Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Evangelisierung online

Das Herz der Kirche schlägt auch digital

Wie man von der medialen Verkündigung zur lebendigen Anbetung gelangt.
Gerade während Corona wurden Fersehmessen populär. Sie haben weiterhin ihren Platz - aber: Anbetung erfordert auch Präsenz.
Foto: ULMER Pressebildagentur via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Gerade während Corona wurden Fersehmessen populär. Sie haben weiterhin ihren Platz - aber: Anbetung erfordert auch Präsenz.

Während sich in den Kirchenbänken oft gähnende Leere ausbreitet, wächst in der breiten Gesellschaft die Sehnsucht nach spirituellen Räumen. Zugleich nimmt bei jungen Christen das Bedürfnis nach Anbetung und eucharistischer Erfahrung spürbar zu. Der katholische Fernsehsender EWTN.TV hat sich dieser Realität gestellt – und ein klares Signal gesetzt: Die Eucharistie gehört ins Zentrum der medialen Verkündigung – dorthin, wo immer mehr Menschen nach Sinnstiftung suchen.

Die Katholische Kirche bezeichnet die Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 11). In ihr begegnet der Mensch nicht einem bloßen religiösen Zeichen, sondern der lebendigen und leibhaftigen Gegenwart Jesu Christi. Der Katechismus fasst zusammen: Die Eucharistie ist Danksagung, Gedächtnis des Opfers Christi, Zeichen der Einheit und Sakrament der Gegenwart des Herrn. Wer sie empfängt, empfängt den Gekreuzigten und Auferstandenen selbst – und wird Teil seines Leibes, der Kirche (vgl. KKK Nr. 1322-1419). Dass dieses Sakrament auch selbst Verkündigung sein kann, betont Sacrosanctum Concilium, die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, da in der Eucharistie „das Werk unserer Erlösung vollzogen wird“ (SC 2.10). Denn in ihr ist Christus gegenwärtig, und das Heilsgeschehen wird vergegenwärtigt.

Eucharistie im Zentrum eines Fernsehsenders

Papst Benedikt XVI. vertiefte dieses Verständnis und sprach von der Eucharistie als „Sakrament der Liebe“ – sie sei Quelle jeder Evangelisierung und Grundlage aller missionarischer Kraft, die Gottes Liebe zu den Menschen bringen will. In diesem geistlichen Rahmen steht auch die Vision von Mutter Angelica, der Gründerin von EWTN. Sie beschrieb den Empfang der Eucharistie als „unbeschreibliche Freude“ – absolut nichts sei damit zu vergleichen. Die Eucharistie „ist für mich das beste Gebet in der ganzen Welt“, verkündet sie. Die von Mutter Angelica gegründete Klostergemeinschaft der Klarissen von der Ewigen Anbetung in Irondale lebt diese eucharistische Spiritualität radikal – insbesondere durch die beständige Anbetung des Allerheiligsten. Diese Prägung ist bis heute spürbar in der inhaltlichen Ausrichtung von EWTN weltweit.

Lesen Sie auch:

Seit 2011 sendet EWTN.TV ein 24-Stunden-Programm in deutscher Sprache. Ein Schwerpunkt des Senders sind die täglichen Übertragungen der heiligen Messe – live, aus verschiedenen Kirchen, Klöstern und Kapellen. Dazu kommen regelmäßige Übertragungen von Papstmessen aus dem Vatikan – insbesondere an Hochfesten. Auch besondere Ereignisse wie die Internationalen Eucharistische Kongresse oder der Adoratio-Kongress in Altötting werden von EWTN regelmäßig übertragen. Während vor allem ältere Menschen die heilige Messe am Fernseher mitfeiern, füllen viele junge Menschen die Kirchen an den Orten der Übertragung. Die Eucharistie wird zur gemeinsamen Mitte und es wird konkret erfahrbar, was „katholisch“ im eigentlichen Sinn meint: Alt und jung, fern und nah sind miteinander verbunden, in einer geistlichen Familie, im und als ein Leib Christi.

Vom Sofa in die Kirchenbank

Die Übertragung der heiligen Messe ist ein großer pastoraler Dienst – besonders für Kranke, Ältere und Menschen in Isolation. Doch die Kirche sagt auch: Die virtuelle Teilnahme ersetzt die reale Mitfeier nicht. Die Spannung zwischen Bildschirm und Altar bleibt bestehen. EWTN ist sich dieser Spannung bewusst und begegnet ihr mit einer klaren Haltung: keine Show, keine Effekthascherei, sondern Stille, Sakralität, Einfachheit. Vielleicht ist dieser Raum der Ort, an dem Sehnsucht nach mehr wachsen kann. Medien können vorbereiten und verkünden, aber nicht vollenden. Und EWTN verkündet, indem der Sender regelmäßig an die Praxis der geistigen Kommunion erinnert und darüber hinaus Sendungen ausstrahlt, die das Geheimnis der Eucharistie vertiefen. Dazu gehören etwa Dokumentationen über eucharistische Wunder sowie Sendungen, die einzelne Aspekte der Eucharistie theologisch, philosophisch und spirituell erschließen – etwa die Transsubstantiation, die eucharistische Anbetung oder die Lehre des Thomas von Aquin. So bleibt der Zugang zum eucharistischen Geheimnis offen – auch über Grenzen hinweg.

„Kommt heim!“ So forderte Mutter Angelica ihre Zuschauer in einer Livesendung auf. Sie sollen in der Eucharistie, in Jesus Christus selbst, das Leben finden. Vielleicht liegt in der medialen Präsenz der Eucharistie eine stille Einladung an jeden Einzelnen: zurückzukehren zum Wesentlichen. Zurück zur Anbetung. Zurück zur Begegnung. Die Fernsehmesse ersetzt die reale Teilnahme nicht, aber sie erinnert uns täglich daran, dass Christus gegenwärtig ist – so wie er es selbst versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).

EWTN kann das Herz der Kirche also nicht erzeugen – aber der Sender kann den Blick darauf lenken. Und manchmal genügt das schon, um etwas in der Seele in Bewegung zu bringen – eine Heimwärtsbewegung.


Die Autorin ist Redakteurin bei EWTN Deutschland.

Jetzt die „Tagespost“ abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Isabel Wodatschek EWTN (Eternal Word Television Network) Hochfeste Jesus Christus Katechismus Thomas von Aquin Transsubstantiation Zweites Vatikanisches Konzil

Weitere Artikel

Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert vom Antichristen und sieht in Papst Benedikt XVI. einen zögerlichen Verbündeten. Was dabei völlig fehlt, ist ein Blick in den Spiegel.
24.07.2026, 13 Uhr
Sebastian Ostritsch

Kirche

Leos zweiter Geburtstag im neuen Amt ist Anlass, darüber nachzudenken, was der Papst in der ersten Phase seines Pontifikats anders macht als sein Vorgänger. So ziemlich alles.
14.09.2026, 08 Uhr
Guido Horst
Die unbegrenzte Vergebungsbereitschaft, die Jesus von seinen Jüngern einfordert, besagt nicht, dass die Sünde nicht so schlimm ist. Entscheidend ist Bekenntnis und Bitte des Schuldners.
12.09.2026, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger 
Die Politik eskaliert. Die Kirche muss sich entscheiden, ob sie zu ihren klassische Waffen greift.
11.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig
Welche Spielräume hat der Vatikan in der internationalen Gemeinschaft? Er muss sichtbar sein und bei Pastoralreisen Massen mobilisieren.
13.09.2026, 15 Uhr
Mariano Barbato