„Der Einsatz von KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit“, schreibt Papst Leo XIV. in seiner neuen Enzyklika. Recht hat er – es gibt Anwendungsfälle, die führen direkt in eine postdemokratische Technokratie. Ein schönes Beispiel dafür ist der Kommentar, den der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner jüngst in seiner „Welt“ veröffentlichen ließ. Darin kritisiert Döpfner die Konkurrenz von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ als gestrig. Deren Vergehen: Die Zeitung hatte einen komplett KI-geschriebenen Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten nach einer entsprechenden „FragDenStaat“-Recherche aus dem Netz genommen, weil sie grundsätzlich nur von Menschen geschriebene Texte veröffentlicht. Döpfner sah darin offenbar eine gute Gelegenheit für einen süffisanten Schenkelklopfer: Er ließ seinen Gegenkommentar, der das Vorgehen der FAZ mit dem eines Inquisitionsgerichts vergleicht, ebenfalls komplett von der KI „Google Gemini“ schreiben.
Nun muss man dem künstlichen Schreiberling lassen: So schlecht ist der Döpfner-Kommentar nicht geworden. Besser jedenfalls als viele der Politikerbeiträge, bei denen offensichtlich billigere KI-Modelle zum Einsatz kamen. Beispiel Voigt: In der Rede, die der Ministerpräsident Anfang 2025 ausgerechnet anlässlich eines Holocaust-Gedenkens hielt, heißt es etwa: „Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers. Es war das Werk von Menschen, die dachten, dass ihr Handeln im Einklang mit einem höheren Ziel stehe“. Solche KI-typisch pathos-simulierenden Verneinungskonstruktionen lassen sich heute in erstaunlich vielen Texten finden. Oder: „Ihre Augen waren leer und zugleich unendlich tief“ – so der KI-Voigt über Auschwitz-Überlebende. Was auch immer das heißen soll.
So what, hält dem nicht nur der KI-Döpfner entgegen. Spitzenpolitiker schreiben ihre Reden selten selbst. Wenn es keine KI ist, dann eben ein menschlicher Redenschreiber. Und tatsächlich ist das Problem auch nicht, dass das Ergebnis stets mangelhaft wäre. Nein, es ist schlicht fragwürdig, das Denken und Argumentieren nicht selbst erledigen zu wollen. Warum werden Menschen denn Politiker oder Journalisten? Um in einer Staatskanzlei oder im Springer-Hochhaus selbstzufrieden die Budapester auf den Schreibtisch zu betten? Oder um ihr Herzblut an die öffentliche Sache zu geben? Man kann nicht glaubhaft behaupten, für seine Überzeugungen in den demokratischen Ring zu treten, wenn man diese Überzeugungen von der Technik generieren lässt. Wer nur als Erfüllungsgehilfe eines Sprachmodells auftritt, ersetzt die Demokratie nun vollends durch eine anonym-alternativlose Phrasendrescher-Technokratie – genau jenes sowieso schon pandemische Politikmodell, das rund um den Globus zum Aufstieg populistischer Protestparteien geführt hat.
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