Rom

Weltfamilientreffen: Ehekatechumenat intensivieren

Eine bessere Vorbereitung auf die Ehe durch die Kirche und eine Begleitung des jungen Paares in den ersten Ehejahren, diesen Wunsch trugen Paare auf dem Weltfamilienkongress in Rom vor.
Weltfamilientreffen Rom: Wunsch auf bessere Ehevorbereitung durch Kirche
Foto: IMAGO/MASSIMILIANO MIGLIORATO/CPP / (www.imago-images.de) | Nicht nur die Ehe gilt es gut vorzubereiten und zu stärken, gerade den Vätern tun Programm gut, in denen sie lernen können, zärtliche, liebende, kreative, mutige und berufstätige Väter zu sein.

„Wenn ich das früher gewusst hätte…“ An diesen Punkt kommen viele Eheleute nach einigen Jahren oder gar Monaten Ehe angesichts von Problemen oder Sorgen, die in jeder Beziehung früher oder später aufkommen können. Kommunikation, Zeitmanagement, Sexualität, Erziehung, gemeinsames Glaubensleben. All das sind Dinge, die sich in einer Beziehung nicht improvisieren lassen, sondern oft erst mithilfe einer guten Vorbereitung und einem intensiven gemeinsamen Austausch der Eheleute zu einer erfüllten und glücklichen Beziehung führen. Die Kirche verwende mehrere Jahre auf die Vorbereitung der Seminaristen auf das Priestertum, aber nur wenige Wochen auf die Vorbereitung Verlobter auf die Ehe. Eine so unterschiedliche Behandlung sei nicht richtig, stellt der Heilige Vater im Vorwort zu den kürzlich erschienen Leitlinien zum Ehekatechumenat fest. Insbesondere die Vorbereitung der Paare auf die Ehe ist Papst Franziskus ein großes Anliegen, „damit sie vor dem Trauma der Trennung bewahrt werden und niemals den Glauben an die Liebe verlieren“.

So wenig Ehen wie noch nie

Um die Vorbereitung und Begleitung der Eheleute ging es auch im vierten Teil des Pastoralkongresses beim Weltfamilientreffen. „Der heutige Kontext ist eine Herausforderung für die christliche Ehe“, stellte das italienische Ehepaar Gabriella Gambino und Giovanni Nuzzi fest. Gabriella Gambino ist Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, welches das Weltfamilientreffen ausrichtet und für die Leitlinien zum Ehekatechumenat verantwortlich zeichnet. Es gebe weniger Ehen denn je, eine kürzere Ehedauer und nicht nur gültige Ehen.

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Ursachen sieht das Ehepaar in einer hedonistischen Mentalität, falschen Erwartungen und einer subtilen Angst, der Größe der Ehe und der Aufgabe, Vater und Mutter zu sein, nicht gewachsen zu sein. Die Kirche müsse sich mehr mit der Vorbereitung auf die Ehe beschäftigen, denn auch die Ehe sei eine Berufung. „Es geht nicht darum, sich auf eine Prüfung vorzubereiten, sondern auf ein ganzes Leben“, betonte Nuzzi. Die neuen Leitlinien unterscheiden zwischen der Vorbereitung auf den Tag der Hochzeit und der Vorbereitung auf das Eheleben mit dem konkreten Partner, zusätzlich schlagen sie eine Begleitung des jungen Ehepaars in den ersten Ehejahren vor. Mit dem Heiligen Vater wünschen sich Gambino und Nuzzi hier eine auf geteilter Verantwortung basierende Zusammenarbeit von Paaren und Priestern.

Das gute Beispiel zählt

In einem persönlichen Zeugnis blickte Nuzzi nach fünfundzwanzig Ehejahren auf die erste Zeit zurück. „Obwohl ich im Glauben geheiratet habe, habe ich viele Jahre nicht gewusst, inwieweit das Sakrament positive Auswirkungen auf die Ehe und das Leben mit den Kindern hat“.

Das Training zum gemeinsamen Gebet etwa habe gefehlt. Gambino erinnerte sich, dass sie wegen des guten Beispiels ihrer Eltern schon als Kind die Ehe attraktiv fand. „Viele Kinder erleben das anders. Entweder die Eltern wollen aus Prinzip nicht heiraten oder es gibt dauernd Streit. Wir müssen also das Terrain vorbereiten!“ Dazu brauche es viel Sensibilität und Freude an den Menschen, um eine wirkliche Beziehung aufnehmen zu können. „Dann können wir vermitteln: das Eheleben ist schön und es ist möglich“, sagte Nuzzi.

Erziehung zur Sexualität bedeutet Erziehung zur Liebe

Um unterschiedliche Erfahrungen aus der Weltkirche bei der Begleitung von Paaren und Familien ging es im anschließenden Forum. Zuerst stellte das spanische Ehepaar Antonio Crespo Sanchez und Celia Maria Cuevas Alvares aus Madrid die Initiative „Good Love Community“ (https://de.goodlovefoundation.org/) vor, die Eltern bei der Sexualerziehung ihrer Kinder unterstützen will.

Die heutige Sexualerziehung werde vielfach als eine technische Angelegenheit betrachtet, aber „die Erziehung zur Sexualität darf nicht ohne Erziehung zur Liebe geschehen“.  Liebe beruhe nicht auf Emotionen und Gefühlen, sondern bewirkte eine vollständige Selbsthingabe, die sich in den Berufungen zur Ehe oder zum geweihten Leben konkretisiere. 

Mehr als nur ein Ratgeber

Die Goodlove-Plattform bietet Austausch und Begegnung für alle, die dafür einsetzen, dass die Jugend die Schönheit der Liebe und Sexualität sowie die Berufung zur Liebe und Hingabe entdeckt. Das Goodlove-Netzwerk will dabei nicht nur Ratgeber sein, sondern auch ein Ort, Gemeinschaft zu erfahren.

Mit der Lehre der katholischen Kirche übereinstimmende sexualpädagogische Programme werden weltweit verbreitet und gefördert. Dazu gehören beispielsweise Programme aus Frankreich, England und Österreich.

Lernprogramm auch für Väter

Aus Asien brachten Joseph Teyu Chou und Clare Jiyann Yeh mehrere ermutigende Beispiele mit. Hier wurde deutlich, wie sich alle Teile der Weltkirche gegenseitig befruchten können. Die beiden Taiwanesen sagten, für die Ehevorbereitung brauche man viele Menschen, da es um Themen wie Kommunikation, Finanzmanagement, Kinder oder spirituelles Leben gehe. Sie berichteten von einem Ausbildungsprogramm zur Ehebegleitung, an dem ein Bischof, Pfarrer und Ehepaare teilnahmen. Im Bistum Taipei wurde außerdem eine Gruppe für die Online-Pastoral ausgebildet.

Bei einer Hotline für Familien können sich Personen melden, die Rat suchen. Andere, vor allem junge Leute, entwickeln Konzepte für eine Betreuung von Kindern, bei der auch geistliche Inhalte vermittelt werden. Die Initiative „Patris Corde“ ist ein Format, bei dem sich sechs Väter vor laufender Kamera austauschen. Sie sprechen unter anderem darüber, wie man ein zärtlicher, liebender, kreativer, mutiger und berufstätiger Vater sein kann.

Herzensanliegen des Ehepaars ist es, innerhalb der Kirche eine „Begleitungsgemeinschaft“ für Familien aufbauen. Chou und Yeh nannten drei Voraussetzungen, um als Ehebegleiter tätig zu sein: Mitgefühl, gute Kenntnis der kirchlichen Lehre und Fähigkeiten in der Beratung.

 

Lesen Sie weitere Berichte vom Weltfamilientraffen online und in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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