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Tabuthema sexuelle Bildung?

Doktorspiele in Kindertagesstätten, das ist auch für katholische Einrichtungen Teil des Bildungs- und Schutzauftrages. Warum aber werden dann Informationsveranstaltungen abgesagt?
Kinder in einem Kindergarten
Foto: Mareen Fischinger (imago stock&people) | Litten frühere Generationen unter zu wenig frühkindlicher sexueller Bildung? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Am kommenden Montag hätte sie stattfinden sollen: eine Veranstaltung „Doktorspiele – sexuelle Entwicklung von Geburt an“ einer katholischen Kindertagesstätte in Pulheim im Erzbistum Köln. „Wir machen eine Reise in die Phantasie und Kreativität der Kinder und versetzen uns in die Neugierte (sic) und ihren Forschungsdrang und lernen, was es bedeutet, den eigenen Körper spielerisch und geschützt genau kennenzulernen“. Nach etwas Aufregung in den Sozialen Medien (müssen Kleinkinder wirklich dabei unterstützt werden, ihre Sexualität „kennenzulernen“?) und im Zuge einer Recherche des Onlinemagazins „corrigenda“ wurde die Veranstaltung offenbar wieder abgesagt.

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Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Konsequenzen des Einzugs sexualpädagogischer Konzepte auch in katholische Kindertagesstätten und Kindergärten. Wie diese Zeitung bereits 2023 berichtete, werden dabei immer wieder auch sexualpädagogische Werke herangezogen, die maßgeblich auf der umstrittenen „Sexualpädagogik der Vielfalt“ von Uwe Sielert basieren, einem Schüler des pädokriminellen Sexualwissenschaftlers Helmut Kentler.

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Das Erzbistum Köln argumentiert, „sexuelle Bildung“ sei als Teil eines inklusionspädagogischen Konzeptes Voraussetzung zur Erlangung einer Betriebserlaubnis für Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen. Auch aufgrund „unserer geltenden Präventionsordnung“, so das Erzbistum gegenüber dieser Zeitung, seien Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, „als Teil der Schutzmaßnahmen verpflichtet, ein Konzept der sexuellen Bildung vorzuhalten – adäquat den wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesetzlichen Vorgaben.“ Der Auftrag sei also, Kinder zu schützen, nicht zuletzt vor Übergriffen von Erwachsenen. Diesem Präventionsanliegen dienten auch die entsprechenden Informationsveranstaltungen, zumal sich die Schutzmaßnahmen auch positiv auf möglichen innerfamiliären Missbrauch auswirkten.

„Was einzelne Veranstaltungen betrifft, bitten wir Sie, sich an den jeweiligen Veranstalter zu wenden“, so die Pressestelle des Erzbistums abschließend. Diese jedoch reagieren nicht auf Presseanfragen. Während diese Zeitung aus der eingangs erwähnten Kita lediglich zurück an die Pressestelle verweisen wurde, kam aus einer anderen Einrichtung, ebenfalls im Erzbistum Köln, trotz mehrfacher Anfragen, bisher überhaupt keine Reaktion. Auch hier hätte eine Veranstaltung, ebenfalls am kommenden Montag, über „Kindliche Sexualität und Doktorspiele“ informieren sollen, das Portal „CNA Deutsch“ berichtete. Anfang dieser Woche jedoch verschwand der Ankündigungsflyer plötzlich von der Website der katholischen Kitas im Erzbistum. Es stellt sich die Frage: Wenn die Veranstaltungen lediglich dem Schutz der Kinder dienen, warum gehen die Veranstalter dann so unsouverän mit medialer Aufmerksamkeit um? (DT/jra)

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