Indien: Gewalt gegen Christen nimmt zu

Thomas Paulsamy, Bischof der indischen Diözese Dindigul, beklagt im Gespräch mit der „Tagespost“ zunehmende Gewalt von Seiten radikaler Hindus. Diese seien seit der Amtsübernahme von Premierminister Modi mächtiger geworden.

Narendra Modi
ARCHIV - 23.01.2018, Schweiz, Davos: Der indische Premierminister Narendra Modi beim Weltwirtschaftsforum. (zu dpa «Indien macht bei Strafen für «Fake News» schnellen Rückzieher») Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Foto: Gian Ehrenzeller (KEYSTONE)

Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu sehen sich Christen zunehmend von radikal-fundamentalistischen Hindus bedroht. Darüber berichtet der Bischof der indischen Diözese Dindigul, Thomas Paulsamy, im Gespräch mit der „Tagespost“. Der Bischof zeigt sich äußerst enttäuscht über die anwachsenden gewaltsamen Übergriffe. „Wir Christen pflegen eigentlich gute Beziehungen zu Hindus, Muslimen und anderen religiösen Gruppen“, meinte Paulsamy. Umso trauriger sei es, dass eine hindu-nationalistische Minderheit das friedliche Zusammenleben derart störe. In seiner Nachbardiözese seien erst kürzlich hauptsächlich protestantische Gotteshäuser angegriffen und Bibeln verbrannt worden.

Bischof Paulsamy ist Vorsitzender des Komitees für Benachteiligte Kasten und Volksstämme in der Indischen Bischofskonferenz. Dort wird gerade diskutiert, wie man die Minderheit der Christen in Indien besser schützen kann. So wurde bereits eine interreligiöse Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, in der Vertreter mehrerer religiöser Minderheiten, unter ihnen auch Muslime, gemeinsam Lösungsansätze diskutieren.

Den Hauptgrund für die sich verschlechternden Beziehungen zwischen Hindus und Christen sieht Bischof Paulsamy in der Machtübernahme Narendra Modis von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP). Bevor die BJP an die Macht kam, seien die Verhältnisse viel friedlicher und harmonischer gewesen, meint Paulsamy. Seit Modi Premierminister ist, würden fundamentale hinduistische Gruppierungen immer mächtiger. Modi, warnt Bischof Paulsamy, wolle Indien in ein hinduistisches Land verwandeln. „Er will nicht, dass die Verfassung gilt, sondern die religiösen Prinzipien und Werte des Hinduismus.“

Einen Hintergrundbericht über die Bedrohung der christlichen Minderheit in Indien lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 03. Mai.
DT