Bob: Opa, schau mal! Ich muss dir was zeigen: Ich habe auf dem Weihnachtsmarkt ein Los gekauft und diesen tollen Kugelschreiber mit Taschenlampenfunktion gewonnen!
Opa: Sehr schön, ein echt nützlicher Gewinn. Weißt du eigentlich, dass du als Christ zu Weihnachten immer den absoluten Hauptgewinn bekommst?
Lilly: Weil an Weihnachten Jesus geboren wurde!
Opa: Richtig. Jedes Jahr an Weihnachten feiern wir, dass in Jesus Gott selbst uns ganz nahekommt, weil er ja Gott und Mensch zugleich ist. So kommt mit ihm Licht in unsere oft so dunkle Welt. Er schenkt uns seine Liebe und erwärmt unsere kalte Welt. Jesus ist für uns Christen also der absolute Hauptgewinn, so wie für den einen oder anderen Spanier vielleicht der „El Gordo“.
Bob: Der was?
Opa: In Spanien findet jedes Jahr die größte Weihnachtslotterie der Welt statt, bei der es allein für den Hauptgewinn ganze 170 Lose gibt. Diesen Hauptgewinn – 4 Millionen Euro – nennen die Spanier „El Gordo“ (der Dicke). Auch wenn Geld nicht alles ist, wollen viele Spanier bei der Ziehung live dabei sein und reisen dafür von weit her an.
Lilly: Kommen eigentlich viele Touristen von weit her, um Weihnachten in Bethlehem zu feiern?
Opa: Oh ja! In friedlichen Jahren strömen zu Weihnachten Tausende von Pilgern in die Geburtsstadt Jesu. Dort wird sogar an drei verschiedenen Tagen gefeiert: Die römisch-katholische Kirche feiert Heiligabend und das Christfest am 24. und 25. Dezember, viele orthodoxe Kirchen feiern am 6. Januar und die armenisch-apostolische Kirche dann am 19. Januar.
Bob: Cool! Bekommen die dann gleich dreimal Weihnachtsgeschenke?
Opa: Die Christen im Heiligen Land feiern wegen unterschiedlicher kirchlicher Traditionen und Kalender an verschiedenen Tagen, aber deshalb gibt es keine dreifachen Weihnachtsgeschenke.
Lilly: Heißt das, dass Jesus gar nicht am 24. Dezember geboren wurde?
Opa: In der Bibel steht nicht, an welchem Tag genau Jesus geboren wurde. Das Feiern des Weihnachtsfestes hat sich auch erst etwa 300 bis 400 Jahre nach der Geburt Jesu entwickelt, als das Christentum im Römischen Reich langsam zur Staatsreligion wurde.
Bob: Warum feiern wir dann an diesem Tag?
Opa: Man vermutet, dass das Weihnachtsfest das heidnische Fest der Wintersonnenwende ablöste. An diesem Tag, an dem die Nächte kürzer und die Tage wieder länger werden, konnte auch die Symbolik des Lichtes von den Christen umgedeutet werden: Für sie war Jesus nun das „Licht der Welt“, das „wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9). Wisst ihr, warum Jesus in Bethlehem geboren wurde und nicht in Nazareth, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hat?
Lilly: Ja, natürlich! Alle Einwohner des Römischen Reiches mussten sich in ihren Heimatstädten in Steuerlisten eintragen lassen.
Opa: Sehr gut. Das war übrigens ein perfekter Trick des Kaisers, um sich zu bereichern: Wenn nämlich der Besitzer eines Hauses oder eines Ackers nicht kam und sich in die Steuerliste eintrug, fiel der ganze Besitz an den Kaiser.
Bob: Oh! Deshalb musste Josef mit seiner schwangeren Frau diese Reise machen!
Lilly: Wie lange mussten Josef und Maria denn laufen?
Opa: Sie zogen von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem in Judäa. Nazareth liegt im nördlichen Galiläa und Bethlehem etwa zehn Kilometer südlich von Jerusalem, das heißt für die Strecke von etwa 130 Kilometern müssen sie mindestens zehn Tage gelaufen sein, mit Ruhetagen vielleicht sogar 13 oder 14 Tage. Vielleicht hatten sie einen Esel dabei, auf dem Maria sitzen konnte. Ansonsten müssen sie aber alles zu Fuß zurückgelegt haben, denn Autos gibt es ja erst seit dem 19. Jahrhundert.
Bob: Auf dem Rücken eines Esels ist es aber wackelig: Da hat's das Baby in Marias Bauch bestimmt ganz schön durchgeschüttelt!
Opa: Ja, das war sicher keine angenehme Reise. Sie mussten auch viele Berge überwinden. Die Landschaft in Galiläa war sehr hügelig und ging erst im Süden Judäas in eine ruhige Ebene über. In dieser Gegend wurden die Häuser oft über Höhlen gebaut. Der obere Teil des Hauses wurde von der Familie bewohnt, darunter befand sich die Grotte für die Tiere und auf dem Flachdach des Hauses wurde oft ein kleiner Raum angebaut, der auch als Gästezimmer diente. Vor diesem Hintergrund wird es auch verständlich, warum Jesus in einem Stall oder einer Höhle geboren wurde.
Lilly: Weiß man, an welcher Stelle Jesus geboren wurde?
Opa: Seit dem ersten Jahrhundert wurde der Geburtsort Jesu ununterbrochen verehrt, obwohl die Römer alles taten, um diesen Kult zu unterbinden. Sie bauten dort sogar einen heidnischen Tempel. Im vierten Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin auf Wunsch seiner Mutter Helena dann an dieser Stelle eine prächtige Kirche errichten, die sogenannte Geburtsbasilika. Im Untergeschoss der fünfschiffigen Kirche befindet sich die eigentliche Geburtsgrotte. Ein 14-zackiger silberner Stern, der im 18. Jahrhundert auf der Mittelachse des Gebäudes angebracht wurde, markiert heute den vermuteten Geburtsort. Die 14 Zacken des Sterns erinnern an die 14 Generationen im Stammbaum Jesu vom babylonischen Exil bis zu seiner Geburt.
Lilly: In der Weihnachtszeit ist dieser Ort bei den Pilgern besonders beliebt, oder?
Opa: Oh ja! Dann wird der Platz, auf dem auch die Geburtskirche steht, mit einer fast lebensgroßen Krippe und einem riesigen Weihnachtsbaum geschmückt. Am 24. Dezember findet dort die größte öffentliche Weihnachtsfeier statt, die vom Fernsehen in alle Welt übertragen wird. Auch die Weihnachtsfeiern der orthodoxen und armenischen Kirche werden auf Großbildschirmen übertragen. Doch viel wichtiger als die verschiedenen Weihnachtstraditionen oder der Ort des Weihnachtsfestes ist, dass an Weihnachten Jesus in unseren Herzen geboren wird. Der Dichter Angelus Silesius (1624-1677) schrieb 1674 passend dazu: „ … und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du wärest ewiglich verloren.“
Bob: Dann ist Jesus wie mein Kugelschreiber mit Taschenlampenfunktion: Er will meine Lebensgeschichte mit mir schreiben und mein Herz mit seinem Licht erhellen!
Opa: Das hast du aber schön gesagt, dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.
Der Sinn von Weihnachten, Feature für Eltern
Der Sinn von Weihnachten erschließt sich nicht im glitzernden Winterwald. Und doch ist die Zeit, in der das natürliche Jahr in tiefe Dunkelheit gehüllt ist und auf Licht und Wärme wartet, sehr gut geeignet, uns zu dem Ort hinzuführen, von dem das Johannesevangelium sagt: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Joh 1,5) Dass es in aller Welt und allen Biographien hell wird, weil da ein Kind in der Krippe liegt, das ist verrückt. Es geht uns gegen den Strich, weil wir der Finsternis – dem Defätismus, der Skepsis, dem Unglauben – mehr trauen als Gott, der alles kann – auch einen universalen Lichtschalter anzuknipsen. Wer glaubt, macht einen Sprung; er sieht das Kind und hört die Engel singen und weiß plötzlich: Alle Finsternis in aller Welt und allen Herzen zusammen kann dieses eine Licht nicht löschen. Es ist da. Es ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Hätten sich Tolstoi oder Balzac mit einer Flasche Rotwein hingesetzt, um Weihnachten zu erfinden – darauf wären sie im Leben nicht gekommen: Eine asoziale Menschwerdung Gottes im Futtertrog ... Absurd! Die Weihnachtsgeschichte ist derart gegen jeden Strich romanhafter Erwartung gebürstet, dass sie… – nun was? – dass sie schlicht und einfach das „Aroma“ der Wahrheit ausstrahlt. Gott gibt sich so in die Welt, dass alle Denkfabriken der Welt zusammen ihn nicht gescannt bekommen, die Augen der Liebe ihn aber entdecken. Das Kind in der Krippe leuchtet ein, – es ist das, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“. (1. Kor 2,9) (Bernhard Meuser)
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