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Vom Planen und Vertrauen

Am 12. Juli feiern wir den Gedenktag von Zélie und Louis Martin, den Eltern der heiligen Therese von Lisieux. Von ihnen können wir lernen, wie wir damit umgehen, wenn unser Leben anders verläuft als geplant.
Familie Martin
Foto: Bernadette Drayß | Nicht nur die „kleine Therese“ wurde heiliggesprochen, sondern vor elf Jahren auch ihre Eltern. Ihr Geheimnis? Wenn Gott ihre Pläne durchkreuzte, ließen sie den Kopf nicht hängen, sondern vertrauten auf seine Liebe.

Wenn du Geschichten von Heiligen magst, hast du sicher schon einmal von der „kleinen Therese“ gehört. So wird Therese von Lisieux genannt – eine der meistverehrten Heiligen der Kirche. Sie ist dafür bekannt, dass sie die kleinsten Dinge mit der größtmöglichen Liebe tun wollte. Hast du gewusst, dass nicht nur Therese eine Heilige ist, sondern auch ihre Eltern? Zélie und Louis Martin sind das erste Ehepaar in der Geschichte der Kirche, das gemeinsam heiliggesprochen wurde – genau vor elf Jahren. In einigen Tagen, am 12. Juli, ist ihr gemeinsamer Gedenktag.

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Das Leben von Zélie und Louis war nicht aufregend, sie haben keine großen Heldentaten vollbracht, wurden nicht für ihren Glauben verfolgt und waren zu Lebzeiten ungefähr so bekannt wie du und ich. Trotzdem können wir viel von ihnen lernen – darüber, wie man sich um ein gutes Familienleben bemüht, aber vor allem, was passiert, wenn Gott unsere Pläne durchkreuzt.

Louis’ Plan

Geboren wurde Louis vor etwa zweihundert Jahren als drittes von fünf Kindern in Bordeaux, einer mittelgroßen Stadt im Westen Frankreichs. Weil die Ärzte damals viele Krankheiten noch nicht heilen konnten, war er der einzige seiner Geschwister, der ein hohes Alter erreichte. Er war zurückhaltend und sehr gläubig, liebte es zu fischen und zu gärtnern und hatte den Wunsch, Mönch zu werden. Er unternahm sogar eine beschwerliche Reise zu einem Kloster hoch oben in den Bergen in der Schweiz, um die dort lebenden Augustinermönche zu bitten, ihn in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. Diese verlangten jedoch, dass er zuerst Latein lernen sollte.

Er kehrte nach Hause zurück und machte sich ans Werk, wurde aber krank und musste damit seinen Traum von einem Klosterleben hoch in den Alpen aufgeben. Er beendete also eine Ausbildung zum Uhrmacher, die er davor bereits begonnen hatte, übernahm eine Uhrmacherwerkstatt und wollte ein ruhiges Leben führen, das von Arbeit und Gebet geprägt war. Er kaufte sogar ein Grundstück mit einem Turm, wohin er sich regelmäßig zurückzog, um in Ruhe zu beten. Ans Heiraten dachte er gar nicht.

Zélies Plan

Marie-Azélie, Zélie genannt, wurde als mittlere von drei Kindern in eine strenge französische Familie geboren. Sie war als Kind oft krank und hatte auch mit Ängsten zu kämpfen, gleichzeitig war sie aber sehr intelligent, sprachgewandt und fleißig. Auch sie war wie ihr späterer Mann tief gläubig und wollte Klosterschwester werden. Als sie sich aber in einem Kloster vorstellte, entschied die Oberin, dass sie keine Berufung zum Ordensleben habe, und schickte sie weg. Tief enttäuscht entschied sie sich, Spitzenmacherin zu werden, und war darin so geschickt, dass sie sich schon mit 22 Jahren gemeinsam mit ihrer älteren Schwester selbständig machen konnte. Als die Schwester aber wenige Jahre später selbst in ein Kloster eintrat, waren auch Zélies Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft zerstört.

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Gottes Plan

Zélies erste Begegnung mit Louis fand auf einer Brücke in der Stadt Alençon statt. Sie kannten sich nicht und wussten nichts übereinander – doch in dem Moment, an dem Zélie an Louis vorüberging, hörte sie in ihrem Herzen eine Stimme: „Das ist der, den ich für dich vorbereitet habe.“ Wenige Monate später heirateten sie. Da sie sich beide auf ein Leben im Gebet eingestellt hatten, beschlossen sie zuerst, wie Bruder und Schwester zusammen zu leben. Nach kurzer Zeit jedoch wurde der Wunsch nach einer Familie größer, und sie bekamen insgesamt neun Kinder – sieben Mädchen und zwei Jungen. Die beiden Jungen und ein Mädchen starben vor ihrem ersten Geburtstag, und eine weitere Tochter, Marie-Hélène, starb mit fünf Jahren. Obwohl der Verlust ihrer Kinder ihnen das Herz brach, waren sie sich sicher, dass sie bei Gott am besten aufgehoben waren. Zélies Wunsch war es immer gewesen, „viele Kinder zu haben, um sie für den Himmel zu erziehen“. Sie hatte jedes ihrer Kinder unmittelbar nach der Geburt mit einem Gebet Gott anvertraut – sie wusste, dass das ewige Leben im Himmel für sie wichtiger war als jedes noch so schöne Leben auf der Erde.

Ihre fünf übrigen Töchter waren für Louis und Zélie das größte Glück: Sie verwendeten ihre ganze Kraft darauf, sie zu lieben und im Glauben zu erziehen. Der Sonntag wurde als „Fest des lieben Gottes“ groß gefeiert, und sie kümmerten sich oft um Notleidende in ihrer Umgebung. Ihre jüngste Tochter, die spätere heilige Therese, schrieb in einem Brief, dass ihre Eltern „mehr des Himmels würdig als der Erde“ gewesen seien.

Doch auch dieser Traum von einem glücklichen Familienleben fand ein jähes Ende: Zélie erkrankte an Brustkrebs und starb mit 45 Jahren, als Therese erst vier Jahre alt war. Louis verkaufte daraufhin seinen Besitz in Alençon und zog mit seinen Töchtern nach Lisieux, wo er sich ganz ihrer Erziehung widmete. Eine Tochter nach der anderen trat ins Kloster ein, und Louis, der nach mehreren Schlaganfällen mit gesundheitlichen Problemen und geistiger Verwirrung zu kämpfen hatte, erfuhr kurz vor seinem Tod, dass auch die letzte seiner Töchter, Céline, nun Nonne werden wollte. Auch dieses letzte Opfer brachte er bereitwillig: „Komm“, soll er zu Céline gesagt haben, „treten wir zusammen vor das Allerheiligste, um dem Herrn dafür zu danken, dass er mir die Ehre erweist, alle meine Kinder zu nehmen.“

Und dein Plan?

Louis und Zélie hatten viele Pläne und Träume, die sich nicht so entwickelt haben, wie sie es sich erhofft hatten. Sie mussten viel aufgeben, woran sie festhalten wollten: Vorstellungen, Träume, Kinder, Besitz, ihre eigene Gesundheit und zuletzt ihr Leben. Trotzdem zieht sich eines durch ihre Lebensgeschichte wie ein roter Faden: ihr unbedingtes Vertrauen, dass Gott es gut mit ihnen meint, und ihre feste Entscheidung, ihn und die Menschen zu lieben, die er ihnen anvertraut.

Was tust du, wenn das nächste Mal etwas in deinem Leben nicht so läuft, wie du es dir erhofft hast? Vielleicht schaffst du es nicht in deine Lieblingsmannschaft, in der Schule deiner Träume ist kein Platz frei, oder du verpasst wegen einer Krankheit etwas, was dir sehr wichtig ist. Traurig sein ist erlaubt – auch Louis und Zélie haben intensiv über ihre Verluste getrauert. Aber vielleicht kannst du ihrem Beispiel folgen und anstatt enttäuscht in die Vergangenheit zu schauen, neugierig um die nächste Kurve blicken – denn das, was Gott für uns bereithält, ist oft so viel besser als das, was wir uns selbst ausdenken können.

Magdalena Rauter
Foto: Privat | Magdalena Rauter ist Betriebswirtin, Kinderkatechetin und führt ihr eigenes Familienunternehmen mit drei kleinen Mitarbeitern.

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