Gastkommentar

Verrücktes Deutschland: Familienrechtliche Zeitenwende

Wie die Ampel die biologischen Eltern durch bis zu vier soziale Elternteile ersetzten will.
Zwei Drittel wollen die klassische Familie
Foto: Liu Zongya (XinHua) | Im Mai 2022 hat die größte repräsentative Familienstudie Deutschlands klar ermittelt, dass zwei Drittel der Befragten die klassische Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, für sich anstreben.

Derzeit erleben wir den rasanten Abstieg Deutschlands und eine reale Bedrohung für ein bezahlbares, bürgerliches Leben, das sich so bis vor kurzem in diesem Ausmaß niemand hätte vorstellen können. Aber neben der Deindustrialisierung, der Inflation, der mangelnden Versorgungssicherheit, dem Fachkräftemangel, dem schlechten Bildungssystem, dem Pflegenotstand und dem Krieg in Europa wird nun massiv an der Zerstörung von Ehe und Familie durch das geplante Abstammungsrecht gearbeitet. Dabei ist das, was die Mehrheit der Bevölkerung will, für die Ampel vollkommen unerheblich. 

Zwei Drittel wollen die klassische Familie

Im Mai 2022 hat die größte repräsentative Familienstudie Deutschlands klar ermittelt, dass zwei Drittel der Befragten die klassische Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, für sich anstreben. Der weitaus größere Teil der Bevölkerung ist Befürworter eines eher traditionellen Familienbildes. Die Ampel sollte ihre Arbeit deshalb nicht auf die Zerstörung von Ehe und Familie konzentrieren, sondern für die Verbesserung der Rahmenbedingungen unserer Familien. Sie zerstört das bisherige Familienrecht und relativiert die biologische Elternschaft. 

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Die Grundlage für die Entstehung eines Kindes ist nach wie vor, dass eine Samenzellen und eine Eizelle für den menschlichen Nachwuchs verantwortlich sind. Auch wenn neueste Techniken es möglich machen, einzelne Gene, die bei den Kindern Krankheiten hervorrufen würden, auszutauschen und durch Spendergene zu ersetzen, bleibt klar, dass eine Eizelle und eine Samenzelle, also zwei Geschlechter für den menschlichen Nachwuchs erforderlich sind. Da Samen und Eizelle von zwei verschiedenen Menschen stammen, ist damit die Herkunft des Nachwuchses geklärt. Wer bei diesem Nachwuchs die Mutter ist, ist leicht nachzuvollziehen, da die Leihmutterschaft und die Ei-und Embryonenspenden in Deutschland verboten sind. 

Die Ampel will sich von biologischen Tatsachen lösen

In einer Ehe ist derjenige der Vater, der zu dem Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet war. Bei Zweifeln ist der biologische Vater durch einen Vaterschaftstest ermittelbar. Während die biologische Abstammung bis jetzt die Grundlage der Rechtsvorschriften für die Abstammung war, will die Ampel sich von den biologischen Tatsachen lösen. Nach Paragraf 1589 BGB sind Personen verwandt, die entweder voneinander abstammen oder die beide von derselben Person abstammen. 

Sylvia Pantel

Die biologischen Eltern sollen nun durch eine „soziale Elternschaft“ ersetzt und durch künstliche Konstruktionen wie die „Mit-Mutterschaft“ oder die „Mit- Elternschaft“ ergänzt werden. Als Alternative zur Ehe und Familie soll es die sogenannten Verantwortungsgemeinschaften geben. Bei einem gleichgeschlechtlichen Paar soll das Kind eben zwei eingetragene Mütter haben. Diese Zeitenwende ist eine der größten negativen Veränderungen unseres Abstammungsrechts. Die zahlreichen Gender-Professoren an den Universitäten mögen sich viele bunte Dinge ausgedacht haben und wollen nun ihre abstrusen Vorstellungen mit Hilfe der Ampel in die Tat umsetzen, ohne einen Gedanken an die Wünsche einer großen Mehrheit unserer Gesellschaft zu verschwenden.

Die Menschen wollen die klassische Familie und brauchen Bedingungen, damit sie ihre Kinder unter guten und stabilen Voraussetzungen groß ziehen können. Die derzeitige Zerstörung der Grundlage unserer Gesellschaft wird – wie viele andere Ideologien der Vergangenheit – in die Irre führen und die kommende Generation mit nicht abschätzbaren Konsequenzen destabilisieren. Wie lange schauen wir Bürger dabei noch zu? Was passiert gerade mit unserem Gesellschaftsverständnis?


Die Autorin saß für die CDU im Bundestag und ist jetzt Geschäftsführerin der Stiftung für Familienwerte.

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Sylvia Pantel CDU Deutscher Bundestag

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