Musikgeschichte

Kate Bush: Autorin, Regisseurin und Sängerin

Kate Bush: Eine katholische Sängerin tanzt auf stürmischen Höhen.
Die Anti-Gaga _ Kate Bushs wundersame Winter-Lieder
Foto: dpa | Die britische Sängerin, Songwriterin und Pianistin Kate Bush hat der Popmusik neue Horizonte eröffnet – Inspiration ist ihr wichtig.

Mystisch klingende Musik und eine sehr hohe Stimme sind das Markenzeichen der britischen Musikerin Kate Bush. Schon in ihrer Debütsingle geht es mystisch zu. Es geht in „Wuthering Heights“ (Stürmische Höhen) um Liebe, um Tod und darum, dass die Liebe am Ende den Tod überlebt. Die Sängerin katapultierte sich mit ihrer Debütsingle direkt in die oberen Ränge der Charts und blieb in Großbritannien vier Wochen lang auf Platz eins. Kate Bush wurde 1958 als Caterine Bush in Bexleyheath, das heute zu Greater London gehört, geboren und katholisch getauft. Sie hat zwei ältere Brüder, John und Patrick.

„Gib niemals auf, auch wenn du im Leben komplett versagt hast,
wenn du absolut am Ende bist.“
Und weiter: „Ich glaube fest, es gibt einen Ort, an den wir gehören.“

Kate Bush wuchs auf der historischen East Wickham Farm in Welling, Grafschaft Kent auf. Die Farm ist ein fast 400 Jahre altes Gebäudeensemble, das sich seit den frühen 50er Jahren im Besitz der Familie befindet und noch heute von einem ihrer Neffen bewohnt wird. Zeitweise hatte sie auf dem Anwesen ihr eigenes Studio. Kate ist katholisch, weil ihre Mutter Irin war. Von 1969 bis 1975 besuchte sie die in Bexley ansässige katholische Klosterschule Saint Joseph‘s. Dort nahm sie Geigenunterricht und Gesangsstunden. Ab 1970 schrieb sie Gedichte und vertonte diese. Einer ihrer späteren Hits („The Man with the Child in his Eyes“) stammt bereits aus dieser Zeit. Die Schule zeigt sich noch immer stolz auf ihre berühmte Schülerin.

Das Plattenlabel EMI schloss einen Vertrag mit der erst 18-jährigen Kate Bush. Ihr ältester Bruder, John, hatte Kate bereits 1973 mit David Gilmour von Pink Floyd bekannt gemacht. Dieser entdeckte das Talent und förderte die Karriere der jungen Musikerin. Gilmour brachte die junge Kate mit EMI in Kontakt. Von der Kirche hatte sich Kate Bush die großen Gesten und die eindrucksvolle Bildsprache abgeguckt, die ihre Videos prägen. Von Beginn ihrer Karriere an spielten die Videos eine große Rolle für die Künstlerin.

Ihre Videos machen Bush zum Gesamtkunstwerk

Kate Bush war als Gesamtkunstwerk ein Star in ihren Videos und ein Star auf Grund ihrer Videos. Die tänzerische Darstellung ihrer Lieder ist sehenswert. Es handelt sich teilweise um aufwändig produzierte Kurzfilme. So erzählt das Video zu ihrem Song „Cloudbusting“ die Geschichte des Arztes und Psychiaters Wilhelm Reich und dessen esoterischer Organforschung. Lieder von Kate Bush sollte man tatsächlich nicht nur hören, sondern auch sehen.

Nicht nur in der Gestik und Bildsprache, auch in den Texten Ihrer Lieder findet Gott einen Platz. In „Running up that Hill“ lautet eine Passage: „Der Berg von Alltagsproblemen ließe sich leicht lösen, wenn man mit Gott den Platz tauscht. Lasst uns einen Deal mit Gott machen und diesen Hügel erklimmen.“ Über ihre eigene Beziehung zur Kirche sagte sie in einem Interview mit einem britischen Popmagazin: „Ich denke, ich suche nicht unbedingt nach Religion, sondern nach Möglichkeiten, mir selbst zu helfen, verständnisvoller, vollständiger, eine glücklichere Person zu werden.“ Dabei spricht sie im Zusammenhang mit ihren Werken durchaus von Inspiration und davon, dass sie für irgendwas durchlässig sei. Obwohl einige ihrer Lieder politische Anmutung haben, bezeichnet sie selbst sich als eher unpolitisch.

Erfinderin des drahtlosen „Headsets“

 

 

Kate Bush war die erste Sängerin, die mit ihren eigenen Liedern Spitzenpositionen in den britischen Charts erreichte. Die Musik von Kate Bush wird hörbar beeinflusst von klassischer Musik, Artrock, Glam, Jazz, ferner kommen Impulse aus irisch-keltischen und südosteuropäischen Musikstilen zum Tragen. Musikwissenschaftler ordnen die Sängerin insbesondere in den 80er Jahren der New-Wave oder der New-Romantic-Wave zu. Kate Bush neigt zudem zum Einsatz ungewöhnlicher Instrumente. Didgeridoo, Balalaika oder Clavichord tauchen in ihren Stücken auf.

Ferner ist Kate Bush sehr innovativ, was den Einsatz neuer Techniken angeht. Sie gilt als eine der ersten Künstlerinnen, die Samples in ihrer Musik einsetzte. Ihre Videos sind nicht nur innovativ, sie führte oft selber Regie. Die enge Verbindung von Musik und Ausdruckstanz ist von Beginn ihrer Karriere ihr Markenzeichen. Auch für die dazu benötigten technischen Innovationen hat sie einen Sinn. Bush kann quasi als Erfinderin des drahtlosen Headsets angesehen werden. Ein Techniker baute ihr das erste aus einem kompakten Funkmikrophon und einem Drahtkleiderbügel. So hatte sie während des Konzerts auf der Bühne die Hände frei und konnte zugleich singen und tanzen.

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Sie schreibt Drehbuch, macht Musik und führt Regie

Bekannt ist auch ihr ausgefallener Kleidungsstil. Mal sind es weite, wehende Gewänder, mal sehr knappe Kleidung, für die sie auch schon mal Kritik erntete. Einen Ausflug in den Film machte Bush im Jahr 1993 mit dem Musikmärchenfilm „The Line, the Cross & the Curve“, zu dem sie durch den Film „Die roten Schuhe“, einem Ballettfilm von 1948 angeregt wurde. Kate Bush schrieb das Drehbuch, die Musik, führte Regie und spielte die Hauptrolle.

Ihr erster Fernsehauftritt in ihrer Karriere fand in Deutschland in der Fernsehsendung „Bios Bahnhof“ mit Alfred Biolek am 9. Februar 1978 statt. Bush sang damals „Kite“ und ihren späteren ersten Hit „Wuthering Heights“. Sie trat in einem roten Kleid auf, was einen Kontrast zur späteren Performance von „Wuthering Hights“ bildete. Im Video zu dem Lied zeigte sie sich in einem weißen Kleid. Als die Frau im weißen Kleid wurde sie zunächst berühmt.

Die Falle schnappt zu - und sie muss es bedauern

Ihre Lieder sind stark und fallen aus dem Rahmen, viele weisen eine spannungsgeladene Dramaturgie auf. In „Babooschka“ besingt und spielt sie eine Frau, die ihren Mann auf die Probe stellt. Sie bedauert, dass er genau deshalb fällt, weil sie als seine Frau sehr genau weiß, wie sie ihren Mann verlocken kann. Ausdrucksstark beklagt sie ihren Fehler, ihn in Versuchung geführt zu haben. Aus dem Dilemma gibt es keinen Ausweg. Im Video beeindruckt der Ausdruckstanz, in dem Kate Bush mit einem Kontrabass tanzt, der für den Mann steht. Ein ebenfalls eindrucksvolles, wenn auch ganz anderes Video, entstand im Jahr 1986 aus der Zusammenarbeit mit Peter Gabriel. Das Lied „Don´t give up“ besingt das Wechselspiel von Verzweiflung und Hoffnung auf Grund von Arbeitslosigkeit. Peter Gabriel beklagt sein Scheitern, Kate Bush spricht ihm Hoffnung zu: „Gib niemals auf, auch wenn du im Leben komplett versagt hast, wenn du absolut am Ende bist.“ Und weiter: „Ich glaube fest, es gibt einen Ort, an den wir gehören.“

Nach der Geburt ihres Sohnes Albert im Jahr 1998 machte Kate Bush eine längere Pause, in der sie noch einmal ein Album unter dem Namen „Directors Cut“ herausgab, auf dem sich alternative Versionen ihrer Hits finden. Ihre vorerst letzten Konzerte gab sie im Jahr 2014 in London. Die 22 Konzerte waren binnen kürzester Zeit ausverkauft und wurden ein Riesenerfolg. Ein Mitschnitt wurde 2016 veröffentlicht. Die Künstlerin lebt heute sehr zurückgezogen mit ihrem Mann, dem Gitarristen Danny McIntosh, und ihrem gemeinsamen Sohn Albert in der Nähe von London.

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