Ex-Post-Triage

Ethiknachhilfe für Ärzte

Der Philosoph und Bioethiker Markus Rothhaar erläutert, warum ein Verbot der Ex-Post-Triage ethisch geboten ist.
Coronavirus: Triage-Debatte
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert (ZB) | Insbesondere das im neuen Triage-Gesetz festgeschriebene Verbot der „Ex-Post-Triage“ ist vielen Ärzten ein Dorn im Auge.

Die Debatte um die rechtliche Regelung der Triage ist auch nach der Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes durch den Deutschen Bundestag nicht beendet. Während Menschen mit Behinderungen angekündigt haben, erneut den Gang nach Karlsruhe anzutreten, fordern Landesärztekammer wie die hessische nun die „Nachbesserung“ des Gesetzes. Insbesondere das im Gesetz festgeschriebene Verbot der „Ex-Post-Triage“ ist vielen Ärzten ein Dorn im Auge.

Menschen sind kein Mittel zum Zweck

Das kann nur erstaunen. Denn bei der Ex-Post-Triage würde eine medizinisch indizierte und begonnene Behandlung eingestellt und das Leben eines Menschen aufgegeben, um mit den freiwerdenden Ressourcen einem Menschen das Leben zu retten, der eine noch höhere Überlebenswahrscheinlichkeit besitzt. Damit würde der zuerst behandelte Patient, wie der Philosoph und Bioethiker Markus Rothhaar, der an der Theologisch-Philosophischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz lehrt, in seinem Beitrag für das Ressort „Glauben & Wissen“ aufzeigt, jedoch als „bloßes Mittel zum Zweck“ behandelt. Genau einer solchen Behandlung aber habe die Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes ein für alle Mal einen Riegel vorschieben wollen.

Lesen Sie auch:

Auch scheint die Ex-Post-Triage nicht von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gedeckt zu sein, das in seinem Urteil zum Luftsicherheitsgesetz klarstellte, dass Menschen „nicht als bloße Objekte einer Rettungsaktion zum Schutze anderer“ behandelt werden dürften und erklärte: „Eine solche Behandlung missachtet die Betroffenen als Subjekte mit Würde und unveräußerlichen Rechten.“ „Menschliches Leben und menschliche Würde“ genößen „ohne Rücksicht auf die Dauer der physischen Existenz des einzelnen Menschen gleichen verfassungsrechtlichen Schutz.“  DT/reh

Lesen Sie den ausführlichen Beitrag des Philosophen und Bioethikers Markus Rothhaar in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Themen & Autoren
Vorabmeldung Benedikt XVI. Bundesverfassungsgericht Deutscher Bundestag Triage

Weitere Artikel

Die Menschen in China seien es leid, den Mund verboten zu bekommen, schreibt der CDU-Außenpolitiker in einem Beitrag für die "Tagespost". Die Macht von Xi Jinping bröckele.
29.11.2022, 16 Uhr
Vorabmeldung

Kirche

Der Vorschlag, die Kirche solle "das Erbsündensyndrom" überwinden, ist ein alter Hut. Die modernen Irrlehrer haben sich vom überlieferten Glauben an den Erlöser verabschiedet. Ein Kommentar.
08.12.2022, 09 Uhr
Regina Einig
Das Hochfest Maria Immaculata am 8. Dezember offenbart das Wesentliche über den Lebensbeginn der Gottesmutter.
08.12.2022, 07 Uhr
Josef Kreiml