Gehörst du auch zu den Kindern, die Jesus gern einmal sehen würden – so richtig, mit Augen, Ohren und allem? Dann könnte man direkt mit ihm sprechen, oder? Die gute Nachricht ist: Du musst ihn gar nicht sehen, um ihn hören zu können. Die Kirche spricht darüber leider nur selten.
Viele Kinder lernen Gebete auswendig, vielleicht erzählen sie Gott auch etwas. Aber nur wenige lernen, still zu sein und hinzuhören, was Gott ihnen sagen möchte. Das ist so, als würdest du deiner Mama etwas erzählen, aber nie zuhören, wenn sie antwortet. Das würde das Zusammenleben etwas schwierig machen, meinst du nicht?
Am Anfang war das nicht so: Adam und Eva lebten ganz nah bei Gott. Sie konnten ihn hören und mit ihm sprechen wie Kinder mit ihrem Vater. Doch dann sündigten sie und zwischen ihnen und Gott tat sich eine Kluft auf. Sünde führt immer von Gott weg. Das ist als stünde plötzlich eine Mauer zwischen Gott und Mensch und als wären die Ohren verstopft. Durch die Sünde von Adam und Eva jedenfalls hat der Mensch das Hören auf Gott ein Stück weit verlernt.
Schafe erkennen die Stimme ihres Hirten
Aber Gott hat nicht aufgehört zu sprechen. Im Alten Testament konnten nur einige Propheten Gottes Stimme hören. Sie gaben Gottes Worte an die Menschen weiter. Seit der Heilige Geist auf die Jünger herabgekommen ist, kann jeder Christ lernen, auf Gottes Stimme zu hören. Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz, seine Auferstehung und das Geschenk des Heiligen Geistes den Weg zu Gott wieder freigemacht. Dabei ist es egal, ob du mit Gott oder Jesus sprichst. Denn wer Jesus hört, hört Gott.
Jesus ist Gottes geliebter Sohn, sagte Gott aus einer leuchtenden Wolke, in die Jesus gehüllt wurde, als er mit den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg Tabor war. Und er fügte hinzu: „Auf ihn sollt ihr hören!“ Er sagte nicht: „Bewundert ihn“ oder „folgt seinen Taten“. Sondern: „Hört auf ihn.“
Wie das geht, erklärt uns Jesus selbst: „Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich“, heißt es im Johannesevangelium. Das klingt vielleicht ein bisschen lustig. Warum nennt Jesus uns Schafe? Weil Schafe die Stimme ihres Hirten erkennen. Ein Hirte kümmert sich um seine Schafe, führt sie auf gute Weiden und beschützt sie vor Gefahren. Wenn der Hirte ein neues Schaf hat, trägt er es oft und redet mit ihm. So lernt es seine Stimme kennen und vergisst sie nie wieder.
In einem Buch wird beschrieben, wie wichtig diese Stimme sein kann: Ein Hirte zog mit seiner Herde und fünf fremden Schafen durch ein Tal. Es war sehr neblig, man konnte kaum etwas sehen. Plötzlich hupte ein großer Lastwagen laut an der Straße. Die Schafe erschraken und gerieten in Panik. Sie rannten einfach drauflos, auf den reißenden Fluss zu.
Da rief der Hirte so laut er konnte nach seinen Schafen. Und stell dir vor: Seine Schafe blieben stehen. Instinktiv wussten sie: Das ist unser guter Hirte. Bei dem sind wir sicher. Nur die fünf fremden Schafe rannten weiter, stürzten in den Neckar und ertranken. Sie kannten die Stimme dieses Hirten nicht.
So ist es auch mit Jesus: Wenn du lernst, seine Stimme zu hören, bist du bei ihm sicher und geborgen.
Möchtest du lernen, Jesus zu hören? Geh in die Stille und frag Jesus doch einmal, wo er gerade ist. Vielleicht spürst du, dass er neben dir sitzt oder vor dir steht. Du kannst auch fragen: Jesus, was denkst du gerade über mich? Jesus spricht oft leise. Nicht so wie deine Eltern mit hörbaren Worten, sondern in Gedanken oder inneren Eindrücken. Sprich in Gedanken deinen Namen. So in etwa ist es, wenn Gott spricht. Dabei ist es wichtig, dass du leise und ruhig wirst. Wenn du immer noch ein Lied vor dich hin summst, wirst du Gottes leise Stimme schwer hören können. Werde also innerlich ruhig und höre dann einfach hin. Du musst dich nicht extra anstrengen, lass es geschehen.
Jesu Stimme baut immer auf
Gott kann aber auch durch ein Wort aus der Bibel zu dir sprechen. Wenn du die Bibel liest und ein Wort oder Satz dich irgendwie besonders berührt, dann spricht Gott durch diesen Satz zu dir. Oder aber er spricht durch Menschen zu dir. Dann sind die Menschen seine Boten, durch die er dir etwas sagt.
Ob das, was du hörst, wirklich von Gott ist, erkennst du daran, dass es dich aufbaut, tröstet oder ermutigt. Jesus wird dich nie beschimpfen oder kleinmachen. Wenn er spricht, fühlst du dich geliebt. Er könnte dir zum Beispiel sagen: „Du bist wertvoll“ oder „Ich bin bei dir“ oder „Du bist mein starker Held“ — aber nicht: „Warum hast du dein Zimmer nicht aufgeräumt!?“ oder „Du bist doch gar nichts wert.“
Wenn ein Gedanke dich nur klein und traurig macht, dir jede Hoffnung nimmt, dann kommt er nicht von Jesus. Das können dann Worte sein, die du vielleicht schon einmal gehört hast, oder aber der Teufel will dich entmutigen. Der kann auch Zweifel in dein Herz säen. Dann denkst du vielleicht, dass Jesus doch nicht wirklich so gut über dich denken kann, schließlich streitest du mit deinen Geschwistern oder magst deinen Eltern nicht immer helfen.
Er sieht den Menschen in dir
Dann sollst du wissen: Doch! Genau so gut denkt Gott über dich! Er sieht den Menschen in dir, den Er geschaffen hat — mit all dem Schönen, das er in dich gelegt hat, und möchte, dass es zur Entfaltung kommt. Der Teufel will nicht, dass du das glaubst. Er ist ein Dieb und will das Schöne, das Gott dir gibt, immer wegnehmen. Du kannst ihn getrost ignorieren.
Was der Widersacher auch nicht mag, sind die Sakramente. Denn dort ist Jesus in besonderer Weise da. Er wartet auf dich, um dich zu umarmen und zu beschenken, neu zu machen, zu stärken. In der Beichte nimmt Jesus die Schuld, die zwischen euch steht, weg, damit du Gott wieder besser hören kannst. Die Sakramente sind starke Waffen gegen das Böse. Der Priester ist dabei nur vordergründig da. In Wirklichkeit spricht dort Jesus. Wenn du dich mit der Beichte schwertust, hilft es dir vielleicht, dir vorzustellen, dass Jesus vor dir sitzt.
Doch zurück zum Hören: Fang einfach an. Du kannst ihn hören! Zum Einstieg können dir folgende Fragen helfen: Stell dir vor, dein Herz ist ein Haus. Ist Jesus darin? Wie sieht es aus? Was tut oder sagt er? Stell dir vor, Jesus hält deine Hand. Wohin führt er dich? Gib Jesus deine Wut oder deine Sorgen: Was macht er damit? Was sagt er dir?
Oder aber setz dich einfach hin, warte, bis du spürst, dass Jesus da ist, genieße seine Gegenwart und sei nur aufmerksam. Das hilft, eigenes Reden einmal durch bloßes Hören zu ersetzen und lenkt deinen Blick weg von dir hin zu Jesus. Was auch immer dich beschäftigt oder du Jesus sagen möchtest: Er ist dein Freund und erwartet dich schon — voller Freude!
Die Autorin ist freie Journalistin und Mitglied in der Gemeinschaft Emmanuel. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.
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