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"Religion tut der Psyche gut"

Raphael Bonelli über die wissenschaftlich bewiesenen positiven Zusammenhänge von Religiosität des Menschen und seiner Psyche. Auch zum Thema Missbrauch hat er klare Ansichten.
Raphael Bonelli: Religion tut der Psyche gut
Foto: A3390 Kay Nietfeld (dpa) | Psychiater und Bestsellerautor Bonelli: Religion tut der Psyche gut.

Der Psychiater und Bestsellerautor Raphael Bonelli macht im Gespräch mit der "Tagespost" die narzisstische Nabelschau der 68er für die Missbrauchswelle mitverantwortlich:"Viele Missbrauchsfälle brechen auf. Nicht nur im kirchlichen Bereich, sondern auch in Psychiatrie, Sportverbänden und Familien. Wir ernten jetzt die Früchte der Achtundsechziger, die meinten, Sexualität sei nur zur eigenen Befriedigung da. Diese narzisstische Nabelschau ist das Fundament des Missbrauchs."

Kritik an Berichterstattung zum Missbrauch in der Kirche

Bonelli kritisiert auch die mediale Berichterstattung über kirchliche Missbrauchsfälle. Es gebe in den Medien eine massive Schieflage: "Wenn einer seine Tochter missbraucht, ist das noch keine Schlagzeile, wenn aber der Täter ein Kleriker ist, ganz sicher. Kaum jemand nimmt wahr, dass innerhalb der Kirche weniger Missbrauch passiert als außerhalb. Zweitens ist die kirchliche Lehre natürlich eine Herausforderung für diese Welt. Die Kirche hat dem Zeitgeist, insbesondere jenem der Medienwelt, stets widersprochen – und erntet dafür jetzt Häme."

"Jeder Missbrauch ein katastrophaler Schaden"

Bonelli, der mit dem von ihm gegründeten "Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie" versucht, Psychiater und Psychotherapeuten mit Theologen und Seelsorgern ins Gespräch zu bringen, geht es aber nicht darum, das Thema kirchlicher Missbrauch zu relativieren: "Tatsächlich ist jeder Missbrauch ein katastrophaler Schaden: Ein Priester, der jemanden sexuell missbraucht, sündigt schwer und scheint keine Gottesfurcht mehr zu haben. Den Schaden, den er in den Seelen anrichtet, weil er als Priester Christus repräsentieren sollte, können wir gar nicht ermessen. Dadurch ist die Kirche schwer beschädigt und hat massiv an Glaubwürdigkeit verloren."

DT/mee (jobo)

 

Raphael Bonelli über das spannende Verhältnis von Kirche und Psychologie – Lesen Sie den ganzen Text des Interviews in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 06. Juni 2019.

Themen & Autoren
Stefan Meetschen Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie Jesus Christus Missbrauchsaffären Missbrauchskrise Raphael Bonelli Seelsorgerinnen und Seelsorger

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