Wisst ihr, warum ihr am 1. Mai schulfrei habt? Genau, es ist der „Tag der Arbeit“. Die katholische Kirche nennt diesen Tag aber anders: Wir feiern nicht „die Arbeit“, sondern den Gedenktag von Josef, dem Arbeiter. „Schon wieder ein Tag zur Ehre des heiligen Josef?“, fragt ihr euch nun wahrscheinlich. War nicht erst am 19. März sein Hochfest? Genau. Der heilige Josef war ein ganz bedeutender Mann für die Kirche. Gläubige auf der ganzen Welt rufen ihn bei schwierigen Anliegen in tiefem Vertrauen an. In der heiligen Messe wird zusammen mit der Gottesmutter Maria der heilige Josef genannt, der Bräutigam der Jungfrau Maria und Nährvater Jesu Christi.
Aber warum feiern wir nun auch noch Josef, den Arbeiter? Wahrscheinlich wisst ihr, dass der Stiefvater von Jesus schweigsam war. Die Bibel überliefert kein einziges Wort von ihm. Wir lernen ihn durch sein Hören auf Gottes Wort und durch seine Taten kennen. Sicher ist er enttäuscht, als er merkt, dass seine Verlobte Maria schwanger ist – und offensichtlich nicht von ihm. Weil er ein gerechter Mann ist, beschließt er, sich in aller Stille von ihr zu trennen, um sie vor der Bestrafung durch das damals sehr strenge Gesetz zu schützen. Der Evangelist Matthäus berichtet: „Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.“ Josef glaubt und gehorcht. Er nimmt Maria zu sich und hütet ab da seine Braut und das Kind, das der Retter der Welt ist.
Das Baby Jesus ist in großer Gefahr
Bald darauf muss das Paar zur Erfassung in Steuerlisten in Josefs Heimat nach Betlehem reisen. Obwohl Josef nirgends einen Platz in den Herbergen finden kann und Maria kurz vor der Geburt steht, verlässt ihn nicht der Mut. Er führt seine Braut in eine Höhle, in der sonst Hirten Schutz suchen. Staunend wird er Zeuge der Geburt Jesu, der Anbetung der Hirten und der heiligen drei Könige. Bald warnt ihn ein Engel im Traum vor König Herodes, der alle männlichen Kinder umbringen will, weil er fürchtet, von einem neuen König vom Thron gestoßen zu werden.
Könnt ihr euch vorstellen, wie beängstigend das war? Wieder gehorcht Josef: Er flieht mit Maria und dem Baby nach Ägypten, wo sie sich eine Zeit lang vor Herodes verstecken. Wovon lebt die kleine Familie? Matthäus schreibt, Josef sei von Beruf Zimmermann – er benutzt das griechische Wort „Tekton“ – das bedeutet Baumeister; also jemand, der alle Tätigkeiten beim Hausbau ausführt. In der Bibel finden wir keine Beschreibung seiner Arbeit, aber bei einer armen Heiligen können wir vielleicht eine Ahnung davon bekommen. Anna Katharina Emmerick aus dem Münsterland erhielt schon als kleines Mädchen von Gott eine Gabe. Sie sah Jesus, Maria und die Heiligen und erlebte Geschehnisse der Bibel, als wäre sie selbst ganz nah dabei. Ihr ganzes Leben lang, als arme Dienstmagd, als kleine Nonne, später krank und aus dem Kloster verbannt, schaute sie wundervolle Visionen.
Ein berühmter Schriftsteller schrieb alle auf, damit Menschen wie du und ich sie später lesen können. Anna Katharina sah in einer Vision die Heilige Familie in Ägypten in einer halb zerstörten Stadt Zuflucht finden. Sie beschreibt, wie der heilige Josef in einer Ruine eine Wohnung für Maria und das Kind einrichtet, wie er Zwischenwände in den Raum baut und dass der Esel, der sie getragen hat, bei der Familie lebt. Wie viel Mühe bereitet es Josef wohl, mit seiner Arbeit für Maria und das Jesuskind zu sorgen?
Vielleicht war Josef Baumeister
Nach dem Tod des bösen Königs Herodes sprach erneut ein Engel im Traum zu Josef: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.“ Der Evangelist Matthäus schreibt weiter: „Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazareth nieder.“
Manche Forscher vermuten, dass Josef als Baumeister auf einer Großbaustelle in der Nähe von Nazareth arbeitete. In der Bibel finden wir wenige Geschichten aus der Jugend Jesu, aber Markus schreibt, dass Jesus den Beruf seines Stiefvaters erlernt. Wenn ihr einmal in das Heilige Land reist und nach Nazareth kommt, findet ihr unter der Kirche des heiligen Josef eine Ausgrabungsstätte, die „Haus von Josef und Maria“ oder auch „Haus der Kindheit Jesu“ genannt wird. Dort ist auf einem Mosaik die Heilige Familie dargestellt: Josef mit einem Balken, Maria beim Brotbacken und Jesus als junger Mann.
Über den jungen Jesus wissen wir relativ wenig. Nur der Evangelist Lukas erzählt, wie Maria und Josef den zwölfjährigen Jesus auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem aus den Augen verlieren und erst nach drei Tagen im Tempel in Jerusalem mitten unter den Schriftgelehrten wiederfinden. Sie machen ihm Vorwürfe und verstehen nicht recht, wenn er erwidert, er müsse doch im Haus seines Vaters sein. Lukas schreibt: „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam.“
Verborgenes Leben in der Liebe
Wie können wir uns dieses Leben im Gehorsam vorstellen? Wohl am besten als Abbild des Gehorsams seines Ziehvaters Josef, der immer auf Gott hört. Josef folgt treu seinem Auftrag, dem Sohn Gottes als irdischer Vater zu dienen. Er bildet Jesus aus, behütet ihn und begleitet sein menschliches Heranwachsen. Bevor Jesus sich den Menschen offenbart, lebt er ein verborgenes Leben in der Liebe und Geborgenheit der Heiligen Familie. Er gehorcht den Eltern und erlernt von Josef sein Handwerk. Dieses verborgene Leben kann auch uns Christen eine Inspiration sein. Die meisten von uns leben verborgen im Alltag in unserer Familie. Unsere täglichen Aufgaben finden wir nicht immer toll. Kennt ihr das? Manchmal ist es wirklich mühsam.
Eure Eltern müssen lästige Arbeiten verrichten, kaufen ein, kochen… und niemand dankt dafür. Ihr Kinder habt in der Schule viele Mühen beim Lernen und manchmal erhaltet ihr vielleicht trotzdem kein Lob. Aber wir dürfen unsere Mühen verwandeln in Gebete zu Gott. Erwachsene können versuchen, ihre Arbeit so gut wie möglich mit Liebe zu verrichten. In der Schule können wir fleißig lernen und den Mitschülern, die es schwer haben, helfen. Wir dürfen unserer Familie im Gehorsam mit guter Laune dienen, und auch unseren Freunden, indem wir ihnen Freude schenken. All dies können wir für Gott tun und ihm vertrauensvoll unsere Mühen und Schwierigkeiten übergeben. Genau wie der heilige Josef, der Arbeiter und Nährvater Jesu es getan hat.










