In den letzten Tagen hatten die Berliner Grünen nicht viel zu lachen. Schuld daran war das Gelächter einiger Parlamentarier ihrer Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus nach einem Zwischenruf einer ihrer Kolleginnen. Als die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am vergangenen Donnerstag vor dem Landesparlament auch über den Polizistenmord von Mannheim redete und dabei vom „schrecklichen Tod von Mannheim“ sprach, rief die 41-jährige Tuba Bozkurt ins Plenum: „Mannheim ist tot?“ Das Parlamentsprotokoll verzeichnet daraufhin Lacher bei den Grünen. Die Reaktionen, vor allem in den sozialen Medien, ließen nicht lange auf sich warten. Eine zweistellige Anzahl von Morddrohungen habe Bozkurt erhalten, teilte ihre Fraktion mit.
Links-Alternative ringt um Deutungshoheit
Allerdings – und das ist in gewisser Weise neu – zeigten die Grünen und ihr Milieu in ihrer Reaktion auf den Vorfall Selbstkritik. So erklärte Bozkurt schließlich ihren Rücktritt aus dem Präsidium des Abgeordnetenhauses und gab auch ihrem Bedauern für den Vorfall Ausdruck. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Kommentar aus der „taz“, so etwas wie das Zentralorgan für das grüne Milieu. Da hatte Kommentator Joscha Frahm schon am Freitag festgestellt, so ein Zwischenruf mache den Grünen schwer, die Reaktionen auf Mannheim zu kritisieren. Der „rassistischen Instrumentalisierung“ durch AfD, CDU und den Bundeskanzler würden aus linker Perspektive kaum Antworten entgegengesetzt. Nach dem „peinlichen Vorfall“ bleibe der Diskurs denen überlassen, „die nun Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien fordern“, so Frahm. Offenbar besteht Sorge im links-alternativen Milieu, die linke Deutungshoheit über den Diskurs könnte verloren gehen.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









