Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erzbistum Hamburg

Sorge um das Kindeswohl mobilisiert Eltern

Als Reaktion auf das „Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ haben sich besorgte Eltern in einem Netzwerk zusammengetan. Am Montag hat ein erster Informationsabend stattgefunden.
Der St. Marien-Dom des Erzbistum Hamburg
Foto: IMAGO/BODE (www.imago-images.de) | Umstrittenes Schulkonzept: Mariendom im Erzbistum Hamburg.

Die Sorge um das Kindeswohl an katholischen Schulen führte am ersten Informationsabend des Elternnetzwerks „Kinderschutz und Prävention“ am Montag achtzig Teilnehmer in einer Videokonferenz zusammen, die bis in den späten Abend dauerte. Im Zentrum stand das „Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ unter dem programmatischen Titel „Männlich, weiblich, divers“.

Lesen Sie auch:

Eingeladen hatte Varinia Arauco, eine Familienmutter, die darauf besteht, mit ihrem Klarnamen aufzutreten, trotz der Sorge vor negativen Konsequenzen für ihre Kinder. Die Angst vieler Eltern vor der Diffamierung war indessen spürbar. Arauco begrüßte die Teilnehmer und bat sie, ihren Namen in Zoom anzugeben oder zumindest den Vornamen und den Anfangsbuchstaben des Nachnamens zu nennen.

Arauco erklärte, dass es das Ziel sei, zu verstehen, welche Folgen das Konzept der sexuellen Bildung „für unsere Kinder haben kann“. Zum anderen sollte darüber nachgedacht werden, „welche konkreten Schritte wir als Eltern gemeinsam unternehmen können, um unsere Kinder zu schützen und das vorrangige Recht zu verteidigen, sie entsprechend unserer Überzeugungen und Werte zu erziehen“.

Auch die Eltern sollen geschult werden

Den zentralen Vortrag hielt Peter P. (Name vom Vortragenden als Pseudonym gewählt), der unter dem Titel „Identitätspolitik und Frühsexualisierung in unseren katholischen Schulen“ eine eingehende Analyse des Hamburger Rahmenkonzepts präsentierte. Ausführlich zitierte er aus dem Rahmenkonzept: Bezeichnend sei die Aussage, dass es die Aufgabe sexueller Bildung sei, „eine achtsame und würdevolle Gestaltung sexueller Lust über die ganze Spanne des menschlichen Lebens zu fördern“. Und weiter: dass diese Bildung eine „interaktive“ Vermittlung erfordere, die über den Unterricht hinaus den „außerunterrichtlichen Bereich von Schule“ umfassen soll.

Es sei die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ des im Konzept referierten Uwe Sielert, die zur Norm für katholische Schulen erhoben werde. Demnach sei die Vielfalt der sexuellen Orientierungen wie der geschlechtlichen Identitäten als „Chance und Bereicherung“ anzuerkennen. Schon ab der zweiten Klasse sollten Kinder lernen, Geschlechtsrollenzuschreibungen kritisch wahrzunehmen und sich auf „Perspektivenwechsel“ einzulassen. Diese Thematik ziehe sich durch bis zur Sekundarstufe, in der Schüler über „Transition“ informiert werden sollten. Was der abstrakte Begriff „Transition“ bedeutet, erläuterte P. anhand chirurgischer Erläuterungen zur „Mastektomie bei Menschen mit Geschlechtsdysphorie“, also zur Brustentfernung bei Frauen. Mehrfach stellte P. klar, dass er und seine Mitstreiter „die allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) jeder erwachsenen Person und deren freie Entfaltung, ob in hetero- oder homosexueller Beziehung oder in non-binärer Selbstwahrnehmung“ respektierten. Das Rahmenkonzept jedoch ziele nicht auf Toleranz, sondern Akzeptanz und damit auf die aktive Zustimmung zu einem bestimmten Verhalten oder Entscheidungen einer Person. P. zitierte auch die Aussage, dass ein Ziel sexueller Bildung an katholischen Schulen sei, die Lehrkräfte im Umgang mit Eltern zu schulen, die „aus Vorbehalten und Unsicherheiten heraus bestimmte Inhalte einer zeitgemäßen Sexualpädagogik ablehnen“. 

In der Diskussion berichteten Eltern, wie „sexuelle Bildung“ an Schulen und besonders an Kindertagesstätten an den Eltern vorbei implementiert wird, mit welchem Druck dieses Konzept skeptischen Eltern, Lehrern und Erziehern aufgedrängt wird. Dennoch war die Stimmung nicht resigniert. Das Elternnetzwerk „Kinderschutz und Prävention“ wächst, vernetzt sich und sucht die Unterstützung des Heiligen Stuhls, um vor neuen Missbrauchsgefahren durch pseudowissenschaftliche Ideologien zu warnen. Die größte Sorge der Eltern ist, dass Aktivisten den durch das Rahmenkonzept eröffneten Zugang zu Kindern für eigennützige Zwecke nutzen könnten. Das Elternnetzwerk berät sich mit Fachanwälten, um gegebenenfalls strafrechtlich vorzugehen, wenn die Integrität von Kindern nach ihrem Dafürhalten in Gefahr gerät.

Der Autor ist promovierter Politikwissenschaftler.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stefan Fuchs Erzbistum Hamburg Homosexuelle Katholische Schulen Kindeswohl

Weitere Artikel

„Die größte Herausforderung besteht darin, sich die Bedeutung der Taufe bewusst zu machen": Der Vorsitzende der Spanischen Bischöfe, Erzbischof Luis Argüello über Evangelisierung.
16.01.2026, 17 Uhr
Regina Einig
Als das kommunistische Regime die Kirche in der Tschechoslowakei bekämpfte, widersetzten sich Jan Bula und Václav Drbola. Eine Justizintrige kostete sie das Leben.
05.06.2026, 21 Uhr
Claudia Kock

Kirche

Bei der dritten Ausgabe des Altöttinger Benedikt-XVI.-Forums steht Heilung im Mittelpunkt. Wie kann der Glauben dabei helfen? Ein Bericht.
07.07.2026, 15 Uhr
Athinea Andryszczak
Nach einem positiven Trend bei Taufen und Konversionen macht sich auch ein wachsendes Interesse am Priesterberuf bemerkbar. Besonders in einem Bistum zeigt sich die Wende.
07.07.2026, 15 Uhr
Simon Kajan
Der neue Eichstätter Bischof Würtz hat sich bei den Synodalversammlungen anders positioniert als sein Vorgänger Hanke. Als Mainstreamtheologen sollte man ihn aber nicht abqualifizieren.
07.07.2026, 12 Uhr
Regina Einig