Hast du dir schon einmal überlegt, wie klein ein Mensch wäre, wenn man ihn neben die riesige Kugel der Erde stellen würde? Viel, viel kleiner noch als eine Ameise neben einem großen Felsblock! Die Welt ist riesig und trotzdem ist sie im Weltall nur ein kleiner Planet, der um die Sonne kreist. Die Sonne wiederum ist eine von Milliarden und Abermilliarden Sonnen des Universums. Forscher finden immer wieder neue Dinge heraus, die uns zeigen, wie groß und unermesslich das Universum ist. So viel Größe um uns herum – da kann einem nur schwindelig werden!
Und Gott? Der ist tatsächlich noch größer als die Erde, das Universum und alles, was es überhaupt gibt. Gott ist so groß, dass er nicht in den Kopf und in die Gedanken von uns Menschen hinein passt. Wenn wir uns nicht einmal das Universum mit unserer ganzen Vorstellungskraft und Fantasie ausmalen können, dann wie viel weniger den, der es geschaffen hat: Gott.
An Weihnachten feiern wir ein ganz und gar verrücktes Fest: Gott ist einer von uns Menschen geworden. Nochmal einen Schritt zurück: Gott ist größer als die unvorstellbare Größe des Universums – und das ist er, sonst wäre er nicht Gott. Gott hat nicht nur unsere Erde, sondern das ganze Universum gemacht und er erhält es jeden Tag. Dieser Gott ist einer von uns Menschen geworden. Nicht auszumalen, wie klein er sich dafür machen muss! Gott, der nicht in unsere Gedanken hineinpasst, hat sich vor gut 2000 Jahren einen Menschen unserer Erde ausgesucht – das war Maria –, um in ihr als Mensch heranzuwachsen. Erst wuchs er neun Monate in ihrem Bauch heran und dann kam er auf die Welt. Das war vor 2024 Jahren. Er war, wie alle Menschen, ein schreiendes kleines hilfloses Baby. Nach der Geburt wurde das Baby gewickelt, Maria gab ihm Milch mit ihrer Brust und dann legte sie es schlafen. Maria und ihr Mann Josef nannten das Baby Jesus. Jesus war Gottes Sohn, er war Gott.
Gott wurde einer von uns und ist uns auf diese Weise ganz nah gekommen. So konnte er uns zeigen, wie lieb er uns Menschen hat und wie wichtig wir ihm sind: Er hat seine eigene Größe nicht für wichtig genommen. Er hat sich nicht gescheut, zu frieren, Hunger und Schmerzen zu erleiden. Es ist ein unfassbares Geschenk für uns Menschen, dass wir Gott nicht egal sind, sondern dass Gott sich ganz und gar um uns kümmert und sogar zu uns gekommen ist. Weil Gott uns mit sich selbst beschenkt hat, deshalb schenken auch wir uns an Weihnachten gegenseitig etwas. Dazu erzähle ich dir jetzt eine kleine Geschichte:
Das größte Geschenk
Theresa und Raffael warteten ungeduldig in ihrem Zimmer. „Wann klingelt es endlich?“, fragte Raffael und schielte durch das Schlüsselloch „Vielleicht hat sich das Christkind im Tag geirrt!“ „Unmöglich“, antwortete Theresa „das Christkind weiß doch alles!“ „Ich hoffe, ich bekomme endlich den ferngesteuerten Laster, den ich mir schon ewig gewünscht habe!“ „Und ich“, gab Theresa zurück „das wunderschöne Elsa-Kostüm, das ich auf den Wunschzettel ganz oben geschrieben habe. Ich habe es extra rot unterstrichen.“ Da hörten die beiden endlich das ersehnte Glöckchen. Sofort stürmten sie los in Richtung Wohnzimmer. Wunderschön sah alles aus, die Kerzen, die Lichter und bunten Kugeln am Baum, die Krippe mit den vielen Engeln. Den beiden schlug das Herz höher.
Während Papa die Weihnachtsgeschichte vorlas, blickten Raffael und Theresa im Raum herum. Wo waren die Geschenke? Ein einziges, dafür aber wirklich riesiges Geschenk stand in der Ecke neben dem Christbaum. Was es damit auf sich hatte? Kaum hielten die beiden Kinder es noch aus, gemeinsam mit Mama und Papa „Zu Betlehem geboren“ zu singen, so gespannt waren sie. Schließlich durften sie loslegen. Aufgeregt begannen sie, erst die Schleife und dann das Papier von dem ungeheuer großen Paket zu entfernen. Sie hoben den Deckel an und was kam darunter zum Vorschein? Wieder ein Geschenk etwas kleinerer Größe! Sie packten es aus und hoben den Deckel an – es war noch mal ein etwas kleineres Geschenk drin.
„Langsam verstehe ich das Prinzip“, sagte Raffael mit einem Anflug von Enttäuschung. Die Gesichter der Kinder wurden länger und länger, je kleiner die Schachteln wurden.
Das Geschenk mit neuen Augen sehen
Zuletzt hoben sie den Deckel der letzten Schachtel an. Darin war auf Stroh gebettet das Jesuskind aus der Krippe. Jetzt sahen sie erst, dass die Figur in der aufgestellten Weihnachtskrippe noch gefehlt hatte. Raffael sagte enttäuscht: „Ist das alles?“ Theresa hatte mit den Tränen zu kämpfen, weil sie sich so auf ihr Kostüm gefreut hatte. Mama und Papa fragten: „Warum meint ihr denn, hat das Christkind euch dieses Jahr nicht eure Wünsche erfüllt?“ Da verstand Raffael plötzlich: „Halt mal, das ist es ja genau, was wir an Weihnachten feiern! Dass Jesus sich uns selber schenkt!“ Auch Theresa begann, das Geschenk mit neuen Augen zu sehen. „Ist es nicht das allergrößte Geschenk überhaupt, dass Gott an Weihnachten zu uns Menschen gekommen ist?“
Mama sagte: „Schaut: Das Christkind wollte euch nur mal wieder zeigen, dass es letzten Endes nicht auf tolle Geschenke ankommt. Es kommt darauf an, dass Gott uns lieb hat und dass wir uns lieb haben. Und weil wir euch lieb haben, haben wir für euch auch noch etwas Kleines besorgt.“ Papa griff in das oberste Fach des Wohnzimmerschrankes und zog zwei Geschenke hervor. Eines für Theresa und eines für Raffael.

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