Rom / Würzburg

Die Freiheit der Lehre steht auf dem Spiel

Am Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienstudien in Rom wächst der Unmut über die neuen Statuten.

Johannes Paul II.
Am Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienstudien wächst der Unmut. (Symbolbild) Foto: Jacek Bednarczyk (PAP)

Pater José Granados García, DCJM, Vizepräsident des Instituts, solidarisiert sich mit seinen entlassenen Kollegen und fürchtet um die Freiheit der Lehre.  Er kritisiert gegenüber der Tagespost die Abschaffung des Lehrstuhls für Fundamentalmoral und das ungerechte Hinausdrängen von Professoren, die die Sichtweise Johannes Pauls II. lehrten.

Theologische Linie, die nicht der Lehre des Gründers entspricht

Dies lasse befürchten, dass die Nachfolger eine andere theologische Linie verträten, die nicht der Lehre des Gründers entspreche. Wörtlich erklärte Granados:  "Ich halte es für meine Pflicht, das zu sagen, weil andere Informationen verbreitet worden sind: Als Vizepräsident der römischen Niederlassung während der Übergangszeit lehne ich jede Verantwortung für die neuen Statuten ab, von denen ich erst am Tag der Veröffentlichung erfahren habe.

Nicht nur die Statuten, sondern vor allem die Personaländerungen (und insbesondere die Entlassungen) gefährden in meinen Augen das Erbe des heiligen Johannes Paul II." Aus Sicht des Vizepräsidenten weisen die nun veröffentlichten Statuten erhebliche Mängel auf. Das Professorenkollegium habe an Bedeutung verloren und der kollegiale Beitrag der Professoren nehme ab.

Gegen die Abschaffung des Lehrstuhls für Fundamentalmoral

Mit Nachdruck wendet sich der Theologe gegen die Abschaffung des Lehrstuhls für Fundamentalmoral:  Dieser Lehrstuhl habe eine entscheidende Bedeutung für die Arbeit des Instituts. Der langjährige Inhaber des Lehrstuhls, Livio Melina habe sich mit spezifischen Aspekten der Fundamentalmoral beschäftigt, um von dort aus die Ehe- und Familienmoral zu beleuchten. "Warum wurde dies in den 38 Jahren seit Bestehen des Lehrstuhls nicht beanstandet? Könnte es sein, dass Melina als Lehrstuhlinhaber „Humanae vitae“ und „Veritatis splendor“ treu geblieben ist, und dass der Lehrstuhl abgeschafft wird, um Melina kaltstellen zu können?" fragt Granados.

Auch Studenten des Instituts besorgt

Alarmiert zeigten sich auch Studenten des Instituts. In einem inzwischen veröffentlichten Brief zweier Studentenvertreter an den Institutsleiter Monsignore Pierangelo Sequeri, der inzwischen Hunderte Unterstützer innerhalb und außerhalb des Instituts hat, äußern sie ihre Sorge um den Verlust der Ausbildungslinie und "damit der Identität des Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II., die in jedem Fall der Hauptgrund dafür war, dass die meisten Studenten (und ihre Vorgesetzten) dieses Institut für ihre Ausbildung gewählt haben.

Wörtlich heißt es in dem Brief: "Warum sollte jemand noch am Johannes Paul-Institut studieren, wenn es anscheinend nichts Neues zu bieten hat im Vergleich zu dem, was in den Lehrplänen der säkularen Universitäten, und zwar oft noch attraktiver und effektiver, zu finden ist?"

DT/reg

Welche Mängel die Statuten aus Sicht des Vizepräsident aufweisen und wie sich die Studenten des Instituts gegen die neuen Statuten zur Wehr setzen, lesen Sie in der "Tagespost" vom 8. August 2019. Kostenlos erhalten Sie diese aktuelle Ausgabe der Zeitung hier.