Die Nachricht von der erfolgreichen Lungenoperation in der Gemelli-Klinik in Rom erreichte die Öffentlichkeit heute Morgen zeitgleich mit der Information, dass der Vatikan an der geplanten Lateinamerikareise des an Krebs erkrankten Papstes festhält.
In Peru möchte Leo XIV. unter anderem seine ehemalige Diözese Chiclayo besuchen. Nach seiner – äußerlich betrachtet – mühelos bewältigten Pastoralreise nach Frankreich setzt der 71-Jährige damit ein beeindruckendes Zeichen für seine Amtsauffassung. Denn der Bischof ist weder Funktionär noch ausschließlich Verwalter, sondern auch der geistliche Vater seiner Herde. Eine Krankheit zerreißt das geistliche Band zwischen Hirt und Herde nicht ad hoc.
Work-Life-Balance ist kein Charakteristikum des Bischofsamtes
Auch bei bestmöglicher Rekonvaleszenz wird noch viel Zeit verstreichen, ehe Leo XIV. als definitiv genesen gilt. Zehn bis zwölf Jahre kontrollieren die Ärzte üblicherweise, ob der Patient nach der Therapie krebszellenfrei bleibt. Wer in dieser Situation nicht zuerst an sich selbst denkt, sondern seine anspruchsvolle Pflicht erfüllt, erweist dem öffentlich angeschlagenen Ansehen des Bischofsamtes einen Dienst.
Denn Work-Life-Balance ist kein Charakteristikum des Bischofsamtes, auch wenn in den wohlstandsgesättigten Ortskirchen Westeuropas die bischöfliche Unlust an der Pflichterfüllung unübersehbar geworden ist: Über Rücktritte deutscher Hirten berichten die Medien mit Hinweisen wie „Hoffnung auf Klettertouren“ und „Amtsmüdigkeit“. Die Herde scheint manchem Hirten eher lästig geworden zu sein, die Institution Kirche erscheint im Spiegel vorgezogener bischöflicher Rücktritte mitunter als Hindernis zur Selbstentfaltung.
Welcher verantwortungsbewusste Laie könnte sich seiner familiären Pflichten in diesem Stil entledigen? Papst Leos Haltung verdient höchsten Respekt.
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