Politik

Nordirland bald mehrheitlich katholisch

Spätestens 2021 dürfte der katholische Bevölkerungsteil größer sein als der protestantische. Diese Veränderung könnte auch Auswirkungen auf die Positionierung gegenüber dem Vereinigten Königreich haben.
Brexit - Nordirland
Foto: Brian Lawless (PA Wire) | Ein Schild der katholischen Sinn-Fein-Partei in Nordirland mit der englischen Aufschrift "Kein Sonderstatus, keine harte Grenze" steht am 08.12.2017 in Belfast (Großbritannien).

In Nordirland könnten bald mehr Katholiken als Protestanten leben. Darauf weist der Trend der gesellschaftlichen Entwicklung hin. Spätestens bis zum Jahr 2021, wenn das Land sein 100-jähriges Bestehen feiert, dürfte der katholische Bevölkerungsteil größer sein als der protestantische. Historisch gesehen waren die religiösen Mehrheitsverhältnisse auf der irischen Insel stets klar verteilt – die Republik Irland war mehrheitlich katholisch, der Norden protestantisch. Damit einher ging auch die Positionierung gegenüber dem Vereinigten Königreich. Der Norden hielt den Briten die Treue, nachdem sich der Rest der Insel 1921 von Großbritannien abspaltete. Noch heute ist Nordirland ein Teil des Vereinigten Königreichs, was einen der Hauptgründe darstellt, der gegen eine Wiedervereinigung der beiden Länder spricht.

Der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2011 zufolge überstieg die Zahl der Protestanten in Nordirland lediglich um drei Prozent die der katholischen Bevölkerung. Aus jüngst erhobenen Zahlen geht hervor, dass Katholiken auch in Nordirland in jeder Bevölkerungsgruppe die Mehrheit stellen, abgesehen von der Gruppe der über 60-Jährigen. Unter Kindern im schulpflichtigen Alter sind 51 Prozent Katholiken und nur noch 37 Prozent Protestanten.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die zu erwartende Veränderungen der religiösen Mehrheitsverhältnisse auf die politischen Bande der Nordiren mit dem britischen Königreich auswirken werden. Religiöse Konflikte waren in den vergangenen Jahrzehnten stets Teil der gemeinsamen irischen Geschichte. Traurige Berühmtheit erreichten die sogenannten „Troubles“, im Zuge derer sich Katholiken und Protestanten gewaltsam bekämpften und Tausende zu Tode kamen. Sie begannen in den 1960ern und konnten erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen beendet werden.

DT/mlu

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