Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Regisseur Schlöndorff ausgezeichnet

Ein Leben fürs Kino

Volker Schlöndorff erhält als „Meister seines Fachs“ den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises 2023.
Völker Schlöndorff
Foto: Deutsches Filminstitut & Filmmuseum | Ein Leben fürs Kino: Der 1939 geborene Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Volker Schlöndorff wird mit dem diesjährigen Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet.

Am Abend des 12. Mai verleiht die Deutsche Filmakademie den Deutschen Filmpreis, die „Lolas“. Bei der Verleihung wird Autor, Regisseur und Produzent Volker Schlöndorff mit dem diesjährigen Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet. Dazu heißt es seitens der Deutschen Filmakademie: „Volker Schlöndorff gestaltet die Geschichte des deutschen Films seit fast sechzig Jahren maßgeblich mit und zählt zu den wenigen heute noch Aktiven des Neuen Deutschen Films mit internationalem Erfolg.“

Alexandra Maria Lara, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, begründet die Entscheidung der Ehrenpreisjury: „Volker ist ein Meister seines Fachs und hat das deutsche und internationale Kino auf eine Art und Weise geprägt, die seinesgleichen sucht. Ich freue mich von ganzem Herzen, dass wir mit dem Ehrenpreis einen wunderbaren Menschen und Macher würdigen, der sich seit sechs Jahrzehnten mit großer Hingabe, mit Leidenschaft und Liebe dem Kino widmet. Dabei hat er sich auch immer mit ausgeprägtem politischem Bewusstsein komplizierten, gesellschaftskritischen Themen gestellt“.

In Paris entdeckte er die Regisseure der Nouvelle Vague

Volker Schlöndorff war der erste deutsche Regisseur, der den Oscar für den „besten nicht-englischsprachigen Film“ in Händen halten konnte („Die Blechtrommel“, 1980), nachdem jahrzehntelang etliche deutsche Nominierte leer ausgegangen waren. Mehr jedoch als der Oscar-Erfolg bedeutete ihm die ein Jahr zuvor für die Grass-Verfilmung in Cannes erhaltene Goldene Palme.

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Der am 31. März 1939 in Wiesbaden geborene Schlöndorff zog noch als Schüler nach Frankreich, zunächst zu einem Jesuiten-Internat. In einem vor einigen Jahren mit der „Tagespost“ geführten Interview äußerte sich der Regie-Altmeister dazu: „Im Jahre 1956 wurde mir Wiesbaden zu klein. Ich bin nach Frankreich zu einem Internat geschickt worden. Am Bahnhof holte mich ein Priester mit römischem Hut und Soutane. Seitdem hege ich eine große Bewunderung für Menschen, die eine starke Überzeugung haben, und die diese Überzeugung in Taten umsetzen, ohne deshalb Fanatiker zu sein.“

Nach dem Abitur in Paris entdeckte er die Regisseure der Nouvelle Vague, und wurde Volontär und Assistent bei Louis Malle, Jean-Pierre Melville und Alain Resnais. Seinen ersten Film „Der Junge Törless“ drehte er 1966. Der Durchbruch gelang Schlöndorff im Jahre 1975 mit der Adaption der Heinrich-Böll-Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, den er gemeinsam mit Margarethe von Trotta inszenierte. 

Teil der "jungen Wilden"

Volker Schlöndorff gehörte zusammen mit Alexander Kluge, Wim Wenders, Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder zu den „jungen Wilden“, die in den sechziger und siebziger Jahren einen ganz neuen Filmstil prägten, der unter der Bezeichnung „Neuer Deutscher Film“ in die Geschichte eingegangen ist.

Die Filmemacher dieser Bewegung stellten Gesellschafts- und politische Kritik in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, die sich dezidiert in Abgrenzung zu reinen Unterhaltungsfilmen auffassten. Ihre als „Autorenfilme“ verstandenen Produktionen wurden darüber hinaus unabhängig von großen Filmstudios realisiert. Ein bedeutender Einfluss auf den „Neuen Deutschen Film“ übte insbesondere die französische „Nouvelle Vague“ und die 68er Protestbewegung aus.

Einen Höhepunkt in Schlöndorffs Filmkarriere stellt „Der neunte Tag“ (2004) dar, die Verfilmung einer außergewöhnlichen Episode im Leben eines luxemburgischen Priesters, der einen zehntägigen Urlaub vom KZ erhielt. Darin zeigte der Regie-Altmeister seine ersten KZ- Bilder überhaupt. Im erwähnten Interview äußerte sich Schlöndorff dazu: „Ich hatte gedacht, ein KZ entzieht sich der Darstellung, das kann man nur indirekt erzählen, auch wenn es andere Regisseure wie etwa in ‚Schindlers Liste’ und ‚Der Pianist’ getan haben. Das vom authentischen Priester geschriebene Tagebuch lieferte mir indes die Vorgabe, wie ich es umsetzen konnte“. 

Zu seinen letzten Regiearbeiten gehört insbesondere die Max-Frisch-Adaption „Rückkehr nach Montauk“ (2017), wobei Schlöndorff selbst nicht gerne von Adaption spricht. Er möchte vielmehr „eine ähnliche Geschichte heute erzählen: Ein Schriftsteller kommt mit seiner Partnerin nach langer Zeit zurück nach New York und trifft dort auf eine Frau aus seiner Vergangenheit.“

Im August 2008 veröffentlichte der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent seine Memoiren unter dem Titel „Licht, Schatten und Bewegung – Mein Leben und meine Filme“. Darin zeige sich – so Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen Zeitung – dass Schlöndorffs Leben ein „Leben fürs Kino“ sei.

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