Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Zufall ersetzt Wahrheit

Philosophie-Serie in der Tagespost. Seit dem amerikanischen Philosophen Edmund L. Gettier ist eine wahre Überzeugung kein Wissen mehr. Der Zufall übernimmt.
Wissen erwerben
Foto: Veam, via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Wissen ist bei Gettier nicht mehr wie in der klassischen Philosophie gerechtfertigt und wahr. Symbolbild.

Die Wahrheitsfrage mit ihren festen Prinzipien gehörte einst zum Kern der Philosophie. Das hat sich auch durch den 1927 geborenen amerikanischen Philosophen Edmund L. Gettier geändert. Bei ihm spielt der Zufall die Hauptrolle. Zufall war eigentlich auch sein nur dreiseitiges Hauptwerk, das er 1963 mit dem Titel „Ist gerechtfertigte, wahre Überzeugung Wissen?“ schrieb. Denn sein Vertrag an der Universität in Detroit wäre gefährdert gewesen, wenn er nichts veröffentlicht hätte. Also schrieb er schnell diesen Aufsatz und damit auch Philosophiegeschichte. Denn seine Gedanken sind überall zitiert, wo es um die Grundlagen von Wissen und Wahrheit geht. 

Lesen Sie auch:

Wissen gegen Wahrheit

Gettier trennt die wahre Überzeugung vom Wissen – Wissen ist damit nicht mehr wie in der klassischen Philosophie gerechtfertigt und wahr. Man kann der gerechtfertigten wahren Überzeugung oder Meinung sein, dass John ein bestimmtes Auto hat, weil er damit gesehen wurde und dass er gerade in Barcelona ist. Nun ist aber Johns Auto ein Mietwagen, in Barcelona ist er jedoch zufällig wirklich. Die klassischen Wahrheitsbedingungen einer gerechtfertigten Meinung sind also durch den Zufall außer Kraft gesetzt. Das ist auch symptomatisch für die Gegenwart, Fragen gerechtfertigter Wahrheit mit dem Hinweis auf empirische Beispiele oder Lebenswelten auszuhebeln. DT/ari

 

Mehr über die Abschaffung der Wahrheit in der modernen Philosophie lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Philosophiegeschichte Wahrheit Wissen

Weitere Artikel

„Checker Tobi 3“ wirbt bei Kindern dafür, die Spielkonsolen beiseitezulegen, und erinnert Erwachsene an ihre kindliche Neugier. Ein Gespräch mit Hauptdarsteller Tobias Krell.
22.01.2026, 13 Uhr
Norbert Fink
Wie Familie zu einem politischen Ort werden kann, an dem eingeübt wird, was die Gesellschaft trägt.
30.03.2026, 05 Uhr
Fabian Theuke Theresia Theuke
Die Autorin Christine Wiesmüller hat einen Band mit Lesedramen vorgelegt, in denen die „neuen Ideologien“ kritisch ausgeleuchtet werden.
25.03.2026, 10 Uhr
Gudrun Trausmuth

Kirche

Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok