Queer-Beauftrager

Wie Sven Lehmann die freie Debatte unterdrückt

Sven Lehmann hat es geschafft, dass sich mittlerweile fast jeder etwas unter einem Queer-Beauftragten vorstellen kann. Dabei setzt er auf Überspitzung, Panikmache und Polemik.
Queer-Beauftragter der Bundesregierung: Sven Lehmann
Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) | Sven Lehmann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Für Sven Lehmann waren die zurückliegenden Tage eine wichtige Woche. Erst wurden die Eckpunkte für das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz vorgestellt und dann ging in Köln, wo der 42-jährige Grüne auch seinen Wahlkreis hat, am Wochenende die große Christopher-Street-Day-Parade über die Bühne. Alles Termine, die im Kalender des Queer-Beauftragten der Bundesregierung natürlich dick grün angestrichen sind. Sein Amt ist erst von der Ampelregierung geschaffen worden. Lehmann hat es aber geschafft, dass sich mittlerweile fast jeder etwas unter einem Queer-Beauftragten vorstellen kann – der sperrige offizielle Titel „Beauftragter der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ wird eigentlich nie mehr gebraucht.

Geschichte Kommunikationsstrategie

Dass ist nicht zuletzt auf eine geschickte Kommunikationsstrategie zurückzuführen, die vor allem auf Überspitzung, Panikmache und Polemik setzt, aber damit genau das erzeugt, worauf letztlich jede Polit-PR abzielt: Aufmerksamkeit.

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Lehmanns Ceterum Censeo ist dabei: Die LGBTQ-Community sei extremistischer Hetze ausgesetzt. Die Taktik ist klar: So soll in der Öffentlichkeit Betroffenheit ausgelöst werden. In Wirklichkeit aber versucht der Regierungsbeauftragte, die freie Debatte über LGBTQ-Themen zu reglementieren und missliebige Beiträge zu unterdrücken. Die Methode: Kritische Argumente werden einfach als Ausdruck einer angeblichen Homo- und Transfeindlichkeit umgedeutet. Ergo: Eine weitere Diskussion ist nicht nötig.

Auf die Argumentation der Autoren ging er nicht ein

Jüngstes Beispiel ist die Auseinandersetzung über einen Artikel in der „Welt“, in dem Anfang Juni Autoren in einem Gastbeitrag Kritik an einer zu einseitigen Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien über Transsexualität geübt und auf Gefahren für Kinder und Jugendliche aufmerksam gemacht hatten. Lehmann schrieb in seiner Entgegnung – die bezeichnende Überschrift lautete: „Homo- und Transfeindlichkeit ist keine Meinung – sondern Menschenfeindlichkeit“: „Wir sind es leid, dass unsere Existenz überhaupt verhandelt wird. Wir sind es leid, dass Feindlichkeit gegenüber LGBTIQ* überhaupt als legitime ,Meinung' dargestellt wird und nicht als das, was sie ist: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.“

Auf die Argumentation der Autoren ging Lehmann hingegen gar nicht weiter ein, sondern diffamierte sie einfach als unwissenschaftlich.  Mit dieser Methode hat Lehmann es geschafft, zur Reizfigur zu werden. Freilich ist  sie auch für ihn reizvoll: Seine Karriere innerhalb der „Fortschrittskoalition“ dürfte dieser Ansatz eher beflügeln. Ist er doch so zu einer Art Prototyp eines Ampel-Politikers geworden.

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