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Zwischen Robotersätzen und Nachdenklichkeit

Je weniger Politiker in der Runde, umso höher die analytische Qualität: Die Nachlese des Fernseh-Wahlabends gerät deprimierend.
Sven Schulze am Wahlabend
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur (www.imago-images.de) | Staatsmännisch vor allem am Wahlabend selbst: CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze.

Die wichtigsten Sätze sagte an diesem Wahlabend Sven Schulze: Der noch amtierende Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat meldete sich schon schnell nach der ersten Prognose zu Wort, nach der bereits klar war, dass er und seine CDU eine krachende Niederlage erlitten hatten: „Ich möchte dem Wahlsieger gratulieren. Die AfD ist jetzt die stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt.“

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Das war geschickt. Denn indem er als Erster vor die Kameras trat und einmal die Niederlage klar einräumte, gleichzeitig aber auch durch seine Äußerung hervorhob, wie wichtig ihm ein angemessener demokratischer Stil ist, setzte er frühzeitig einen Gegenakzent gegen Alarmismus, der dann auch spätere Statements prägt. Das wirkte staatsmännisch. Konsequent sagte Schulze an diesem Abend auch nicht mehr viel. In die „Tagesthemen“ wurde bezeichnenderweise der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull geschickt. Schulze selbst hatte abgesagt.

Hopperman lieferte kein Gesellenstück ab

An ihm hätten sich andere führende Unionspolitiker an diesem Abend ein Beispiel nehmen können. Lieber nichts zu sagen scheint erfolgversprechender, als die Phrasendreschmaschine anzuwerfen. Allerdings: Manche können qua ihrer Funktion an so einem Abend auch nicht den Fernsehkameras ausweichen. Das gilt zum Beispiel dann, wenn man CDU-Generalsekretär ist. Direkt nach der 1. Prognose wurde ins ARD-Wahlstudio in Magdeburg Franziska Hoppermann aus Berlin zugeschaltet. Neben dem Moderator stand ein feixender Ulrich Siegmund, der gerade bekannt hatte, Friedrich Merz mit seinen schlechten Beliebtheitswerten sei ein guter Wahlkampfhelfer gewesen. Der Moderator griff dies folgerichtig auf und wollte nun von Hoppermann wissen, ob Siegmund hier einen Punkt habe. Sie blockte ab: „Ich weiß nicht, was das meinen soll.“ Und flüchtete dann in die Kirchentagssprache: „In jedem Fall ist es ein sehr schweres Ergebnis für uns und es macht auch etwas mit uns als Christdemokraten.“

Als Hoppermann vor einigen Wochen ihr Amt angetreten hatte, hatte sie sich vollmundig in die Tradition von Heiner Geißler gestellt, dem legendären CDU-Generalsekretär aus der ersten Phase der Ära Kohl. Geißler war nicht nur ein programmatischer Denker, sondern auch ein scharfer Rhetoriker. Bisher übt die 44-jährige Hamburgerin ihr Amt nur kommissarisch aus, sie muss vom Parteitag bestätigt werden. Ein Gesellenstück war das nicht.

Der Fernsehabend zeigt: Je weniger Politiker in der Runde, umso höher die analytische Qualität. Während sich bei Maybrit Illner im ZDF Thorsten Frei (CDU), Ines Schwerdtner (Linke) und Beatrix von Storch (AfD) gegenseitig die Köpfe einschlugen, sorgte in der ARD bei Caren Miosga Giovanni di Lorenzo für bei ihm überraschende Akzente: Er sei kein grundsätzlicher Feind von Migration, aber kriminelle Migranten müssten konsequent abgeschoben werden, mahnte er.

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