Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Filmkritik

Zurück zu einer weit entfernten Galaxie 

Jon Favreau bringt „The Mandalorian und Grogu“ vom Stream ins Kino. Der Film überzeugt mit einer tiefgründigen Vater-Sohn-Beziehung. 
„The Mandalorian & Grogu“
Foto: Nicola Goode/Verleih | Im Mittelpunkt von „The Mandalorian & Grogu“ steht die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Din Djarin (Pedro Pascal) und Grogu, seinem Lehrling.

Der Weg von einer erfolgreichen Serie auf die Kinoleinwand ist nicht ganz neu: „Star Trek“, „The X-Files“ oder „Downton Abbey“ haben ihn bereits beschritten. Dennoch bleibt er ungewöhnlich. Meist verläuft die Entwicklung umgekehrt: Ein erfolgreicher Film wird zur Grundlage einer Serie, die das bereits bekannte Universum weiter ausgestaltet. Bei „The Mandalorian & Grogu“ kommt hinzu, dass der Film nicht nur eine populäre Serienerzählung fortsetzt, sondern zugleich die Rückkehr von „Star Wars“ ins Kino markiert. Dazu sagte Regisseur, Mit-Drehbuchautor und Produzent Jon Favreau bei der Berliner Pressekonferenz zur Premiere: „Für mich ist Kino vor allem ein gemeinschaftliches Erlebnis. Menschen kommen zusammen, auch wenn sie einander nicht kennen, und erleben gemeinsam etwas: Sie lachen, jubeln, fiebern mit – ob bei Film, Musik oder Sport. Solche Momente verbinden uns. Gerade durch Technologie und Algorithmen sind wir heute oft isoliert; man versinkt leicht in der eigenen Welt und vergisst, wie viel wir eigentlich gemeinsam haben.“ 

Als die Serie „The Mandalorian“ 2019 in den USA und im März 2020 in Deutschland startete, war sie mehr als nur eine weitere Erweiterung des „Star-Wars“-Universums. Sie setzte den Startschuss für Disney+ und wurde rasch zu einem Aushängeschild der neuen Streamingplattform. Ihr besonderer Reiz lag jedoch darin, dass sie sich vom Ballast der großen Skywalker-Saga löste: Jon Favreau erzählte einen Weltraum-Western um einen einsamen Kopfgeldjäger, der in einer Galaxis nach dem Zusammenbruch des Imperiums seinen eigenen Weg sucht. Die Serie beginnt fünf Jahre nach den Ereignissen von „Star Wars 6: Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, also nach dem Ende der ersten Filmtrilogie. Obwohl das Imperium geschlagen und die Neue Republik ausgerufen wurde, ist die Galaxis keineswegs befriedet: Reste des untergegangenen Imperiums bestehen fort, Piraten treiben ihr Unwesen, und noch nicht alle Systeme haben sich der Republik angeschlossen. 

Harte Schale, weicher Kern: Vaterfigur im Zentrum

Auch „The Mandalorian & Grogu“ ist in dieser Übergangszeit angesiedelt, wohl nach der dritten Staffel der Serie. Din Djarin (Pedro Pascal) und Grogu, das einst als „Baby Yoda“ berühmt gewordene Kind, sind inzwischen wieder vereint. Die junge Neue Republik versucht, das Erbe der Rebellion zu schützen, während imperiale Kriegsherren weiterhin über die Galaxis verstreut sind. Dabei nimmt sie die Hilfe des mandalorianischen Kopfgeldjägers und seines jungen Schützlings in Anspruch, die nun stärker mit der Neuen Republik verbunden sind. Sie arbeiten für eine neue republikanische Kontaktfigur, Colonel Ward (Sigourney Weaver). Außerdem führt die Handlung zu den Hutts, insbesondere zu Rotta, dem Sohn Jabbas. 

Wie schon die Serie enthält auch der Film zahlreiche Verweise auf das größere „Star-Wars“-Universum. Dennoch lässt sich der Spielfilm auch ohne genaue Kenntnis der Serienhandlung nachvollziehen. Science-Fiction-Fans werden darüber hinaus nicht nur Anspielungen auf frühere „Star-Wars“-Filme, sondern auch auf andere Klassiker des Genres wie „Blade Runner“ erkennen. Über die filmischen Vorbilder von „Star Wars“ sagte Favreau bei der Pressekonferenz: „George Lucas hat so viele Anspielungen eingebaut, die mir nicht nur ‚Star Wars‘, sondern das Kino insgesamt nähergebracht haben. Durch ihn habe ich mich mit Kurosawa, mit Western und später auch mit Mythologie beschäftigt – insbesondere mit Joseph Campbells Theorie der ‚Heldenreise‘, die in Lucas’ Erzählweise eine wichtige Rolle spielt.“ 

Lesen Sie auch:

Im Zentrum von „The Mandalorian & Grogu“ steht die Beziehung zwischen dem Mandalorianer und Grogu. Favreau beschreibt sie als „eine sehr nachvollziehbare Eltern-Kind-Beziehung, die zunächst zögerlich beginnt“: Auf der einen Seite stehe „diese einschüchternde, vollständig gepanzerte Figur, deren Daseinsberechtigung der Kampf ist“; auf der anderen „ein verletzliches Wesen, das ihn daran erinnert, dass unter der Rüstung noch ein Mensch steckt“. Daraus entstehe „ein wunderbarer Handlungsbogen“: Die Beziehung vertiefe sich, bringe Konflikte hervor und bleibe „zutiefst menschlich und berührend.“ 

Diese Beziehung entwickelt der Film weiter. Grogu ist nicht länger nur das niedliche Kind, sondern zunehmend eine eigenständige Figur. Freilich bleibt er zugleich eine der erfolgreichsten Merchandising-Figuren des modernen „Star-Wars“-Universums. „The Mandalorian & Grogu“ zeichnet sich durch enorme Schauwerte aus, die den Fortschritt der computergenerierten Technik eindrucksvoll unter Beweis stellen. Nicht zufällig wurde der Film besonders für IMAX-Kinos entwickelt. Allerdings geraten die ausufernden Kämpfe mitunter repetitiv; hier wäre weniger mehr gewesen. Dennoch folgt der Film nicht einfach dem Rhythmus einer verlängerten Serienepisode, sondern behauptet sich als eigenständiges Kinoabenteuer – und erweitert das „Star-Wars“-Universum um ein weiteres Kapitel. 

„The Mandalorian & Grogu“, USA 2026, 132 Min. Regie: Jon Favreau. Im Kino ab dem 21. Mai. 


Der Autor schreibt als Historiker aus Berlin über Kunst und Kultur. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
José García George Lucas Spielfilme

Weitere Artikel

 Eine Schauspielagentur am Ku’damm, Stars, die sich selbst parodieren, und gewiefte Agenten, die im Hintergrund die Fäden ziehen: Die deutsche Serie „ Call My Agent: Berlin“ wagt viel ...
21.10.2025, 13 Uhr
José García

Kirche

Hitler begriff ihn als persönlichen Feind: Clemens Graf von Galen. Die Predigten des Bischofs von Münster gegen die Euthanasie sind auch heute eine Richtschnur.
22.05.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
1.200-Jahr-Feier des heiligen Ansgar: Deutsch-dänischer Studientag zum Apostel des Nordens.
22.05.2026, 11 Uhr
Claudia Kock
Am 10. Juni wird Papst Leo XIV. im Zuge seiner apostolischen Reise nach Spanien den zentralen Turm der Sagrada Família segnen. Erste Details zum Ablauf des Besuchs sind nun bekannt.
22.05.2026, 08 Uhr
Andreas Drouve
Wieder hat ein Abschlussbericht der Studiengruppen zum synodalen Weltprozess für Verwirrung gesorgt - diesmal ging es um praktizierte Homosexualität gläubiger Christen.
21.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst