Innsbruck

Abtreibungsstreit in Tirol

Die schwarz-rote Landesregierung will einen „niederschwelligen“ Zugang zur Abtreibung. Widerstand dagegen sei keine Option, sondern Pflicht, meinen die „Priester für das Leben“.
Bischof Glettler: Das elementare Lebensrecht des ungeborenen Kindes dürfe nicht geringer bewertet werden
Foto: kristen-images.com / Michael Kri via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Innsbrucker Bischof Glettler stellte klar: Das elementare Lebensrecht des ungeborenen Kindes dürfe nicht geringer bewertet werden als das Freiheits- und Selbstbestimmungsrecht einer erwachsenen Person.

Die österreichische Lebensschutzorganisation „Priester für das Leben“ kritisiert die neue Landesregierung in Tirol, weil diese ein Gesetz auf den Weg bringen will, „welches flächendeckend Abtreibungsmöglichkeiten in ganz Tirol zu forcieren beabsichtigt“. Dazu gelte es „mit aller Entschiedenheit Nein zu sagen“, schreiben die „Priester für das Leben“ in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme. „Und dies sowohl aus Gewissensgründen wie aus wissenschaftlicher Redlichkeit.“

"Einzig und allein eine höchstpersönliche Entscheidung der Frau"

Hintergrund des priesterlichen Protests gegen die neue ÖVP/SPÖ-Landesregierung in Tirol ist die im Regierungsprogramm verankerte Absicht, „einen bedarfsgerechten, niederschwelligen, medizinisch qualitätvollen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen sicherzustellen“. Das Regierungsprogramm geht von dem Grundsatz aus, „dass die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch einzig und allein eine höchstpersönliche Entscheidung der Frau ist“. Zuletzt meinte die Tiroler Soziallandesrätin Eva Pawlata (SPÖ), Abtreibungen sollten „flächendeckend an allen öffentlichen Krankenhäusern“ kostenlos angeboten werden. Ein entsprechendes Beratungsangebot sei wünschenswert, dürfe aber „auf keinen Fall kirchlich“ sein.

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Dagegen protestierte bereits der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler. Der Ausschluss kirchlicher Berater sei ein Affront gegenüber Mitarbeitern kirchlicher und kirchennaher Einrichtungen, „die über Jahrzehnte für Frauen im Einsatz sind, sie beraten, für ihre Rechte kämpfen und ihnen Unterstützung bieten“. Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keine verpflichtende Beratung vor einer Abtreibung. Bischof Glettler stellte aber auch klar, dass er „für das ungeborene Kind Partei ergreifen“ wolle: „Sein elementares Lebensrecht darf nicht geringer bewertet werden als das Freiheits- und Selbstbestimmungsrecht einer erwachsenen Person.“

In ihrer am Montag veröffentlichten Stellungnahme schreiben die „Priester für das Leben“ nun: „Frauen und Männer, die in einer sogenannten Krisenschwangerschaft stehen, brauchen keine Abtreibungen, sondern tatsächliche Hilfe.“ Die Tötung eines ungeborenen Kindes „als einen Akt der Gesundheitsvorsorge zu präsentieren oder gar als eine Ausübung menschlicher Freiheit, ist Orwellscher Neusprech, Perversion und Lüge der schrecklichsten Art“. Abtreibung zerstöre das Leben des Kindes, der Familien und der an der Abtreibung Beteiligten.

Die „Priester für das Leben“ ermutigen ausdrücklich „jeden aufrechten Staatsbürger, sich der geplanten Maßnahme zu widersetzen“. Widerstand gegen ungerechte Maßnahmen sei keine Option, sondern Pflicht.  DT/sba

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