Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gesetz „Veil“

50 Jahre Abtreibung in Frankreich

Jede vierte Schwangerschaft im Nachbarland mündet in einer Abtreibung, während die Geburtenrate auf einen historischen Tiefstand sinkt. Ein Schelm, wer einen Zusammenhang herstellt.
Demonstration von Abtreibungsbefürwortern am International Safe Abortion Day in Paris
Foto: IMAGO/Telmo Pinto / SOPA Images (www.imago-images.de) | Heute mündet in Frankreich mehr als jede vierte Schwangerschaft in einer Abtreibung. 2023 wurden in Frankreich 243.623 legale Schwangerschaftsabbrüche (Interruptions Volontaires de Grossesse, IVG) durchgeführt.

Seit dem 17. Januar 1975 können Frauen in Frankreich straflos abtreiben. Das Gesetz „Veil“, benannt nach der damaligen Gesundheitsministerin Simone Veil, legte eine Fristenregelung fest, aufgrund derer Abtreibungen in den ersten zehn - mittlerweile sind es 14 - Schwangerschaftswochen durch einen Arzt straffrei durchgeführt werden dürfen. Seitdem wird Simone Veil von Feministen als Vorkämpferin für Frauenrechte gefeiert, obwohl sie Abtreibungen als „Drama“ bezeichnete, die „die Ausnahme bleiben muss, der letzte Ausweg aus einer ausweglosen Situation“.

Abtreibung als neue Verhütung

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Abtreibungsgesetzgebung jedoch Schritt für Schritt ausgeweitet: vom Wegfall der Beratungspflicht und der elterlichen Erlaubnis für minderjährige Mütter, über die Legalisierung der medikamentösen und mittlerweile auch chirurgischen Abtreibung durch Hebammen, bis hin zur vollständigen Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse. Zeugnisse aus medizinischen Kreisen besagen, dass in bestimmten Alters- und Bevölkerungsgruppen Abtreibung mittlerweile zum Verhütungsmittel geworden ist und manche Frau nicht selten zwei- oder dreimal im gleichen Jahr für eine Abtreibung im Wartezimmer sitzt. 

Lesen Sie auch:

Am 4. März 2024 stimmten Nationalversammlung und Senat außerdem für eine Verfassungsänderung, die die „garantierte Freiheit, einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen“ verfassungsmäßig festschrieb. Die letzte Bastion, die Ärzte, konservative Politiker und Lebensschützer noch halten: die Gewissensklausel, auf die sich Ärzte und medizinisches Personal berufen können, um nicht abtreiben zu müssen. 

Jedes vierte Kind wird abgetrieben

Heute mündet im Nachbarland mehr als jede vierte Schwangerschaft in einer Abtreibung. 2023 wurden in Frankreich 243.623 legale Schwangerschaftsabbrüche (Interruptions Volontaires de Grossesse, IVG) durchgeführt, während 678.000 Kinder geboren wurden. 2024 sank die Zahl der Lebendgeburten gar auf 663.000 Kinder, womit die Geburtenrate auf einen historischen Tiefstand von 1,62 Kinder pro Frau sank. Damit steht Frankreich im europäischen Kontext nicht allzu schlecht da; trotzdem liegt auch hier die Fertilitätsrate weit unter dem für den Bevölkerungserhalt notwendigen Wert von 2,1.

Eine sinkende Geburtenrate kann selbstverständlich nicht monokausal auf Abtreibungen zurückgeführt werden. Einen Zusammenhang zwischen beidem völlig auszublenden läuft jedoch an der Realität vorbei, die dem Betrachter aus den Zahlen entgegenspringt. Kinder, die abgetrieben wurden, können eben weder zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, noch ihre alternden Eltern versorgen, noch in den zahlreichen Berufsfeldern arbeiten, die heute aufgrund von Arbeitskräftemangel unter Druck stehen. 

Gesamtgesellschaftliche Folgen sind nicht zu leugnen

Vor diesem Hintergrund erscheint es absurd, wie Emmanuel Macron von einer „demografischen Aufrüstung“ zu sprechen, dabei auf klägliche Maßnahmen wie die Verkürzung der Elternzeit zu setzen und gleichzeitig das Recht auf Abtreibung als historische Errungenschaft zu bezeichnen. Wer schon für das moralische Argument des vorgeburtlichen Lebensrechts nicht offen ist, sollte zumindest die besorgniserregenden gesamtgesellschaftlichen Folgen einer ausufernden Abtreibungspraxis anerkennen.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Franziska Harter Emmanuel Macron Frauenrechte Lebensschutz Simone Veil

Weitere Artikel

Die EU verlangt seit 2022 eine bezahlte zehntägige Freistellung für Väter. Weil Berlin die Richtlinie nicht umgesetzt hat, entscheidet nun der EuGH über die Rechtslage.
26.05.2026, 16 Uhr
Cornelia Huber

Kirche

Der Papst sieht den Moment gekommen, die Künstliche Intelligenz zu „entwaffnen“. Eigentlich geht es in „Magnifica humanitas“ aber eher um das „technokratische Paradigma“.
27.05.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Auch die Entwickler selbst fürchten, dass sich eine Superintelligenz einmal gegen den Menschen richten könnte: Die KI-Enzyklika Papst Leos geht auf reale Sorgen ein.
27.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Kommt die Seligsprechung? Wie Erzbischof Georg Gänswein bestätigt, sammelt das Dikasterium für die Heiligsprechung Schreiben aus aller Welt, die Gebetserhörungen dokumentieren.
27.05.2026, 14 Uhr
Regina Einig
Trotz Warnungen aus Rom: Die FSSPX gibt die Namen der Kandidaten für die geplanten Bischofsweihen bekannt. Auch dem Papst sollen sie bereits vorgestellt worden sein.
27.05.2026, 11 Uhr
Meldung
Neuer Teilnehmerrekord, Durchschnittsalter bei 21 und die Abschlussmesse mit Kardinal Burke: Chartres versammelte wieder Zehntausende. Was sagt das über die junge Generation?
27.05.2026, 10 Uhr
Elisabeth Hüffer