Altenahr

Haus Caspari: „Nie war der Zusammenhalt so groß“

Im dritten Teil der Flut-Serie rund um die Familien Babic und Nelles berichten die Betroffenen, wie es ihren Familien inzwischen geht – und was sonst noch los ist in Altenahr.
Haus Caspari nach der Flut
Foto: Andrea Babic/Haus Caspari | Nicht nur für Wanderer und Touristen, die endlich wieder nach Altenahr zurückkehren, sondern vor allem für die Altenahrer selbst, ist das Hüsje Caspari ein echter Lichtblick.

Das graue Winter-Wetter drückte mächtig auf die Stimmung und die Bauarbeiten im und um das Haus Caspari stockten. „Dass der Winter für uns hart werden würde, hatte ich befürchtet. Gefühlt ging es an keiner Stelle so richtig weiter, das war schon sehr kräftezehrend“, so beschreibt Andrea Babic die vergangenen Monate. Damit war sie nicht allein. „Dieses Gefühl der Machtlosigkeit hatten viele in Altenahr“, erzählt Babic weiter. 

Mit den ersten Sonnenstrahlen Anfang März hellte sich auch die Stimmung der Gastronomin und die ihrer Familie wieder auf. Das jüngst ins Leben gerufene „Hüsje Caspari“ spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Denn mit dem Verkauf von selbstgebackenem Kuchen, duftendem Kaffee und frischem Ahrwein sowie vielem anderen kehrt die Gastro-Familie langsam dahin zurück, wo sie hingehört: zu ihren Gästen, denen sie eine schöne Zeit bescheren will. „Der Hüsje-Verkauf hat mich aus meinem Loch geholt und ich habe wieder richtig Laune bekommen; endlich hat mein Gastronomen-Herz wieder eine Aufgabe“, freut sich Babic.

Ein Wermutstropfen bleibt

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt. Vorerst wird es beim Verkauf am Hüsje Caspari bleiben, denn die Neueröffnung von Restaurant, Hotel und Co. zieht sich hin und ist erst für das nächste Jahr geplant. Andrea Babic und Stefanie Nelles, die beiden Schwestern, die das Haus Caspari in dritter Generation führen, sehen die kommende Zeit jedoch als Chance: „Mit der Flut sind auch drei Generationen Erwartung an uns weggespült worden. Jetzt können wir unseren Traum wahr werden lassen und das Haus so gestalten, wie wir es uns vorstellen.“ Wichtig ist den beiden, dass der Gast sofort das Gefühl hat, ein Teil der Caspari Familie zu sein.

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Man möchte auf Nachhaltigkeit, innovative Gestaltung, eine besondere Atmosphäre weg vom Massentourismus setzen. „Wenn ein Gast das Haus Caspari betritt, soll er denken: ‚Hier ist es so schön, hier möchte ich länger bleiben‘.“ Das neue Konzept haben die Gastronomen-Schwestern in den neuen Namen gepackt: „Haus Caspari – Meins und Deins“. 

Um das Hüsje Casapri hat sich in den vergangenen Wochen bereits eine kleine Fan-Gemeinde gebildet, für die ein Besuch bei Babic und ihrer Familie einfach zum Wochenende dazu gehört. Nicht nur Schleckermäulern läuft beim Anblick der Kuchen und Torten, die nach Wunsch und Nachfrage der Gäste auch um neue Kreationen erweitert werden, das Wasser im Mund zusammen. Warme und kalte Getränke sowie Eis komplettieren das Schlemmerangebot. Neben dem Verkaufshäuschen lädt das Hüsje die Gäste ab und zu auch zu entspannten Nachmittagen mit Livemusik ein. Hier sorgen Bands und Musiker immer wieder für die richtige Stimmung. 

Sie ziehen an einem Strang

Will man der Flutkatastrophe etwas Positives abgewinnen, ist dies zweifelsohne der großartige Zusammenhalt der Altenahrer Unternehmer. „Nie zuvor haben wir Gewerbetreibende so an einem Strang gezogen, wie wir es in den vergangenen Monaten getan haben“, erzählt Bacic begeistert. Und das Ergebnis dieser Gemeinschaftlichkeit kann sich sehen lassen: Mitte Dezember gab es die ersten „Altenahrer Sternstunden“. Unter dem Motto „Miteinander Füreinander“ startete man die zweitägige Veranstaltung mit einem gemütlichen Lagefeuer, Glühwein und Gegrilltem. Anschließend an die gemeinsame Messfeier wartete mit Weihnachtsrallye, Geschichtenerzähler, Bastelecke und Co. am zweiten Tag ein kunterbuntes Programm auf die Gäste. „Es lag eine ganz wunderbare besinnliche Stimmung in der Luft, die uns allen klar machte, worum es an Weihnachten wirklich geht: gemeinsam Zeit zu verbringen“, so Babic.

Am ersten Aprilwochenende folgte mit den „Altenaher Ostergrüßen“ die nächste gemeinschaftlich organisierte Veranstaltung. Mit Leckereien der örtlichen Gastronomen und Winzer, verschiedenen Osterläden und Kinderprogramm kamen auch hier Groß und Klein wieder voll auf ihre Kosten.  

Nicht nur für Wanderer und Touristen, die endlich wieder nach Altenahr zurückkehren, sondern vor allem für die Altenahrer selbst, ist das Hüsje Caspari ein echter Lichtblick. Denn bei einem Gläschen Wein und dem ein oder anderen heiteren Gespräch, bietet es eine kurze Verschnaufpause vom für viele noch immer trüben Alltag. 

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