gewicht verleihen

Das von rund 300 Teilnehmern aus aller Welt besuchte „Budapest Forum for Christian Communicators“ zeigte, wie die Regierung Ungarns an einem internationalen Netzwerk arbeitet, um einer christlichen Politik über die Landesgrenzen hinaus Gewicht zu verleihen. Unter den Referenten waren Politiker und Publizisten aus vielen Staaten Europas (darunter „Die Tagespost“), aber auch aus Asien, Afrika und Amerika. Aus Deutschland kam der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer (CSU).
 
Ungarns Vize-Ministerpräsident Zsolt Semjén von der Christdemokratischen Volkspartei KDNP rief: „Wir sind ein christliches Land!“ Ungarn habe die Christenheit gegen Mongolen und Osmanen verteidigt, habe seine Identität gegen Nazis und Sowjets bewahrt. Zur Gegenwart sagt er: „Der Islam ist eine sehr bedeutende Religion, aber diese hat ihren Platz. Wir müssen unsere eigene Identität bewahren und verteidigen.“ Statt Probleme mittels Migration zu importieren, wolle Ungarns Regierung „Familien unterstützen, damit mehr Kinder geboren werden“. Die christliche Identität Ungarns und Europas sieht der Vizepremier doppelt bedroht: im Westen durch die Relativierung christlicher Werte und im islamischen Orient durch blutige Verfolgung.

Wille Gottes als letzte Autorität

Zoltán Balog, ein calvinistischer Pastor, langjähriger Minister, Sonderbotschafter und Seelenführer von Regierungschef Orbán, sieht das genauso. Ungarn verteidige die Identität, die in der Geschichte wurzelt. Ein christlicher Politiker oder Kommunikator müsse bekennen, dass es eine letzte Autorität gibt – über der öffentlichen Meinung, dem Votum des Volkes oder der Meinung der Ehefrau. „Und das ist der Wille Gottes.“

Der syrisch-orthodoxe Metropolit von Mossul, Nicodemus Daoud Matti Sharaf, bescheinigte der ungarischen Regierung, sie gebe als einzige ihre materielle Hilfe direkt an die verfolgten Christen – ohne Umweg über NGOs und internationale Organisationen. Tatsächlich war Ministerpräsident Orbán von einer Begegnung mit mehreren orientalischen Patriarchen so erschüttert, dass er 2016 ein Staatssekretariat für die Unterstützung der verfolgten Christen gründete. Laut „Budapest Report über Christenverfolgung 2018“ unterstützt Ungarn die humanitären Aktivitäten der syrisch-katholischen und der syrisch-orthodoxen Kirche im Libanon, in Syrien und im Irak, eine kirchliche Bildungseinrichtung in Beirut ebenso wie ein Krankenhaus der chaldäischen Kirche im nordirakischen Erbil. „Das entspricht unserem kulturellen Erbe“, meint der Generalsekretär des staatlichen Programms „Hungary Helps“, Gábor Márki, auf die Frage, warum Budapest gezielt die Christen unterstütze. „Im Osten werden die Christen gefoltert und ermordet, im Westen werden sie vergessen!“

DT/sba

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