Heilige

Burg von Javier: Geburtsort des heiligen Franz Xaver

Der 3. Dezember ist der Gedenktag des heiligen Franz Xaver. Eine Entdeckungsreise rund um seine Geburtsburg im spanischen Navarra.
Burg von Javier
Foto: Drouve | Diese Burg in der Region Navarra diente im 10. Jahrhundert als Festung in den Kämpfen zwischen Christen und Mauren, später wurde der Heilige Franz Xaver hier geboren.

Es ist eine Bilderbuchfestung, die über dem weiten Freiplatz regelrecht aus dem Fels herauswächst: die Burg von Javier, gelegen in den Vorpyrenäen der nordspanischen Region Navarra. Im 10. Jahrhundert, als die Kämpfe zwischen Christen und Mauren tobten, entstand sie um einen Wachturm, bekam im Fortgang des Mittelalters Umfassungsmauern, trutzige Türme, Bollwerke. 1506 erblickte hier ein Junge namens Franz Xaver (span.: Francisco Javier) das Licht der Welt. Er sollte Geschichte als Jesuit und Missionar schreiben und zum „größten Apostel der Moderne“ werden, wie man ihn gerne nennt. Gott dienen und den Menschen helfen, das war seine Maxime. Er ist Patron der Missionen und für eine gute Sterbestunde; sein Todes- und Gedenktag ist der 3. Dezember.

Franz Xaver war ein adeliger Sprössling, der bis zum Alter von 19 Jahren auf der Burg lebte. Dann brach er zum Studium nach Paris auf und traf dort auf einen anderen Spanier: Ignatius von Loyola. Zusammen mit ihm und anderen Glaubensgenossen legte Franz Xaver 1534 mit dem Gelübde auf dem Montmartre den Grundstein für die Gesellschaft Jesu, der Jesuiten. Er folgte dem Ruf des portugiesischen Königs Johann III. zur Missionierung in den Kolonien Asiens. Nach zehrend langer Schiffspassage traf er 1542 an der indischen Küste in Goa ein. Über Indien hinaus zählten Malakka, die Molukken und Japan während des kommenden Jahrzehnts zu seinen Stationen. Vor den Toren Chinas, auf der Insel Shangchuan, verstarb er am 3. Dezember 1552. Soweit in Kurzform sein Vita. Doch bleiben wir auf der Burg von Javier, um ein wenig dem Geist des Heiligen nachzuspüren. Längst ist der Ort ein Pilgerziel geworden und der Westflügel der Burg einer Wallfahrtskirche gewichen, wo die Bodentafel vor einem Marienaltar die Stelle seiner Geburt am 7. April 1506 anzeigt.

Lebensstationen des Heiligen

Eine kurze Rampe führt Besucher hinauf zur Burg, wo es zunächst ins Dunkel der einstigen Pferdestallungen geht. Dort zeichnen erleuchtete Schaukästen mit Modellfiguren und Szenen ausgewählte Lebensstationen des Heiligen nach: seine Taufe, betend in der Christuskapelle der Burg, der Abschied von der Mutter, die Begegnung mit Ignatius in Paris, der Besuch einer Pagode in Asien, der Tod.

Franz Xaver ist beim Rundgang allgegenwärtig: ob auf Ölbildern oder in Form von polychromierten Holzskulpturen quer durch die Jahrhunderte. Dazu gesellen sich andere Kunstwerke, die in ihrer Gesamtheit einem sakralen Museum zur Ehre gereichen; ein Prunkstück ist „Die Predigt des heiligen Franziskus“, geschaffen vom Antwerpener Barockmaler Godfried Maes (1649–1700).

Ein Kreuz aus Nussbaumholz

Der Rundgang führt in den „Großen Saal“ der Burg, der für Empfänge und Audienzen gedacht war, und ins „Zimmer des Heiligen“. Dieses stieß an die aus Sandsteinblöcken bestehende Basis des besteigbaren Turms San Miguel – doch aus originaler Zeit hat sich in Franz Xavers Zimmer nichts erhalten. Das ändert sich in der Kapelle des heiligen Christus, in die der Blick durch das Eingangsgitter fällt: auf einen Gekreuzigten aus Nussbaumholz, den Franz Xaver so sehr schätzte. Das spätgotische Bildnis lächelt Pein und Schmerzen einfach weg. Umgeben ist der Christus von ausgemalten Wänden, die aus derselben Epoche stammen, nämlich dem 15. Jahrhundert, und den Totentanz darstellen. Die Skelette symbolisieren die Macht des Todes über den Menschen. Die Überlieferung verbürgt, dass das Bildnis des Gekreuzigten im Moment von Franz Xavers Tod auf Shangchuan Blut schwitzte.

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Über den Freiplatz vor der Burg hinweg führt der Spaziergang hinüber vor ein monumentales, farbsattes Kachelbild: Franz Xaver allein, barfuß auf Felsen über dem Meer, den Blick himmelwärts gerichtet, den linken Arm weit ausgestreckt. Die Pose ist zu majestätisch, zu heroisch geraten – die Darstellung entspricht nicht der eines bescheidenen Heiligen. Ansprechender ist ein kleines blauweißes Schmuckkachelbild über dem Eingang zur nahen Pfarrkirche Maria Verkündigung. Es zeigt Franz Xaver im Moment seines Abschieds von Portugals König Johann III. Drinnen, im Hinterbereich der Kirche, steht das Taufbecken, in dem auch Franz Xaver buchstäblich in die Gemeinschaft mit Gott eingetaucht wurde. Daneben an der Wand hängt eine Tafel mit folgenden Worten: „Wenn ein furchtloser Apostel nach Indien und Japan ging – hier war es, wo sein Herz der Nächstenliebe entflammt wurde. Glücklich sei, wer in diesem heiligen Becken getauft wird.“

Viele Highlights in der Umgebung

Die Gegend um Javier ist gespickt mit weiteren Highlights. So wie das Städtchen Sangüesa, eine wichtige Station auf dem Aragonesischen Jakobsweg, der vom Pyrenäenpass Somport herkommt. Die Kirche Santa María la Real erhebt sich mit ihrem oktogonalen Turm an der Flussbrücke über den Río Aragón. Das romanische Südportal lässt einen Bilderkosmos auf die Betrachter einstürzen: Maria als Himmelskönigin, die Apostel, Handwerker, dämonische Wesen, das Jüngste Gericht, keltische Flechtbandornamentik. Im Innern verehren Gläubige ein gotisches Marienbildnis. Hauptachse des historischen Handelsstädtchens ist die Calle Mayor, die sich von Santa María la Real – am Rathaus und einigen Gasthäusern längs – bis zur Plaza de los Fueros spannt, wo 1266 der Bau der Franziskanerkirche begonnen wurde.

In Sicht von Javier liegt der Gebirgszug der Sierra de Leyre – und mittendrin eines der eindrucksvollsten Klöster Nordspaniens, San Salvador de Leyre. Ein Sträßchen führt hinauf und gibt unterwegs den Blick in die Tiefe frei auf den Stausee von Yesa, auch „Pyrenäen-Meer“ genannt. Bereits im 9. Jahrhundert fand der heilige Eulogius von Córdoba hier ein blühendes Klosterleben und eine gut eingerichtete Bibliothek vor. Heute leben insgesamt noch 23 Benediktiner in der Bergeinsamkeit der Sierra de Leyre.

Stimmungsvolle Gesänge

Wuchtige Säulen und Kapitelle bestimmen die romanische Krypta aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Die romanisch-gotische Klosterkirche bewahrt eine Grabtruhe mit den Resten diverser Könige Navarras und das Bildnis Unserer Lieben Frau von Leyre. Das Licht fällt durch Alabasterfenster, die Säulen im Altarbereich sind geneigt. Besonders stimmungsvoll wird es abends um 19 Uhr, wenn die Benediktiner ihre gregorianischen Gesänge anstimmen. Die Stimmen mögen nicht mehr so kraftvoll sein wie noch vor Jahren, doch man spürt, wie die Lieder geradewegs aus den Herzen fließen. Ein beliebtes Mitbringsel ist der von den Mönchen nach Geheimrezept produzierte Kräuterlikör, der sich gut in der Klosterstube kosten lässt.

Leyre ist ein Platz für die Seele und einer der schönsten Plätze für den Sonnenuntergang in der Region Navarra. Dann legt sich des Tages letztes Licht über die Bergrücken, die umliegenden Wälder und über das figurenreiche Hauptportal der Klosterkirche: im Bogenfeld der segnende Heiland in einem Gewand mit feinsten Faltenwürfen, rundherum Mariä Heimsuchung, Mariä Verkündigung, Ungeheuer, ein Dämon, Johannes zwischen zwei Löwen, Jonas und der Wal, trompetende Engel. Welch ein Gedicht in Stein!

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