Zölibat

Priester: Enthaltsamkeit nicht Ursache von Missbrauch

Der Priester Markus Zimmermann betont in der „Tagespost“: Studien belegen, dass 85 Prozent der sexuellen Missbräuche in der Familie begangen werden.
Markus Zimmermann
Foto: privat | Zimmermanns Fazit: „Die Missbräuche geschehen folglich nicht aufgrund sexueller Enthaltsamkeit, sondern – dies zeigen alle entsprechenden Untersuchungen auf – wegen fehlender reifer Auseinandersetzungen mit der ...

Der katholische Priester Markus Zimmermann, der in Rom Fundamentaltheologie lehrt, rückt in der „Tagespost“ ein Missverständnis gerade, welches im Zusammenhang mit dem Zölibat kursiert: „Häufiger hört man die populäre Meinung, die Missbrauchsstudien hätten aufgezeigt, dass Priester die versprochene sexuelle Enthaltsamkeit nicht aushalten und sich deswegen an wehrlosen Kindern und Jugendlichen vergehen würden. Deswegen sollen Priester heiraten dürfen, um sich nicht mehr an Minderjährige zu vergreifen.“

Fehlende Auseinandersetzung mit eigener Sexualität

Zimmermann stellt dazu klar: „Tatsächlich ist es so, dass eine große Anzahl der Priester Schwierigkeiten haben, die sexuelle Enthaltsamkeit des bei ihrer Weihe versprochenen Zölibats zu halten.“ Andererseits sei aber auch jedem Priester, der viel Beichte hört, bekannt, dass Eheleute ihres Ehepartners manchmal ebenfalls die abwesenheits-, krankheitsbedingte oder aus anderen Gründen faktisch geforderte sexuelle Enthaltsamkeit nicht leben, sondern untreu würden. „Außerdem geschehen – das ist das einmütige Ergebnis aller Studien – etwa 85 Prozent der sexuellen Missbräuche an Kindern und Jugendlichen in der Familie, gehen also von Menschen aus, die keine sexuelle Enthaltsamkeit versprochen haben.“

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Zimmermanns Fazit: „Die Missbräuche geschehen folglich nicht aufgrund sexueller Enthaltsamkeit, sondern – dies zeigen alle entsprechenden Untersuchungen auf – wegen fehlender reifer Auseinandersetzungen mit der eigenen Sexualität und/oder schwerer seelischer Belastungen.“  DT/mee

Der Geistliche Markus Zimmermann über Zölibat und Missbrauch. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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