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Sexuelle Bildung: Prävention oder pädagogischer Irrweg?

Auf dem Symposium „Kentler – Kinder – Kirche“ referieren Experten aus verschiedenen Fachrichtungen über Ursprünge und Wirkung moderner Sexualpädagogik.
Schüler im Klassenzimmer
Foto: Imago/Zoonar | Auch in katholischen Einrichtungen wird die sogenannte „Sexuelle Bildung“ umgesetzt. Über ihre Auswirkungen auf Kinder wird kontrovers diskutiert.

Was hat es mit „Sexueller Bildung“ in kirchlichen Schulen und Kitas auf sich? Mit dieser Frage hat sich am Samstag, 11. April, das Symposium „Kentler – Kinder – Kirche“ im Kasseler Kongress Palais befasst, das von der Initiative „Demo für alle“ gemeinsam mit CitizenGO veranstaltet wurde.

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Auf dem Symposium wurde unter anderem auch die Frage nach den ideengeschichtlichen Grundlagen heutiger Sexualpädagogik thematisiert. Der Publizist und Jugendforscher Martin Voigt zeichnete das Wirken und den Einfluss des Pädagogen Helmut Kentler nach und identifizierte ihn als eine zentrale Figur der sogenannten emanzipatorischen Sexualpädagogik. Kentler habe für eine weitgehende Liberalisierung sexueller Normen plädiert und Positionen vertreten, die heute als hochproblematisch gelten.

Voigt verwies dabei auf das sogenannte „Kentler-Experiment“, bei dem Jungen über Jahre hinweg bei pädosexuellen Pflegevätern untergebracht wurden, ein Vorgehen, das inzwischen als Missbrauchsskandal aufgearbeitet wird. „Es müsste untersucht werden, wie Kentlers emanzipatorische Sexualpädagogik zur Grundlage der heute in sämtlichen Lehrplänen verankerten sexuellen Bildung wurde“, erklärte Voigt.

An diese ideengeschichtliche Einordnung knüpfte die Sozialwissenschaftlerin und „Tagespost“-Autorin Susanne Hartfiel an. Sie führte aus, dass zentrale Ansätze moderner Sexualpädagogik nach Helmut Kentler insbesondere durch Uwe Sielert weiterentwickelt worden seien. Weitere Vertreter dieser Richtung hätten diese Konzepte mit Gender- und Queer-Theorien verbunden und so Bildungsansätze geprägt, die aus ihrer Sicht „eine Mischung aus übergriffiger Sexualpädagogik und Queer-Ideologie darstellen“. Zudem führte Hartfiel aus, dass solche Ansätze zunehmend auch in kirchlichen Einrichtungen Anwendung fänden.

Zum Schutz nicht geeignet

Der Entwicklungspsychologe Markus Hoffmann nahm in seinem Vortrag aktuelle kirchliche Präventionskonzepte in den Blick. Er stellte eine von ihm mitverfasste Broschüre vor, die eine „Kultur des Schutzes und aktiver Wachsamkeit“ anstrebt. Darin setzt er sich kritisch mit dem Konzept der „Sexuellen Bildung“ auseinander. Dieses sei nicht geeignet, Kinder wirksam zu schützen. „Die sexuelle Bildung ist ein Ärgernis, denn sie geht an der Entwicklung des Kindes vorbei. Man möchte sogar sagen, sie steht in Gefahr, das Kind zu schädigen“, sagte der Psychologe, der regelmäßig für die „Tagespost“ schreibt.

Eine praxisorientierte Perspektive brachte der Psychotherapeut Roman Göbeke ein, der gemeinsam mit seiner Frau eine Praxis in Neubrandenburg betreibt. Aus seiner langjährigen Tätigkeit mit Kindern berichtete er, dass Sexualität im frühen Kindesalter nach seinen Beobachtungen keine große Rolle spiele und kindliches Verhalten nicht als Sexualität im eigentlichen Sinne zu verstehen sei.

Kinder seien vielmehr besonders sensibel für gesellschaftliche Einflüsse und die Vorgaben von Erwachsenen und reagierten auf Veränderungen ihrer Umwelt. Im Vordergrund stünden Bedürfnisse nach Nähe, Beziehung und Geborgenheit, nicht jedoch sexuelle Fragestellungen im engeren Sinne. Vor diesem Hintergrund warnte Göbeke davor, Kinder mit Inhalten zu konfrontieren, die ihrer Entwicklungsphase nicht entsprächen.

Margarete Strauß
Foto: Demo für alle | „Die christliche Sexualmoral ist nicht gegen die menschliche Natur gerichtet“, sagte „Tagespost“-Autorin Margarete Strauß auf dem Symposium in Kassel.

Wie ein persönliches Unbehagen zur Gründung des „Elternnetzwerks Kinderschutz und Prävention“ führte, schilderte ein anonym bleibender Teilnehmer, der als „Vater aus Hamburg“ vorgestellt wurde. Auslöser seines Engagements sei die Lektüre des Rahmenkonzepts zur „Sexuellen Bildung“ an der katholischen Schule eines seiner Kinder im Erzbistum Hamburg im Juni 2025 gewesen. Über den Vorgang hatte auch die „Tagespost“ berichtet. Er habe das Papier als schwer zugänglich erlebt und daran vor allem die aus seiner Sicht aktivistische Vermittlung von Diversität, den Einfluss externer Organisationen sowie die mangelnde Vereinbarkeit mit der katholischen Sexualmoral kritisiert.

„Ich bin einfach nur ein Vater, der seine Kinder liebhat“, sagte er. Erste Gespräche mit dem Elternrat hätten jedoch „versteinerte Gesichter“ gezeigt. Auch der Austausch mit Schulleitung und Verantwortlichen des Erzbistums Hamburg sei ohne greifbare Ergebnisse geblieben. In der Folge habe er sich mit anderen betroffenen Eltern vernetzt und das Netzwerk mitbegründet.

Geschlecht ist ein Faktum

Der emeritierte Weihbischof Marian Eleganti stellte die leibliche Wirklichkeit des Menschen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. „Die Wirklichkeit ist, dass ich ein Leib bin. Und dass der Leib eigentlich das Grunddatum ist. Also gegeben, ich habe es nicht gewählt, ich bin als Mann auf die Welt gekommen. Es ist ein Datum und es ist ein Faktum.“ Die katholische Lehre über Ehe, Familie und Sexualität gehe deshalb nicht von Ideologien, sondern von der Wirklichkeit des Menschen aus.

Die Theologin Margarete Strauß setzte sich in ihrem Vortrag mit verbreiteten Einwänden gegen die katholische Sexualmoral auseinander. Sie verwies dabei auch auf Ergebnisse der Sozial- und Bindungsforschung. „Nicht die Bindung an moralische Werte an sich ist pathogen, sondern der Widerspruch zwischen internalisierten Werten und tatsächlichem Verhalten“, sagte sie. Studien zeigten, dass stabile und treue Beziehungen mit höherer Zufriedenheit korrelierten.

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Die christliche Anthropologie widerspreche daher der Vorstellung, Sexualität sei eine rein private Angelegenheit. Vielmehr sei der Mensch auf Beziehung hin angelegt. Strauß fasste zusammen: „Der Mensch ist nicht Sklave seiner Triebe, sondern er ist zur Treue berufen.“

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