Weltfamilientreffen

Beeindruckende Zeugnisse von Eheleuten aus aller Welt

Die Wurzeln für Ehekrisen sind oft schon in der Kindheit zu finden, meint die Psychologin Angelika Glaß-Hofmann im Gespräch. Umso wichtiger ist eine umfassende Ehevorbereitung.
Ehevorbereitung soll intensiviert werden
Foto: Peter Kneffel (dpa) | Die Ehevorbereitung soll intensiviert werden. Angelika Glaß-Hofmann aus dem Bistum Regensburg schildert im Interview Ist - Stand und Perspektiven.

Frau Glaß-Hofmann, Sie waren als Mitglied der deutschen Delegation beim Weltfamilientreffen in Rom. Was ist Ihr Eindruck von dem, was Sie dort erlebt haben?

Es ist schön und beeindruckend, zu sehen, wie viele Menschen aus wie vielen Ländern hierhergekommen sind. Das Programm und der Rahmen ist sehr gut organisiert, die italienische Gastfreundschaft ist überwältigend. Da ist für alles gesorgt, das berührt einen sehr.

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An einem Abend durften wir in eine römische Gemeinde fahren, wo wir ganz herzlich aufgenommen wurden. Das war noch einmal ein besonderes Erlebnis, weil wir da den Menschen noch einmal nähergekommen sind, als das auf dem Kongress möglich war. Gemeinsam mit der österreichischen Delegation und den Vertretern der internationalen Schönstatt-Bewegung waren wir in Ostia Antica, wo wir von Mitgliedern und Familien aus der Gemeinde empfangen wurden. 

Was halten Sie von dem Format des Kongresses?

Wenn man aus Deutschland kommt, ist das etwas Neues. Durch die vielen verschiedenen Zeugnisse ist man sehr nah am Leben dran. Auf der anderen Seite hätte ich mir manchmal gewünscht, dass zwischen den Vorträgen mehr Zeit bleibt, Dinge zu vertiefen und nachzufragen, denn es wurden immer wieder auch Fragen aufgeworfen. Am ersten Abend hat zum Beispiel ein afrikanisches Ehepaar erzählt, wie ihnen unter anderem Gespräche mit einem anderen Ehepaar aus einer tiefen Ehekrise geholfen haben. Als Eheberaterin hätte mich an dieser Stelle einfach interessiert, wie die Begleitung genau aussah. Gleichzeitig ist aber schon auch klar, dass es bei so einem großen Kongress nicht die Möglichkeit gibt, Dinge zu vertiefen. Dafür müsste man das Ganze nochmal eine Woche länger machen. 

Dazu gehört auch die Ehevorbereitung,
denn die Grundlagen für eine gelingende Partnerschaft
werden früher gelegt, eben auch bei der Ehevorbereitung.

Auf dem Kongress wurde immer wieder deutlich, dass mit der Ehepastoral die gesamte Familienpastoral steht und fällt. Wie erleben Sie da die Situation in Deutschland?

Wir haben sehr gute Strukturen für die Ehebegleitung, da rechne ich die Ehe-, Familien- und Lebensberatung dazu, auch wenn das in manchen Bistümern ein stückweit organisatorisch getrennt ist. In Deutschland herrscht da eine hohe Professionalität, auch wenn da natürlich noch Luft nach oben ist. Gerade in die Prävention könnte man noch viel mehr investieren. Dazu gehört auch die Ehevorbereitung, denn die Grundlagen für eine gelingende Partnerschaft werden früher gelegt, eben auch bei der Ehevorbereitung.

Die unmittelbare Ehevorbereitung setzt ja relativ spät an. Wir erleben aber in der Beratung, dass die Wurzeln von Ehekrisen oft in der Kindheit gelegt werden. Je schlechter die biographischen Voraussetzungen, desto größer ist die Herausforderung miteinander durch das Leben zu gehen.

In den neuen Leitlinien zum Ehekatechumenat fordert Papst Franziskus, dass die Ehevorbereitung nicht, wie in Deutschland oft der Fall, nur aus ein oder zwei Treffen mit dem Traupriester bestehen darf.

Das stimmt, aber es ist natürlich auch so, dass viele Paare, die in Deutschland kirchlich heiraten möchten, keinen engen Bezug zur Kirche haben und Ehevorbereitung zunächst nicht als Angebot, sondern eher als Pflicht verstehen. Dabei hat die Kirche so gute Angebote, etwa auch zur Kommunikation oder Konfliktbewältigung. Ich erlebe Paare, die beispielsweise nach einem Kommunikationskurs durch die Kirche sehr dankbar sind. Die Angebote sind häufig zu wenig bekannt und vielleicht müssten wir mehr Energie darauf verwenden, die Angebote bekannter zu machen, auch außerhalb von Kirchenkreisen.

Gleichzeitig könnten wir dann die Nachfrage nicht so leicht bedienen. Schon jetzt haben wir bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Wartelisten.

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Das heißt, es bräuchte auch mehr Personen, die zur Begleitung ausgebildet werden?

Das hieße bei uns, dass es auch mehr Stellen braucht. Da investieren die Bistümer bereits sehr viel Geld. Wir übernehmen ja auch eine gesellschaftlich relevante Aufgabe, die aber nur bis zu 15-20 Prozent von öffentlichen Fördermitteln gedeckt ist.

Müssten Angebote zur Ehebegleitung nicht auch mehr durch Ehrenamtliche passieren?

Das kann ich mir etwa für die Ehevorbereitung sehr gut vorstellen. Für eine professionelle Eheberatung braucht es schon ein fachliches Fundament, da man dort mit einem breiten Spektrum an Problemen, oft auch psychischer Natur, konfrontiert ist. Das kann man durch ein reines Ehrenamt dauerhaft nur schwer händeln. Gleichzeitig wäre vielen Menschen schon dadurch geholfen, dass man ihnen einen Ort gibt, an dem sie sich in Anwesenheit eines unvoreingenommenen, unparteiischen Dritten austauschen können. Sprechen erdet, Probleme benennen zu dürfen, ohne verurteilt zu werden, das ist ein erster Schritt.

Gibt es Anregungen, die Sie für die Familienpastoral nach Deutschland mitnehmen wollen?

Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Leitlinien für das Ehekatechumenat in Deutschland aufgegriffen und umgesetzt werden. 


Angelika Glaß-Hofmann ist Psychologin und leitet die Ehe- Familien- und Lebensberatung im Bistum Regensburg.  Seit November 2021 ist sie Beraterin in der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz .

Lesen Sie weitere Berichte zum Weltfamilientreffen online und in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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