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Abtreibung: Vorsitzender der Christlichen Krankenkasse kritisiert Papst

Franziskus‘ Bemerkungen zum Thema Abtreibung während seines Besuchs in Belgien seien eine „Beleidigung aller Gesundheitsdienstleister in der Abtreibungsversorgung“, so Luc van Gorp.
Luc van Gorp, Vorsitzender der Christlichen Krankenkasse Belgiens
Foto: IMAGO/Kris Van Exel (www.imago-images.de) | Franziskus' kritische Worte zum Thema Abtreibung "beschuldigen Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen“ und stellen die „Berufsethik von Abtreibungsärzten“ in Frage, so Luc van Gorp.

In Belgien geht die Debatte um die Äußerungen von Papst Franziskus zum Thema Abtreibung während seines jüngsten Besuchs weiter. Am Montag bezeichnete Luc Van Gorp, Vorsitzender der Christlichen Krankenkasse Belgiens (CKK), die Aussagen des Papstes als „Beleidigung aller Gesundheitsdienstleister in der Abtreibungsversorgung“. Er erklärte, die Worte des Papstes „beschuldigen Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen“ und stellen die „Berufsethik von Abtreibungsärzten“ in Frage.

Van Gorp betonte, wie wichtig eine zugängliche, erschwingliche und qualitativ hochwertige Versorgung für alle sei – einschließlich Frauen, die gegen ihren Willen schwanger würden, oder deren Schwangerschaft nicht wie erhofft verlaufe. „Diese Frauen verdienen eine gut unterstützte Abtreibungsversorgung durch Fachleute, die sich legitimiert fühlen“, sagte der Krankenkassenchef.

Gesetz „neu bewerten und noch besser machen“

Van Gorp äußerte auch die Sorge, dass die Aussagen des Papstes die laufenden Diskussionen über die Reform der Abtreibungsgesetzgebung in Belgien negativ beeinflussen könnten. „Die fortschrittlichen Erkenntnisse und der wissenschaftliche Konsens sorgen dafür, dass wir das Gesetz jetzt neu bewerten und noch besser machen können“ – emanzipatorisch, wie er betonte.

Auf seiner Rückreise von Brüssel nach Rom hatte der Papst Abtreibungsärzte als „Auftragsmörder“ und das Abtreibungsgesetz des Landes als „mörderisch“ bezeichnet. Wörtlich sagte er: „Ärzte, die so etwas tun, sind – erlauben Sie mir, dieses Wort zu verwenden – Auftragsmörder.“

Die Worte hatten eine diplomatische Krise zwischen Belgien und dem Vatikan ausgelöst: Bereits am vergangenen Donnerstag bestellte der belgische Premierminister Alexander De Croo den päpstlichen Nuntius Franco Coppola ein. „Es ist absolut inakzeptabel, dass ein ausländisches Staatsoberhaupt solche Aussagen über die demokratische Entscheidungsfindung in unserem Land macht“, erklärte De Croo im Parlament. „Wir brauchen keine Lektionen darüber, wie unsere Parlamentarier Gesetze demokratisch verabschieden. Glücklicherweise ist die Zeit, in der die Kirche in unserem Land Gesetze diktierte, längst vorbei.“  DT/tpr

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