Umstrittener Psychologe

Jordan B. Peterson – Prophet oder Propagandist?

Viele Christen schätzen den kanadischen Psychologen als Verbündeten im intellektuellen Diskurs. Doch Peterson hat einen Imagewechsel vollzogen.
Jordan Peterson
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Im Juli gab Peterson, der noch 2019 gegenüber der London Times erklärte, nicht politisch sein zu wollen, seine zukünftige Zusammenarbeit mit dem rechts-konservativen Nachrichtenportal „The Daily Wire“ bekannt.

Für viele Christen ist der kanadische Psychologe Jordan Peterson ein Verbündeter im intellektuellen Diskurs um die Gottesfrage. Aber in den letzten Monaten hat Peterson einen Imagewechsel zum Pop-Konservativen vollzogen. 

Er protestierte gegen politische Korrektheit, hatte als Tiefenpsychologe nach Jung schon Disneyfilme wie „König der Löwen“ oder „Pinocchio“ auf seiner Couch und wird von den Konsumenten seiner Bücher, Videos und Podcasts scherzhaft als Vaterfigur bezeichnet.

Tief und ernsthaft mit Gottesfrage auseinandergesetzt

Für viele waren seine Vorträge und Bücher um Psychologie und Kultur lebensverändernd. Davon berichtet auch der katholische Kroate Patrik Krizmanic, der gegenüber der „Tagespost“ vom Einfluss von Petersons Denken auf seinen Lebensweg erzählt. Peterson verleiht Christen im intellektuellen Diskurs eine bessere Position: Denn der berühmte Akademiker setzt sich tief und ernsthaft mit der Gottesfrage auseinander. 

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Doch ist Peterson wirklich ein moderner Prophet? Früher stand er für ideologiefreien und selbstkritischen Diskurs. Doch laut dem britischen Journalisten David Fuller, der mit Peterson für Dokumentationen zusammenarbeitete, hat man „diesen Peterson schon seit Jahren nicht mehr gesehen“. Dafür führte er provokante Tweets des Psychologen an, die, so Fuller, Andersdenkende vor den Kopf stießen und nicht zu einer sinnvollen Verständigung führten. 

Russlands Krieg als Reaktion auf „westliche Dekadenz“?

Im Juli gab Peterson, der noch 2019 gegenüber der London Times erklärte, nicht politisch sein zu wollen, seine zukünftige Zusammenarbeit mit dem rechts-konservativen Nachrichtenportal „The Daily Wire“ bekannt. Dort veröffentlichte Peterson auch einen Artikel zu Russlands Krieg in der Ukraine, in der er diesen als eine Reaktion auf „westliche Dekadenz“ bezeichnete, die er auf die Debatte über die Geschlechterpronomen in den USA zurückführte. 

Fans fragen sich nun, ob ein ideologiefreier Austausch überhaupt noch möglich ist, wenn selbst Jordan Peterson seine eigenen Prinzipien zurücklässt – oder ob es andere Gründe gab, warum der Psychologe nun eine Karriere als politischer Kommentator einschlägt.

Jordan B. Peterson – Prophet oder Propagandist? Lesen Sie dazu ein ausführliches Thema der Woche in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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