Vor etwa 950 Jahren lebte in der spanischen Stadt Madrid ein einfacher Landarbeiter namens Isidor. Er hatte keine Bildung und kein Vermögen und bestellte für einen reichen Gutsbesitzer die Felder, säte und erntete. Dieses scheinbar unbedeutende Leben ist bis heute ein Vorbild für viele, aus einem bestimmten Grund: Isidor setzte Gott in allem, was er tat, immer an die erste Stelle.
Isidor stand jeden Morgen vor Sonnenaufgang auf und ging zuerst zur Messe, bevor er seine Feldarbeit begann. Die anderen Knechte beschwerten sich darüber, dass er bete, während sie arbeiteten. Der Gutsbesitzer ging der Sache nach – und soll etwas Erstaunliches beobachtet haben: In seiner Abwesenheit pflügten Engel für Isidor das Feld.
Wie ein guter Freund
Bekannt war er auch für seine Freigebigkeit. Er teilte sein Essen mit Armen, selbst wenn er kaum genug für sich selbst hatte. Einmal soll er unterwegs einem Schwarm hungriger Vögel sein Getreide hingestreut haben. Die Leute lachten ihn aus. Als er ankam, war sein Sack trotzdem noch voll – Gott hatte nachgefüllt.
Seine Frau Maria und sein Sohn Illán wurden später beide ebenfalls heiliggesprochen. Eine heilige Familie, die gemeinsam einfach und im Vertrauen auf Gott lebte. Isidor starb um das Jahr 1130. Fast fünfhundert Jahre später, im Jahr 1622, sprach Papst Gregor XV. ihn heilig – am selben Tag übrigens wie Ignatius von Loyola und Franz Xaver, zwei der bekanntesten Heiligen der Kirchengeschichte. Und mittendrin: ein Feldarbeiter aus Madrid.
Isidor ist Schutzpatron der Bauern und Landwirte sowie der Stadt Madrid. Heute, am 15. Mai, feiert die Kirche seinen Gedenktag. Ein guter Anlass, um über Schutzpatrone nachzudenken – und darüber, was sie mit uns zu tun haben.
Stell dir vor, du hast einen richtig guten Freund. Jemanden, der immer für dich da ist, der zuhört, wenn du Sorgen hast, und der dich versteht – auch wenn du selbst nicht weißt, wie du erklären sollst, was dich gerade beschäftigt. Jemanden, der schon vieles erlebt hat und trotzdem nie aufgehört hat zu glauben. So einen Freund wünscht sich doch jeder, oder?
In der katholischen Kirche haben wir sogar ganz viele solcher Freunde – die Heiligen. Unter ihnen gibt es einige, die für bestimmte Menschen, Berufe oder Orte eine besondere Aufgabe übernommen haben. Wir nennen sie Schutzpatrone.
Das Wort „Patron“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Fürsprecher“ oder „Beschützer“. In der Römerzeit war ein Patron ein mächtiger Mann, der schwächere Menschen unter seinen Schutz nahm und für sie sprach, wenn sie allein nicht gehört worden wären.
Die Kirche hat dieses Bild von Anfang an aufgegriffen und auf die Heiligen übertragen. Heilige sind nicht einfach Menschen aus der Vergangenheit – sie leben bei Gott. Sie kennen unser Leben, weil sie selbst gelebt haben – mit allen Freuden und Schwierigkeiten, die das mit sich bringt. Und jetzt, in der Gemeinschaft mit Gott, können sie für uns eintreten, so wie ein guter Freund sich für uns einsetzt. Wir können sie bitten, für uns einzustehen und unsere Anliegen zu Gott zu tragen. Das ist kein Umweg – es ist so, als würdest du jemanden bitten, ein gutes Wort für dich einzulegen.
Alle, die zu Gott gehören – wir Lebenden auf der Erde, die Verstorbenen im Himmel, die Seelen im Fegefeuer –, sind miteinander verbunden. Die Kirche nennt das die „Gemeinschaft der Heiligen“. Wie eine große Familie, über alle Grenzen von Zeit und Tod hinaus.
Die Praxis, bestimmte Heilige als Schutzpatron zu verehren, ist uralt. Schon in den ersten Jahrhunderten des Christentums pilgerten Gläubige zu den Gräbern der Märtyrer – also jener Menschen, die für ihren Glauben gestorben waren. Man glaubte: An diesen Orten ist Gott besonders nah.
Wenn eine Kirche oder ein Dorf über dem Grab eines Heiligen gebaut wurde, galt dieser Heilige ganz natürlich als Schutzpatron des Ortes. Handwerker, Bauern, Fischer und Kaufleute wählten sich Heilige als Patrone, deren Lebensgeschichte zu ihrem eigenen Alltag passte: Kamillus de Lellis, der als Krankenpfleger gearbeitet hatte, wurde zum Schutzpatron der Kranken. Die heilige Elisabeth von Thüringen, die sich den Armen gewidmet hatte, wurde zur Patronin der sozialen Berufe.
Im Mittelalter blühte diese Praxis richtig auf. Fast jede Berufsgruppe, jede Stadt, jedes Land hatte Schutzpatrone. Und so entstand im Laufe der Jahrhunderte ein riesiges Netz von Heiligen-Patenschaften – eine Art himmlisches Netzwerk, das die Erde mit dem Himmel verbindet.
Dein Schutzpatron und du
Übrigens: Wusstest du, dass auch du einen persönlichen Schutzpatron hast? Vielleicht haben deine Eltern dich bewusst nach einem Heiligen benannt – deinem Namenspatron. Auch der Heilige, dessen Gedenktag auf deinen Geburtstag fällt, ist dein ganz persönlicher Patron. Weißt du, wer das bei dir ist?
Eine Idee für zu Hause: Schau gemeinsam mit deinen Eltern nach, wer dein Schutzpatron ist. Lies seine Geschichte. Und dann probiert einmal aus, ihn anzurufen – an einem schwierigen Tag, vor einer Prüfung, wenn ihr Streit hattet oder euch Sorgen macht … oder auch einfach nur so, wie wenn man mit einem engen Freund spricht. Deshalb brauchen es auch keine komplizierten Worte zu sein: „Heilige ... Heiliger ... – bitte für mich, dass ich heute höre, was Gott von mir will und lebe, wie es ihm gefällt.“
Das Gebet darf ganz einfach sein – wie das Leben des heiligen Isidor. Er hat einfach seinen Alltag gelebt – und Gott dabei nicht vergessen. Das ist vielleicht das Größte, was uns dieser einfache Bauer aus Madrid lehrt: Heiligkeit passiert nicht irgendwo anders, nicht in Klöstern oder Kathedralen allein. Sie passiert auf dem Acker, in der Küche, auf dem Schulweg, im Klassenzimmer. Überall dort, wo Menschen treu und liebevoll das tun, was vor ihnen liegt. Heute, an seinem Gedenktag, wollen wir ihn bitten: Heiliger Isidor, hilf uns, unseren Alltag so zu leben wie du – mit Fleiß, mit Großzügigkeit und mit Vertrauen auf Gott.
Die Autorin ist Betriebswirtin, Kinderkatechetin und führt ihr eigenes Familienunternehmen mit drei kleinen Mitarbeitern.
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