Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinderkatechese

Bist du ein Nikolaus?

Gott kann auch durch uns wirken, so wie er vor vielen hundert Jahren durch den heiligen Nikolaus gewirkt hat. Gehen wir mit offenen Augen durch den Advent!
Heiliger Nikolaus
Foto: Josefine Winkler | Der heilige Nikolaus teilte seinen Reichtum mit den Armen. Daher rührt der Brauch, dass der Nikolaus auch uns noch am 6. Dezember mit den einen oder anderen Dingen im Stiefel oder Schuh überrascht!

Eigentlich fällt vielen das Aufstehen morgens schwer. Aber kennt ihr das auch? Am Nikolaustag kann man es nicht erwarten, die warmen Federn zu verlassen, die Treppe hinunterzurennen und zu schauen, was der Nikolaus wohl dieses Jahr gebracht hat. Aber warum ist der heilige Nikolaus so besonders? Was ist in seinem Leben alles geschehen? Und welche Traditionen haben wir ihm zu verdanken? 

Lesen Sie auch:

„Gab es den heiligen Nikolaus wirklich?“, fragt ihr euch vielleicht. Ja, und ob! Der Bischof Nikolaus lebte vor ganz langer Zeit. Im Jahr 300 nach der Geburt Christi wurde er in der heutigen Türkei geboren. Sein Onkel, der übrigens auch schon Nikolaus hieß, war Bischof von Myra. Er weihte seinen Neffen Nikolaus mit nur 19 Jahren zum Priester! Später wurde er ebenfalls Bischof. Das muss wohl ein besonderer junger Mann gewesen sein! Er war eine der ersten Personen, die nicht heiliggesprochen wurden, weil sie als Märtyrer für Jesus gestorben sind, sondern einfach, weil er sein Leben mit so viel Liebe zu Gott und den Menschen gelebt hat. 

Nikolaus, der Wundertäter

Über den heiligen Nikolaus gibt es ganz viele Geschichten, von denen ihr sicher schon einige kennt! Eine sehr bekannte Geschichte erzählt, wie er nach dem Tod seiner Eltern deren ganzes Vermögen erbte. Auf einmal war er ein reicher Mann! Doch er behielt das Geld nicht für sich. Nikolaus bekam mit, dass es in der Nachbarschaft eine Familie mit drei Töchtern gab. Damals konnten junge Frauen nur heiraten, wenn sie einiges an Geld und Habseligkeiten mit in die Ehe brachten. Nun war die Familie dieser drei Töchter aber arm und so war es dem Vater nicht möglich, seine Kinder glücklich zu vermählen. Davon hörte Nikolaus und er wollte helfen. Heimlich stieg er nachts auf das Hausdach der Familie und ließ einen Beutel mit Goldmünzen durch den Kamin fallen. Und nicht nur einmal, sondern drei Nächte lang – für jede der Töchter einen. Das Geld, was er von seinen Eltern geerbt hatte, behielt er nicht für sich, sondern verschenkte es. Daher rührt der Brauch, dass der Nikolaus auch uns noch am 6. Dezember mit den einen oder anderen Dingen im Stiefel oder Schuh überrascht! 

Es gibt eine Geschichte, die euch vielleicht noch nicht so bekannt ist: Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, beim heiligen Nikolaus versprochen, das Geld pünktlich zurückzugeben. Aber er tat es dann nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung zum Schwur kam, benutzte der Christ einen Trick: Er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei hatte. Dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann den Stab wieder und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Dieser Trick wurde später von anderen entdeckt, die den Christen dann wieder vor das Gericht brachten. Damals waren die Strafen sehr hart. So wurde der Mann wegen seines Betrugs zum Tode verurteilt. So starb er und nun sollte der Jude sein Geld zurückerhalten. Der Jude aber zeigte sich großzügig: Er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke. Dies geschah dann auch, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.

Ein spannender Brauch aus dem Mittelalter

 Von solchen Wundern wird viel berichtet. So rettete Nikolaus Seeleute vor dem Schiffsbruch, sorgte bei einer Hungersnot dafür, dass die Bewohner von Myra genug zu essen hatten und rettete ein Kind wundersam vor dem Ertrinken. Im Mittelalter gab es einen spannenden Brauch. Auch da haben die Kinder schon den heiligen Nikolaus gefeiert. In den Klosterschulen war es üblich, dass eines der Kinder für einen Tag zum Bischof gewählt wurde. Dieses Kind durfte dann einen Tag lang Bischof spielen! Das gewählte Kind hat sich verkleidet und ist mit Bischofsgewand, einer Mitra und mit seinem Bischofsstab durch die Schule spaziert. Und es hat an dem Tag die Gebete geleitet und sollte sich durch beispielhaftes Verhalten auszeichnen. Es sollte so wie Nikolaus sein. 

Wenn wir die Freunde, Gemeindemitglieder und Bewohner von Myra interviewen könnten, wie der Nikolaus denn so war, würden sie uns sicher berichten, dass er ein ganz großzügiger Mensch war. Er kümmerte sich immer um die Menschen, die arm waren. Er hatte stets ein offenes Ohr für die Bedürfnisse anderer, er half, wo er konnte. Er war ein Mann, der Gott mit seinem ganzen Herzen liebte. Und wie wir bei den Wundergeschichten gesehen haben, waren Gott und er ein gutes Team! Nikolaus hat seinen Teil getan, um die Nöte der Menschen zu lindern und Gott hat ihm geholfen und Unmögliches möglich gemacht. 

Nun wirst du in deiner Schule wohl kaum für einen Tag zum Bischof gewählt werden, aber ein bisschen so leben wie Nikolaus kannst du auch! In deinem Umfeld. Wir können auch etwas weiterschenken und teilen mit denen, die weniger haben. Wir können auch mit offenen Augen durch die Welt gehen und entdecken, wo wir anderen helfen können. Und weißt du was? Wenn ein Mensch sich bemüht, in seinem Leben das Gute zu tun, hat er Gott auf seiner Seite, der mitwirkt – so wie bei Nikolaus!

Bereit für eine Adventsmission?

Nikolaus feiern wir jedes Jahr in der Adventszeit. Der Advent ist auch eine Zeit, in der wir entdecken und uns daran freuen dürfen, wie Gott sich um uns Menschen kümmert. Überleg mal, was es alles für Dinge gibt, für die du dankbar bist. Da fallen dir sicher so einige ein. Und manchmal wird dies auch in der Fürsorge anderer Menschen, (durch die Gott wirkt), wirklich und erfahrbar. So kann Gott zum einen durch uns wirken, aber wir können auch entdecken, wie er in uns durch andere Menschen wirkt.

Zum Schluss noch etwas Kurioses. Weißt du, welche Sorte von all den Weihnachtsplätzchen, die wir kennen, der heilige Nikolaus inspiriert hat? Es ist der Spekulatius! Im Lateinischen heißt der Bischof, und der heilige Nikolaus war ja ein ebensolcher, auch „speculator“. In den Niederlanden wurde damals am Vorabend des Nikolausfestes Spekulatius gebacken und verschenkt. Und viele der Spekulatius-Motive gehen auch auf den heiligen Nikolaus zurück. Da kannst du mit deiner Familie rätseln. Was haben wohl Schiffe und Seefahrermotive, Maultiere und Pferde mit dem heiligen Nikolaus zu tun?

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen

Themen & Autoren
Raphael Ballestrem Bernadette Ballestrem Bischof Christen Jesus Christus Juden

Weitere Artikel

Wieso die christlichen Kinder in Gaza trotz allem keinen Hass hegen, Ordensleute bleiben und er Hoffnung hat, berichtet Dormitio-Abt Nikodemus Schnabel OSB aus Jerusalem im Gespräch.
18.09.2025, 19 Uhr
Elisabeth Hüffer
Jeder Mensch hat seinen Engel, der ihn im Leben beschützt. Manchmal macht er sich deutlich bemerkbar. Zum Beispiel beim Pilgern. Ein Erfahrungsbericht.
01.11.2025, 19 Uhr
Katharina Achammer
Vor gut 100 Jahren sann der Philosoph Walter Benjamin über das geheimnisvolle Wesen Neapels nach. Seine Stadtbetrachtungen lassen sich auch als Diagnose unseres irdischen Daseins lesen
10.01.2026, 17 Uhr
Theo Hoenhorst

Kirche

Positionspapier zur Rettung der Kirchenmusik, das es in sich hat: Der Deutsche Musikrat beschämt die Kirche mit Kritik an ihrem Musikleben. Zwischenruf einer Kirchenmusikerin.
23.01.2026, 16 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Von Favoriten bis Kompromisskandidaten für den Posten des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe: Ein Überblick über Chancen und Profile.
22.01.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Journalist Franz Herre schrieb große Biografien. Einen besonderen Blick warf er auf Konrad Adenauer. Mit fast 100 Jahren ist der Katholik nun gestorben.
23.01.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
21.01.2026, 10 Uhr
Meldung