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Gregorianischen Choral: Im Choral himmlisch-heilsames Gotteslob singen

Pater Johannes Paul Chavanne stellt den Gregorianischen Choral dort vor, wo er zuhause ist und beschreibt, was er wirkt.
Choral-Schola
Foto: Stift Heiligenkreuz | Der Choral, wie hier in Stift Heiligenkreuz, ist nicht nur die Lebensmelodie von Buchautor Pater Johannes Paul Chavanne, er weckt auch die Sehnsucht nach dem Leben als Mönch, für das er sich entschieden hat.

Der Gregorianische Choral übt auf Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen und sozialen Hintergründen eine bemerkenswert starke und über die Jahrhunderte nie nachlassende Faszination aus. Er ist seit seiner Entstehung die einzige Musik, die durchgängig in allen Jahrhunderten erklang und, wenngleich immer neue Kompositionen entstanden, nie unter dem Diktat der Mode verschwand.

Grund genug, dem Phänomen Choral einmal auf den Grund zu gehen. Genau dies unternimmt Pater Johannes Paul Chavanne, ein junger Zisterzienser, der an der Hochschule Heiligenkreuz Liturgiewissenschaft lehrt und zugleich für die Öffentlichkeitsarbeit des Stiftes zuständig ist. Dessen Strahlkraft ist zu einem guten Teil auf den seit der Gründung zu Lebzeiten Bernhard von Clairvaux ungebrochen gepflegten Choralgesang zurückzuführen, mit dem die Mönche sich nicht nur bei ihren Stundengebeten und Eucharistiefeiern in die Herzen der nie fehlenden Gäste, sondern vor einigen Jahren sogar bis in die überregionalen Charts der Musikszene sangen.

„Es vermittelt Einblicke in die Sammlung der Mönche vor den Gebetszeiten,
zeigt sie beim Singen in der Schola und macht den Lebensraum Heiligenkreuz
in wunderbaren Perspektiven auf Kloster und Landschaft sichtbar“

Chavannes Buch über den Gregorianischen Choral ist eine Monografie der besonderen Art. Denn er bietet, wenngleich es fachlich, sprich musikhistorisch und wissenschaftlich vollkommen korrekt und für einen kleinen Band auch recht umfassend ist, kein Lehr-, sondern vielmehr ein Lebensbuch. Es beginnt mit seiner ganz persönlichen Geschichte. Denn der Choral ist nicht nur in dem Sinne die Lebensmelodie von Pater Johannes Paul Chavanne, dass er ihn seit vielen Jahren jeden Tag mehrere Stunden lang singt, er weckte auch die Sehnsucht nach dem Leben als Mönch, für das er sich entschied.

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Vielleicht hat es mit dieser religiös so musikalischen Berufungsgeschichte zu tun, dass dieses Buch so anziehend ist, dass man es sehr gerne in einem Zug liest, weil man aus der wundersam heilen und heiligen Welt, in der der Choral erklingt, und in die man bei der Lektüre unweigerlich versinkt, nicht wieder auftauchen möchte. Chavanne hat seine Schilderung des Phänomens Choral nämlich nicht wie manch andere, natürlich notwendige und ihren Zweck weise erfüllende Fachbücher isoliert vorgenommen wie auch die Alten Handschriften, die Notation und die Aufführungspraxis fokussiert. Er lässt die Leser vielmehr daran teilhaben, was der Choral seinem Wesen nach ist, das in Sehnsucht nach der Begegnung mit Gott erklingende Gotteslob, das den Menschen, der es singt, performativ durchdringt und im Laufe der Zeit wirkmächtig wandelt.

Die geheimnisvolle Musik der Stille

Weil der Lebensraum Kloster dafür den Rahmen bietet, erfährt man in „Wie der Himmel klingt“ auch eine Menge darüber, wie das klösterliche Leben heute funktioniert, wie es sich im Laufe der Zeit gewandelt hat und wo es unwandelbar und notwendigerweise seinen Ursprüngen treu geblieben ist. Ein Teil dieser Treue erklingt jeden Tag circa drei Stunden lang im Chor: der Choral, jene geheimnisvolle Musik der Stille, die das bei sich Wohnen, die geistliche Grundhaltung des benediktinischen Lebens so wirksam in denen, die ihn singen, zu erwecken, zu stärken und auch zu erhalten vermag.

Dass die Verbindung mit der Lebenswelt der Mönche durch dieses Buch so schnell und so tiefgreifend gelingt, liegt nicht nur an den flüssig geschriebenen, mitunter auch heiteren, auf jeden Fall aber sehr einladenden Texten, sondern auch an dem wunderbare Einblicke gewährenden und aussagekräftigen Bildmaterial, das in ihm enthalten ist. Es zeigt neben alten Handschriften den „Arbeitsplatz“ der Mönche, das Chorgestühl, über dessen Wesen und Funktionsweise man ebenso vieles erfährt wie über den Lebensrhythmus, der um 4.30 Uhr beginnt, damit man rechtzeitig zur ersten Hore des Tages in der Kirche sein kann.

Ein Buch mit großem Mehrwert

Es vermittelt Einblicke in die Sammlung der Mönche vor den Gebetszeiten, zeigt sie beim Singen in der Schola und macht den Lebensraum Heiligenkreuz in wunderbaren Perspektiven auf Kloster und Landschaft sichtbar. Ein weiterer enormer Mehrwert gerade für ein Buch über Musik ist die Möglichkeit, über die in regelmäßigen Abständen enthaltenen QR-Codes zu Youtube-Filmen zu gelangen, in denen man die Mönche von Heiligenkreuz singen hören und sehen kann.

Fazit: Dieses wunderbare Buch ist ein Geschenk, das man sich und anderen gerne macht. Bei allen, die sich – beispielsweise in der haupt- und nebenamtlichen Kirchenmusikausbildung, im Priesterseminar oder im Theologiestudium – mit dem Choral beschäftigen, sollte es einen festen Platz im Bücherregal haben.


Pater Johannes Paul Chavanne: Wie der Himmel klingt. Eintauchen in die Musik der Stille mit dem Gregorianischen Choral.
Styria, Wien/Graz, 192 Seiten, ISBN: 978-3-222-13677-1, EUR 25,–

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Barbara Stühlmeyer Gotteslob Gregorianischer Gesang Hochschule Heiligenkreuz Johannes Paul

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