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„Die heilige Messe ist die stärkste Waffe, zu der wir greifen können“

„Pro Pusillis“ will täglich eine heilige Messe für ungeborene Kinder lesen lassen. Im Gespräch berichtet Johanna Rüsch über die Entstehung der Initiative.
Messe
Foto: Imago/GODONG | Viele Priester lesen immer wieder die Messe für die ungeborenen Kinder.

Am Hochfest der Verkündigung des Herrn denken wir an den Augenblick, in dem Gott im Schoß Mariens Mensch wurde. Was bedeutet dieser Tag für Ihre Initiative, die sich den ungeborenen Kindern widmet? 

Dass Gott selber vom kleinsten und ersten Moment menschlicher Existenz Mensch wurde, und sich ganz Maria hingibt und sich von ihr abhängig macht, ist so ein unglaublicher Beweis Seiner Liebe für uns Menschen, jedem einzelnen. Mehr noch: es heiligt den Menschen und das Mutter-Sein auf eine ganz neue Weise. Gott hat uns nicht nur in Seinem Abbild erschaffen, Er will uns nochmal ganz neu die von Ihm gegebene Würde schenken, indem Gott uns Menschen von Anfang an gleich wird. Das ist eigentlich die Kernbotschaft, warum jedes ungeborene Baby so unglaublich wertvoll ist: von Gott geliebt und geschenkt ist. Gleichzeitig steht aber ein großer Teil der Kinder im Mutterleib heute unter der akuten Gefahr, abgetrieben zu werden. Sie sind die Ausgesetztesten und Hilflosesten. Am Hochfest der Verkündigung des Herrn feiern wir diesen Moment, in dem der Himmel die Erde berührt hat. In der Feier der heiligen Messe, der Wandlung ganz konkret, berührt der Himmel wiederum immer wieder erneut die Erde – ist das nicht eine wunderbar passende Weise, sich für die Hilflosesten einzusetzen, so wie auch der Herr so hilflos im Schoß Mariens war?

Wie ist diese Initiative genau entstanden und was ist ihre besondere geistliche Kraft?

Die Idee stammt von meiner Schwester Theresa, welche die Initiative Pro Pusillis letztes Jahr vor ihren Eintritt in den Karmel gegründet hat – es ist also noch ganz jung und steckt in „Baby-Schuhen“. Uns war der Schutz des ungeborenen Lebens schon von klein auf ein großes Anliegen. So erinnere ich mich zum Beispiel, dass beim Abendgebet in der Familie wohl die häufigste Fürbitte von uns Kindern „für die ungeborenen Kinder, dass ihre Mütter sie als Gottes Geschenk erkennen mögen“ war. 
Der Vollständigkeit halber muss man dazu sagen, dass eine besondere Berufung des Karmels ist, für die Kirche und ihre Priester zu beten. Theresa liegt also nicht nur das ungeborene Leben, sondern auch die Priester sehr am Herzen und ich glaube, so war die Idee von Pro Pusillis nur eine logische Schlussfolgerung.
Doch der zentrale Punkt von Pro Pusillis ist die heilige Messe, und natürlich jeder Priester, der die heilige Messe in diesem Anliegen und zum Schutz der ungeborenen Kinder zelebriert.

Wie funktioniert das in der Praxis? Wie finden Sie Priester, die bereit sind, diese Messen zu lesen, und wie können die Gläubigen konkrete Anliegen oder Tage „buchen“?

Die Webseite pro-pusillis.org soll ein ganz einfaches und übersichtliches Werkzeug sein, um für dieses Anliegen Aufmerksamkeit zu gewinnen und möglichst viele Priester zu erreichen. Über eine Kalender-Funktion können Priester sich eintragen, um an einem oder mehreren Tagen die heilige Messe zu lesen. Für die Erstanmeldung bitten wir um ein Foto des Celebrets, damit wir – auch wegen der Mess-Stipendien (welche wir, wenn gewünscht, überweisen) – sichergehen können, dass es sich um Priester handelt. Daraufhin bestätigen wir den Tag und der gebuchte Tag wird auf Rot umgeschaltet. Wir sind eine kleine Freundesgruppe, die dieses Projekt von Theresa übernommen hat und neben unseren täglichen Aufgaben betreibt. Aber auch im Nachhinein überweisen wir noch die Mess-Stipendien und danken jedem Priester, der kurzfristig noch freie Termine übernommen hat. Natürlich lieben wir die roten Tage besonders, denn das heißt, dass die Tage genutzt werden, um zum Schutz für die Kleinen eine heilige Messe zu lesen.

Johanna Rüsch von Initiative „Pro Pusilis“
Foto: privat | Johanna Rüsch von Initiative „Pro Pusilis“.

Ein Mess-Stipendium ist ein uralter Brauch der Kirche. Welche Bedeutung hat diese konkrete Form der geistlichen Unterstützung gerade für dieses Anliegen? Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Priestern und Spendern?

Wie auch Gebet und Opfer der Gläubigen, so ist allen voran die heilige Messe Grundlage für alles Gute, was in der Welt passiert. So ist die hl. Messe die stärkste Waffe, zu der wir greifen können. Und genau dazu möchte Pro-Pusillis aufrufen. Von Priestern und auch von Laien, denen der Schutz des ungeborenen Lebens sehr am Herzen liegt, bekommen wir sehr ermutigende Rückmeldungen, z.B., dass es genau so eine Initiative unbedingt braucht. Viel werden wir gefragt, wie man uns helfen kann, und viele treue Priester lesen immer wieder die Messe in diesem Anliegen.

Was ist Ihre Vision für Pro Pusillis? Welchen Beitrag kann eine solche rein geistliche Initiative im oft so aufgeheizten öffentlichen Diskurs über Abtreibung und Lebensschutz leisten?

Wir wollen die Webseite in immer mehr Sprachen übersetzen, um all die wunderbaren bereits existierenden Lebensschutz-Bewegungen im geistigen Kampf zu unterstützen. Deren Engagement kann doch nur erfolgreich sein, wenn es auch die Grundlage des Gebetes hat – so wie die unsichtbaren Wurzeln eines großen Baumes. Das große Ziel ist es, dass Abtreibung überhaupt undenkbar sein wird. Wir alle können im Alltag unseren Beitrag leisten und wieder die Kultur des Lebens aufleuchten lassen. Papst Johannes Paul II. ruft uns alle auf: „Achte, verteidige, liebe das Leben, jedes menschliche Leben und diene ihm! Nur auf diesem Weg wirst du Gerechtigkeit, Entwicklung, echte Freiheit, Frieden und Glück finden! Mögen diese Worte alle Söhne und Töchter der Kirche erreichen! Mögen sie alle Menschen guten Willens erreichen, die um das Wohl jedes Mannes und jeder Frau und um das Schicksal der ganzen Gesellschaft besorgt sind!“ (Evangelium Vitae, Nr. 5)  


Die Interviewpartnerin ist Teil der Initiative „Pro Pusillis“.

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